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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


Plädoyer und so ...
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In diesem Monat habe ich noch gar nichts gepostet!
Grund ist, dass mich die Grippe erwischt hatte, ich einige Tage in der alten Heimat verbracht habe und nun nicht weiss, wo ich anfangen soll.
Ziemlich viel ist passiert. Ziemlich viele Gedanken sind mir durch den Kopf gegangen.
Was mir dabei aufgefallen ist, ist dass grade das politische Geschehen oft ziemlich rast und viele Themen, die ich ansprechen wollte, nun gar nicht mehr aktuell sind.
Aufreger war natürlich Gaulands Fliegenschiss - doch muss man sich über diese Idioten noch aufregen? Jeder wusste, was er gewählt hatte - genauso wie bei Trump, May, dem Baby-Ösi etc. Die Frage, die mir in dem Zusammenhang spannend erscheint ist, warum? "Die Russen waren es", wie die Amis das gerne bringen, hat doch bloss etwas von einer Entschuldigung der Demokraten für ihre Unfähigkeit, auf Trump als Kandidat ein geeignetes Rezept zu finden. Doch selbst in Frankreich, wo ausnahmsweise nicht die braune Kacke gewählt wurde hat man mit Macron eine fragwürdige Alternative: Sicher ein ernstzunehmender Politiker mit nachvollziehbaren Ansichten. Aber würde ich einen neoliberalen Politiker wie ihn wählen? Wohl kaum.
Wieso ist die Politik so verkommen? In den USA wurde mit Sanders der letzte ernstzunehmende Kandidat recht frühzeitig der Clinton geopfert, die wohl einfach auf's Alter noch aus dem Schatten ihres Mannes heraustreten wollte und als erste Präsidentin amerikanische Geschichte schreiben wollte. Hatte sie sonst inhaltlich etwas zu bieten? Sicher nichts, was sie für mich wählbar gemacht hätte: sehr neoliberal, wenig progressiv und man hätte somit bestenfalls die jetzige Katastrophe verhindert, aber die USA sicher nicht nach vorne gebracht. Schulz gegen Merkel in Deutschland? Ernsthaft? AfD bekam fast 13%. Angesichts des Mangels an Alternativen fast noch überraschend wenig. Ich erkläre mir das mit Schulz' Absage an eine erneute Grosse Koalition. Durch das erneute Umfallen der SPD hat sie sich auf absehbare Zeit unwählbar gemacht. Alternatives Personal war der richtige Ansatz. Schulz ist halt gescheitert - er ist keine Kanzler-Persönlichkeit. Da scheint der Deutsche "den Vater (oder heute die Mutti) der Nation" zu erwarten. Nun wieder die bekannte Mannschaft einzusetzen, ausgerechnet mit der Nahles als Vorsitzender sorgt sicher nicht für eine grössere Zustimmung. Die Briten haben May tatsächlich gewählt. Wenn mir Briten erzählen, eine Abstimmung über den Brexit würde heute ganz anders ausgehen muss ich sie auf diese Wahl verweisen. Das war eine Bestätigung des Brexit-Votums. Und die Tories hatten schon vorher deutlich bewiesen, wie inkompetent sie sind. Die Italiener reihen sich nun ein, nachdem die Österreicher den Milchbubi mit faschistoidem Gedankengut zum Kanzler machten.
Mein Eindruck: Die heutige Politikerkaste, der gesamte politische Betrieb wird vom Wahlvolk als verkommen wahrgenommen. Schon früher sagte man "die da oben machen doch, was sie wollen". Heute ist es einmal eine gewisse Selbstherrlichkeit der Politiker und andererseits ein desillusioniertes Verhältnis zur Demokratie beim Wähler, verbunden mit einer fantasielosen, gestaltungsunwilligen Politik - die sicher weniger grobe Fehler (wie damals die Notstandsgesetze oder die Wiederbewaffnung der Nundesrepublik) nahezu ausschliesst, aber andererseits aber nur noch verwaltet. Wenn Anstösse kommen scheinen sie überwiegend aus der Wirtschaft, von mächtigen Interessenverbänden, angestossen worden zu sein. Da kann es sinnlos erscheinen, zur Wahl zu gehen. Und wenn man zur Wahl geht meint man, jemand ausserhalb des Systems würde vielleicht etwas ändern. Das Ganze verbunden mit einem "Früher war alles besser" und schon haben wir die derzeitigen Ergebnisse in der und durch die Volkspsyche erklärt. Gelöst wird dadurch freilich nichts. Brandt sprach von "mehr Demokratie wagen" - wie soll man diese Richtung gehen, wenn alles zurück zum Nationalstaat geht, internationale Lösungen skeptisch beurteilt werden. Tatsächlich scheint mir das zu fehlen, was die Zeit bis in die beginnenden 90er geprägt hat zu fehlen: ein positiv empfundenes Ziel, eine Gesellschaft, die man anstreben will. Die Ziele heute zerfallen in Partikularinteressen, von denen zur Zeit der konstruierte Genderkonflikt alles zu durchdringen droht. Tatsächlich ist "Gerechtigkeit" ein zentrales Thema, bei dem Geschlechtergerechtigkeit natürlich eine Rolle spielt. Eine! Viel wichtiger erscheinen mir dennoch Fragen wie soziale Teilhabe, die internationale Dimension von Gerechtigkeit (wie können wir ein Staatensystem aufbauen, welches die Güter der Erde gerecht verteilt oder: Wie können wir so wirtschaften, dass wir uns im Spiegel anschauen können? Da stellen sich Fragen wie das Verhältnis zu Saudi-Arabien, China etc. neu). Das wäre übrigens eine konservative, werteorientierte Ausrichtung der Politik. Dass die "Wirtschaft es schon richten" wird hat sich definitiv als falscher Ansatz erwiesen. Privatisierung ist gescheitert (so pauschal stimmt das auch nicht, aber die Pauschalisierung in die andere Richtung ist genauso falsch. Man müsste fragen "Passt eine/war die Privatisierung verträglich mit unseren Werten"). Eine Gesellschaft, die sich am wirtschaftlichen Wohlstand orientiert ist verfehlt. Werte zuerst - einige davon werden wirtschaftlich geprägt sein, aber: sicher nicht alle!

Ausser solchen politischen Gedanken habe ich mein Fahrrad nach Deutschland gebracht und bei meiner Mutter deponiert. Hier mein Bergdörfchen ist von lauter Bergen umgeben (wie sich das für ein Tal gehört), so dass die Wege sehr anstrengend sind. Die Idee, den Arbeitsweg mit dem Fahrrad zurückzulegen und Ausflüge mit dem Fahrrad zu unternehmen habe ich sehr schnell fallen gelassen und durch den Elektroroller ersetzt. Aber was ist Fahrradfahren toll! Es hat riesigen Spass gemacht, durch die Vortaunus- und Taunusregion zu radeln. Fotos folgen - auch wenn ich nicht so viele gemacht habe, wie gedacht. Das Radeln an sich war schon so toll - ich hatte oft keine Lust anzuhalten.

Fotos sind inzwischen hunderte angekommen, die ich sortieren und hochladen muss, um die Berichte über meine Ferien und weiteren Ausflüge zu llustrieren.



Und Rezepte und Ideen zum Thema "Gesünder Leben ohne Krampf und Zwang" stehen auch noch an.

Weitere Überlegungen betreffen mein Arbeitsleben ... doch dazu demnächst mehr.


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