February 22nd, 2018

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meToo

Ein Phänomen des Internet ist der HashTag #, unter dem Themen gebündelt werden. Ein weiteres Phänomen ist der «ShitStorm», bei dem jemand «die geballte Wut des Netzes» zu spüren bekommt. Und tatsächlich hat die Aktion unter dem Hashtag #meToo etwas von einem Shitstorm. Doch der Reihe nach: Worum geht es bei dieser Aktion überhaupt?
Wie so oft soll «Bewusstsein geweckt» werden (Awareness), in diesem Fall für das Mengengerüst an sexuellen Belästigungen, hauptsächlich gegenüber Frauen. Ausgelöst wurde das Ganze durch Berichte über einen Herren Weinstein, der vorverurteilend gar als «sexual Predator» verunglimpft wird. Beachtenswert ist, dass wie nahezu immer in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen in egal welcher Schwere und Form die Beschuldigung bereits mit der öffentlichen Verurteilung einher geht. Weinstein wird vorgeworfen, seine Position als Produzent in Hollywood auszunutzen, um sexuelle Handlungen an Bewerberinnen durchzuführen.
Wird nun dadurch, dass man wieder einmal eine Sau durch das virtuelle Dorf jagt tatsächlich Bewusstsein für ein Problem geweckt? Was ist das zugrunde liegende Problem überhaupt? Dass es sexuelle Belästigung gibt bestreitet niemand. Jedes Mädchen und jede Frau wird sich an die Ermahnungen ihrer Mütter erinnern. Was als sexueller Belästigung bezeichnet wird ist nun je nach Ort sehr unterschiedlich gefasst. In der EU wird es schwammig als «jede Form unerwünschten Verhaltens sexueller Natur» beschrieben. Wenn man sich nun vorstellt, dass feministische Kreise in den USA «gewisse Blicke» bereits als sexuelle Belästigung bestraft wissen wollen öffnet sich vielleicht der Blick dafür, dass der gemeinte Tatbestand kaum greifbar ist. Gemeinerweise kommt noch dazu, dass es durchaus sein kann, dass die gleichen Anzüglichkeiten des einen als Belästigung empfunden werden, während sie von anderen als erwünschter Flirt wahrgenommen werden. Das bedeutet, die Beurteilung, ob etwas eine Belästigung ist oder nicht ist subjektiv. Weiterhin hochgradig problematisch ist, dass es vom Begriff her um Belästigung geht, aber viele Frauen sexuelle Übergriffe bis hin zu Missbrauch meinen (Beispiel https://wasmansonichtsagendarf.ch/2017/10/17/metoo/ ) – der Inhalt dessen, was Frauen meinen, wenn sie #meToo taggen ist, wie gesagt, obskur. Das bedeutet nun nicht, dass dieses Problem nicht existiert. In Deutschland ist sexuelle Belästigung, die mit körperlicher Berührung einhergeht immerhin seit knapp einem Jahr strafbar (eine rein verbale sexuelle Belästigung ist das nicht). Es bedeutet aber, dass der Begriff «sexuelle Belästigung», unter dem wir einen Tatbestand, ja eigentlich konstruieren! viel zu weit gefasst ist und gleichzeitig noch im subjektiven Empfinden liegt, um etwas nachvollziehbar zu beschreiben. Es wird eine unzulässige Zusammenfassung vorgenommen; sozusagen unterschiedlichste Sachen zusammen in einen Sack geworfen, die nur gefühlt etwas miteinander zu tun haben, aber nicht Wirklichkeit. Das Bindeglied ist in diesem Fall die «sexuelle Motivation» der Tat. Die sexuelle Motivation soll nun der vermeintliche Täter haben. Ob sie aber vorliegt soll das Empfinden des Opfers entscheiden. Es handelt sich also immer um eine Unterstellung.
Der Hashtag #meToo nun sagt nichts über die konkrete Art der Belästigung, ob es sich um einen ungewollt erzählten Witz oder um eine ungewollte Berührung handelt. Wir wissen dank des Hashtags nur, dass sich eine Frau sexuell unangenehm berührt gefühlt hat (körperlich oder verbal). Was sagt uns das also? Dass Frauen sexualisiert wahrgenommen werden? Ist das nicht banal? Schauen wir uns doch mal um: einfach nur die Augen aufmachen! Im TV gibt es Supermodel und zig andere Sendungen, die mehr oder weniger deutlich Frauen oder Mädchen auf ihr Aussehen reduzieren. Die Werbung benutzt Frauen sicher nicht wegen ihres Charakters oder ihrer Bildung. Man darf die ganze Sportindustrie auch nicht vergessen, die Körperoptimierung zu einem fast schon über-biblischen Gebot erhebt. Die Sexualisierung, nicht nur, aber grade der Frau ist allgegenwärtig. Banal ausgedrückt «sex sells». Das ist einfaches Ausnutzen biologischer Gegebenheiten. Ist diese Sexualisierung okay? Natürlich nicht!
Zusammengefasst lässt sich zu diesem Punkt sagen: unter diesem Hashtag wird erfasst, dass eine Frau mindestens einmal unerwünscht einer als sexuell motiviert wahrgenommenen Kommunikation (verbal und nonverbal) ausgesetzt war. Damit ist es nur der Versuch, eine Befindlichkeit quantitativ zu erfassen.
Ich würde das Verhältnis von dem Gedöns, welches um die Aktion gemacht wird und dem, was wirklich ausgesagt wird als weit voneinander entfernt bezeichnen.
Mein Bauchgefühl sagte mir, als ich diesem Hashtag zum ersten Mal begegnete, dass hier Opfer instrumentalisiert würden. Einmal kann sich wegen des sehr schwammigen Begriffs jede irgendwie dazu gehörig fühlen. Das erzeugt einmal eine grosse Menge Betroffener. Andererseits ist es frei von Konsequenzen: Ich äussere ja eigentlich nur, einmal von jemand unerwünscht etwas irgendwie Sexuelles erfahren zu haben. Aber irgendwie hat jeder das Gefühl, dass es um etwas Schlimmes gehen muss. Und natürlich sind Männer schuld. Alles schwanzgesteuerte potentielle Vergewaltiger! Da überlegt man schon, ob schwul werden nicht eine Alternative ist, wenn man von Frauen wirklich so wahrgenommen wird. Und viele Frauen, die #meToo taggen sind ja auch wirklich Opfer sexueller Gewalt geworden, nicht «nur» belästigt. Es wird in letzter Zeit immer wieder etwas von Rape-Culture (Vergewaltigungskultur) gefaselt, was mit sexueller Belästigung ja nun nur am Rand zu tun hat und was von der Wortbedeutung her eine ganz andere Intensität impliziert. Unter Rape Culture wird ein gesellschaftliches Umfeld gemeint, welches sexuelle Gewalt gegen Frauen ignoriert oder sogar begünstigt. Dieser Begriff ist problematisch, weil er sich selbst voraussetzt.
In diesem Problemfeld fragt man sich, warum sich Frauen nicht wehren? Warum lassen sie sich von einem Weinstein oder Trump befummeln – oder gehen auf die Besetzungscouch wie die Jolie oder die Paltrow? Auch hier gibt es zwei Beteiligte, die man sich anschauen muss – denn nicht in jedem Fall ist es, wie die Feministinnen uns einreden wollen, eine rein männliche Angelegenheit und Frauen immer nur die passiv ertragenden Opfer. Die Frauen, die sich nun geäussert haben, waren in einer Situation, die wir alle aus Bewerbungsgesprächen kennen. Wir wollen was (einen Job) und unser Gegenüber ist in der mächtigen Position, uns unseren Wunsch zu erfüllen oder ihn uns zu versagen. Wie in einem Bewerbungsgespräch entscheiden oft nicht die vermeintlich objektiven (Qualifikation) sondern ganz andere Kriterien (Aussehen, «soft skills»). Wir sind in einer sehr schwachen Situation – ich habe in meinem ganzen Berufsleben nur sehr selten erlebt, dass ich unter bei Beachtung meiner Würde nicht den Stinkefinger hätte zeigen müssen und gehen! Aber unser Wunsch ist oft sehr stark und ausgeprägt, so dass wir ein grosses Mass an Demütigung bereit sind zu ertragen. Auch das rechtfertigt keine sexuelle Belästigung, aber die Option, den Stinkefinger zu zeigen und zu gehen hätten die Paltrows und Jolies dieser Welt gehabt. Die Macht, die die Weinsteins und Trumps dieser Welt haben ist die, die wir ihnen geben. Öfter den Stinkefinger zeigen könnte helfen! Ob die Schauspielerinnen Paltrow oder Jolie unter solchen Bedingungen zu Weltstars geworden wären ist sicher zweifelhaft. Aber, siehe oben! Qualität scheint nicht entscheidendes Kriterium zu sein sondern Sex – warum ist das in Hollywood so? Der anspruchsvolle Autorenfilm verkauft sich nun mal weniger gut als die seichte Unterhaltung, die wir von Hollywood gewöhnt sind und die genau die niederen Triebe anspricht, die Produzenten wie Weinstein scheinbar bei den Möchtegern-Sternchen ausgenutzt haben. Natürlich ist die Situation trotzdem nicht richtig – aber nicht nur bezogen auf Frauen, die sich erniedrigen lassen müssen, sondern generell. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, in der wir anderen Menschen überflüssigerweise Macht über uns geben. Diese Machtposition erst ermutigt die Weinsteins und Trumps dieser Welt, ein solches Verhalten an den Tag zu legen! Jobvergabe ist aber nur eine dieser Situationen – prinzipiell geht es um alltägliche Diskriminierung. Gesetzlich ist sie fast überall geächtet, faktisch werden nur Formulierungen im Absagebrief umgestellt. Die Besetzungscouch in Hollywood bekommt sozusagen eine neue Farbe.
Somit wäre Rape Culture letzten Endes schlicht die sexualisierte Variante erniedrigender Situationen. Wäre es darum nicht angebrachter, Machtstrukturen generell zu betrachten und einmal zu hinterfragen, wieso eine demokratische Gesellschaft solche herrschaftlichen Strukturen überhaupt zulässt?
Grund ist wohl die merkantile Orientierung unserer Gesellschaft, die dazu führt, dass Individuen meinen, sich fit für den Markt machen zu müssen. Hier wird Leben auf «Teilnahme am Markt» reduziert. Betriebswirtschaft als Analogie des Lebens? Optimierung auf am Markt grade angesagte Faktoren? Der Markt ist aber niemals demokratisch. Unternehmen sind streng hierarchisch organisiert. Und schon haben wir einen Widerspruch. Organisieren wir unser Leben wie Krämer, dann leben wir auch so. Wenn wir Sex zu einem wesentlichen Merkmal dessen machen, wie wir uns verkaufen, dann haben wir eben ein Umfeld wie das, über das sich jetzt beklagt wird. Und Nein! Das ist nicht gottgegeben sondern gemacht, von uns in langen Jahren erzeugt. Tatsächlich hat die Demokratie spätestens in den 90er Jahren vor dem Markt kapituliert. Als Beleg dafür kann dienen, wo der Hashtag besonders beliebt ist

  • tl;dr #meToo: beschäftigt Euch doch mal mit den wirklichen Problemen der Welt und konstruiert nicht aus allem und jedem ein Gender-Problem

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1974

als ich noch Hitparade gehört habe
Die "Gute alte Zeit" und so 📷 📷 📷
1974 - Erinnerungen sind düster. Ich meine, 1974 wäre das Jahr gewesen, in dem es im Frankfurter Raum überraschend viel Schnee gab. Wir sind damals gerne einen Hang hinuntergeschlittelt, der heute "Hochzeitsgarten" (Garten der geplatzten Träume) ist. damals standen dort ein paar Obstbäume, den Park auf der anderen Seite des Baches gab es noch nicht. Beim Rodeln mussten wir aufpassen, mit dem Schlitten nicht in den Bach zu "rasen" (was natürlich trotzdem ständig passierte). Damals sind wir zum Schlitteln aber auch in den Taunus gefahren. Es gab sogar einen Schlepplift! Im Museum habe ich Ski, wie ich sie damals hatte, wieder gesehen; Gummibindung und alles. 1974 war natürlich auch die Weltmeisterschaft in Deutschland, die erste, die ich bewusst erlebt und verfolgt habe. Die Wasserschlacht in Frankfurt (gegen Polen 1:0) ist mir genauso im Gedächtnis geblieben wie das Spiel gegen Schweden (4:2, Schweden hatte von mir immer ein Plus, weil die einzige wirkliche Ferienreise als Kind ging 1971 nach Schweden) und das Endspiel gegen Holland. Musikalisch war ich in dieser Zeit ausser von der Hitparade, die ich seit dem Jahreswechsel 1973/1974 verfolgte (Slade, Sweet, Deep Purple - heute Legenden), durch die Beatles geprägt.