lautenist

Dröbbelscher-Fotos / Silent Demos

Ich hatte beim letzten Post glatt ein paar Fotos vergessen — grade auch die Tröpfchen-Fotos (Dröbbelscher in Hessen)


Die weltweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Diskriminierung beschäftigen mich doch auch ein bißchen.

Einerseits finde ich es natürlich gut, wenn man gegen Diskriminierung und den blödsinnigen Gedanken, es gäbe mehrere menschliche Rassen und eine davon sei sogar irgendwie besser als eine andere auf die Straße geht. In den 80ern waren wir da deutlich weiter als heutzutage — wie bei so Vielem (zum Beispiel auch der Sexualmoral) scheinen wir hier zurück in der Zeit zu gehen. 

Die Proteste in Europa werfen aber ein schräges Licht auf die amerikanischen Proteste, weil dadurch der Anschein erweckt wird, Polizeigewalt und aus rassistischen Gründen mordende Polizisten seien ein internationales oder mindestens ein Problem der westlichen Welt. Natürlich gibt es auch hier Rassismus, wie man in einem Fußballstadion leicht feststellen kann — BILD und AfD haben auch hierzulande erfolgreich vorhandene Ressentiments verstärkt und vor allem salonfähig gemacht — doch alleine die Anzahl von 11 Tötungen durch Polizeibeamte in Deutschland gegenüber 1300 in den USA sollte ein Hinweis darauf sein, daß die USA anders ticken als der Rest der Welt. 

Hierzulande regt mich auf, wenn man den brutalen Mord an einem Schwarzen, der eines Bagatellvergehens verdächtig war und das vollkommen fehlende Unrechtsbewußtsein der ihn ermordenden Polizisten (die  Body-Cam war an) gleichsetzt mit sicherlich verletzenden und durch nichts zu entschuldigenden Diskriminierungen in Deutschland. In einem TV-Interview meinte dann auch eine Demonstrantin "ich habe oft das N-Wort gehört" — ich habe inzwischen gelernt, damit ist Neger gemeint, nicht Nigger, wie ich immer dachte. Nigger ist für mich eindeutig negativ konotiert, Neger neutral. Das aber nur am Rande. Daß Sprachwahrnehmung unterschiedlich sein kann und sich viele Schwarze alleine durch die Betonung eines optischen Merkmals diskriminiert fühlen können ist legitim. Andererseits sind blaue oder grüne Augen genauso ein Merkmal, Sommersprossen oder rote Haare auch. Die Diskriminierung des interviewten Mädels war also auch empfunden, die in den USA ist echt.
Was echt ist (und was ich selbst leider auch erfahren habe) ist eine Benachteiligung bis hin zur Diskriminierung beispielsweise auf dem Wohnungsmarkt. Mir persönlich ist ja vollkommen Schnuppe, ob jemand Mann oder Frau, deutsch oder ausländisch, Migrationshintergrund oder nicht oder auch Schuhgröße 43 hat — das ist vollkommen irrelevant. Aber ich war auch in der Situation, für jemand anderen eine Vorselektion von Mietinteressenten vorzunehmen, wo es hieß "keine Ausländer, keine Haustiere, keine Kinder" — klar habe ich dagegen argumentiert, aber da ich nur die Vorselektion mache war es mir peinlich, habe aber doch den Wünschen entsprochen. Und irgendwie kam ich mir dabei so ein bißchen vor wie ein Mitläufer im Nazi-Regime. 

Wenn man hier das Knie beugt und amerikanischen Symbolismus nach Europa transportiert protestieren wir irgendwie gegen die Amis und vor allem natürlich Donald, die Orange, Trump und nicht gegen Diskriminierung hierzulande. Natürlich gibt es die auch. Und natürlich kann und soll man auch und vor allem dagegen aufstehen. Aber so zu tun als hätten wir amerikanische Verhältnisse stimmt einfach nicht. Gegen die USA und gegen die Zustände in den USA zu protestieren ist okay — wer das Video gesehen hat oder nur über ein bißchen Gefühl und ein bißchen Menschlichkeit verfügt, ist schockiert und entsetzt über diesen grausamen Mord, der sich auf der anderen Seite des Atlantiks viel zu oft wiederholt. Das mit unseren Problemen zu vermischen zeigt aber, daß man das amerikanische Problem nicht verstanden hat und verharmlost es — und adressiert und formuliert das Problem hierzulande gleichzeitig falsch. 


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