lautenist

Unwort "Narrativ"

Regnerisch ist's!
Aber das ist natürlich auch eine Gelegenheit, eine neue Serie meiner einstmals beliebten "Dröbbelschefotos" aufzunehmen — auch der Garten an sich zeigt sich im Regen nicht von seiner hässlichen Seite. Noch ein Vorteil einer Wildwiese — sie braucht kein Sonnenlicht, um gut auszusehen.


Sprache ist im Wandel — das verstehe ich. Meine Beobachtung, wonach es auch sprachlich bergab geht, hat damit wenig zu tun. Die Sprache selbst von Anfang des 20.Jahrhunderts erscheint uns heute pathetisch, schwülstig und unser Bild dieser Zeit (Kaiserreich und Weimarer Republik) ist auch von einigen Mißverständnissen geprägt. Noch weiter zurück wird die Sprache fremder und es fällt wieder leichter, einen Text vorurteilsfrei zu lesen, weil wir das Bildungsideal der Klassiker, Stürmer und Dränger und davor schon so weit entfernt empfinden, daß wir eher bereit sind, uns mit der Zeit und der Sprache der Zeit zu beschäftigen, um uns Texte zu erschließen. Die Wertung, es ginge bergab, bezieht sich darauf, daß wir immer weniger gewohnt sind, uns schriftlich zu verständigen. Einen längeren Text liest im Twitter- und Facebook-Zeitalter kaum jemand und was wir zu sagen haben muß am besten visuell oder gar audio-visuell unterstützt sein, um Rezipienten zu erreichen. Die Sprache muß möglichst einfach sein, man muß sich kurz halten ... ach! Was sage ich — Kurt Tucholsky kann das viel besser und unterhaltsamer beschreiben 

Daß sich unsere Kommunikation auf Sketche beschränkt, jedenfalls die Kommunikation, die auch ankommt — im ursprünglichen Sinn als "Skizzierung"  verstanden — macht die Reduzierung deutlich. Natürlich gibt es auch andere Formen (noch). Dazu mehr zu sagen würde den Rahmen aber deutlich sprengen. In diesem Zusammenhang — wie vermittele ich Inhalte? — bekommt der Begriff Narrativ Bedeutung. Auch wenn es auf dem Lateinischen basiert, dürfte es ein Anglizismus sein, der sich mit Erzählung oder Erzählen übersetzen läßt. Eigentlich bereits eine Offenbarung, denn wenn man vom Narrativ von etwas spricht sagt man nichts über dieses Etwas, sondern darüber, wie über dieses Etwas gesprochen wird. Also etwas vereinfacht die Vermarktung dieses Etwas'. Im Deutschen gibt es dafür den Begriff der Darstellung. Die hat aber noch einen Bezug zu dem, was man darstellt. Eine Erzählung kann reine Fantasie sein und darum ist die Nähe zur Werbung bedeutender. Im politischen Bereich ist es ein kurzer Weg von Werbung zu Propaganda.Vielleicht typisch für unsere Zeit, daß das Märchen, das Narrativ von Etwas die Bedeutung oder den Sinn dieses Etwas an Nachrichtenwert übertreffen. 

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