August 22nd, 2012

Thomas

Langes Wochenende - Teil 2: Einsiedeln/Ballenberg

Donnerstag kam Donatella, eine befreundete Lautenistin aus Milano, in Zürich an, wo sie zunächst andere virtuelle Bekannte traf, zu denen ich mich dann später am Nachmittag in Einsiedeln gesellte.



Eine Weile wohnte ich in Adliswil und Einsiedeln lag nicht so weit entfernt. Auch ist das Kloster offenbar zuständig für eine Art Wallfahrt, den die Firmlinge der Innerschweiz unternehmen. Nach der Firmung Damians, des Sohns einer damaligen Freundin, war ich darum auch noch einmal dort und kannte die weiträumige Klosteranlage bereits. Für mich neu war das Innere der Klosterkirche, welches sehr ausgeschmückt im Rokokostil gehalten ist, was sehr schön anzuschauen ist. Was mich an katholischen Kirchen und insbesondere solchen mit Sehenswürdigkeitscharakter abstösst fand sich auch in dieser Kirche: ausufernder Devotionalienhandel, eine anbiedernde Präsentation der Madonna, neben der sich auch Opferstöcke fanden, so dass mir die schriftlichen Hinweise darauf, bei der Klosterkirche handele es sich um einen Ort des Gebets und der Einkehr reichlich bigott vorkamen.



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Nach diesem Besuch ging es nach Sarnen, einen weiteren virtuellen Freund Donatellas zu treffen. Bei einem Abendessen verbrachten wir den Abend. Die Gespräche gingen meistens an mir vorbei, weil ich mit den esoterisch angehauchten Themen (Heilung durch Handauflegen, Geisterwanderung etc.) absolut nichts anfangen kann und ich mich aus Höflichkeit lieber nicht zu sehr am Gespräch beteiligte. Meine Meinung zu diesen Themen wäre wohl nicht goutiert worden …
Es wurde früh am Morgen, bis wir dann bei mir ankamen und Donatella ihr Zimmer beziehen konnte.

Freitag kamen dann noch Ron und Markus hinzu. Ich wusste nun nicht, wann sie ankommen würden und konnte darum nicht so genau für den Freitag planen. Nachdem ein Mail von Markus ankam, welches die voraussichtliche Ankunftszeit nannte entschloss ich mich, Donatella den Ballenberg zu zeigen. Er liegt nah, ist immer wieder interessant und bietet gute Fotomotive. Absehbar war allerdings, dass wir uns in der gegebenen Zeit nur einen Teil des Ballenbergs würden anschauen können. Für mich kein Problem, da ich öfters dort bin. Und so ging es los.




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Nachdem wir dann wieder zurück waren verging etwas Zeit, bis Ron und Markus ankamen.
Nachdem die beiden dann auch bei mir waren ging es kurz den See entlang zum Wasserfall spazieren, bevor wir in der Caverna Cantina zu Abend assen.






Anschliessend plauderten wir noch ein wenig, bevor wir zu Bett gingen.

Thomas

Langes Wochenende - Teil 3: Pilatus – Zürich - Luzern

Der Samstag versprach, sehr heiss zu werden. Da war der Plan, auf den Pilatus zu fahren sicher nicht die schlechteste mögliche Idee, um der Hitze wenigstens teilweise zu entfliehen.
So trieb ich meine Gäste recht früh aus dem Bett, da ich mit einem rechten Ansturm auf die Bahn rechnete und eine der ersten Bahnen erwischen wollte. Da Ron von Sonja sehr begeistert schien und ihr auch gesagt hatte, er sei in der Schweiz wollte sie auch bei einem unserer Ausflüge mitkommen. Sie hatte sich dann diesen ausgesucht. So dass nun auch sie mit ihren Kindern mit dabei war. Mich freute das vor allem für Ron – und ich mich vor allem auf die Kinder. Wer weiss, ob ich sie noch einmal wiedersehe!

Die Bahnfahrt mit der Zahnradbahn auf den Pilatus ist ein Erlebnis! Eine sehr schöne (und steile) Strecke, die aber trotzdem recht bequem war. Oben bietet sich dann eine wunderschöne Aussicht, welche die Fahrt lohnend macht.
Wie befürchtet füllte sich die Gipfelregion recht schnell und zu allem Überfluss fand noch eine Veranstaltung statt (der „Mountain Man“), so dass es für meinen Geschmack schon arg viele Leute dort hatte. Dazu kam eine allgemein schlechte Laune: Damian war schlecht drauf und motzte viel herum (als Kind darf er das – nerven tat’s trotzdem, vor allem, weil ich doch gehofft hatte, die drei würden dazu beitragen, den Tag für Ron zu einem Erlebnis zu machen), Donatella separierte sich recht schnell, Sonja fand einen ehemaligen Klassenkameraden, mit dem sie plauderte (ausnahmsweise war es *nicht* das Handy, das sie von der Beteiligung am real life abhielt *ggg*), so dass schlussendlich Ron und ich alleine unterwegs waren, um den Berg zu erkunden.



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Irgendwann haben wir uns dann, dank vorhandener Handis, nach und nach wieder zusammengefunden. Doch da Damian unbedingt nachhause wollte, trennten sich Sonja mit ihren Kindern dann wieder von uns. Während der Diskussion, was wir denn nun wie machen sollten ging Donatella weg – und wieder verloren. Ron und ich suchten sie anschliessend doch sie blieb verschwunden. Wieder musste das Handy helfen. Donatella war aufgebracht und meinte, wir hätten sie stehen gelassen – offensichtlich nicht das, was wirklich geschah und da inzwischen meine Laune angesichts des Desasters auch nicht besser geworden war habe ich ziemlich geschimpft.  Wir sind dann noch einmal um den Gipfel gewandert und haben das nächste Bähndli nach unten genommen.

Anschliessend ging es zu mir nachhause, wo ich dann kochte. Um den üblen Tag noch schlimmer zu machen hat mein Ofen zunächst den Dienst verweigert, so dass sich das Essen noch verzögerte.
Vom Zwiebelkuchen wurde recht wenig gegessen während der Salat schnell leer war. Die Reste der Zwiebelkuchen gab ich dann den Maidlis. Deren strahlende Gesichter und das Tempo, mit dem der Zwiebelkuchen vertilgt wurde gaben mir den Glauben an meine Kochkunst wenigstens teilweise wieder zurück.

Angesichts des aus meiner Sicht katastrophalen Tags beendete ich den Tag in der Hoffnung, nur mir sei der Tag so katastrophal erschienen.

Sonntags wollte sich Donatella noch mit ihren Freunden in Zürich treffen, die Stadt anschauen und dann abfahren. Ihre Freunde hatten dann aber abgesagt.
Ursprünglich wollte ich eine Bootsfahrt über den Zürisee nach Rapperswil machen und von dort dann wieder nach Zürich zurück. Es war jedoch so heiss, dass mir eine Fahrt mit dem Boot kein schönes Erlebnis zu werden versprach. Da klangen die kühlen Kirchen und die schmalen, schattigen Strässchen in Zürichs Altstadt verlockender.

So führte ich Ron und Donatella durch die Zürcher Altstadt, so gut es meine Ortskenntnis erlaubte, wir schauten uns Fraumünster und dem Grossmünster von Innen an und schwitzten uns so durch Zürich. Donatella wollte dann noch einkaufen, was mich anschliessend dazu verführte, den Unterschied im Einkaufen bei Mann und Frau zu demonstrieren. Während sie für den Einkauf von Kuchen ca. 15 – 20 Minuten (gefühlt waren es eher 3 Stunden) benötige, war ich mit dem Kauf von Luxemburgerli in ca. 1 Minute fertig.


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Anschliessend setzten wir Donatella in den Zug und fuhren zu mir nachhause, wo dann – nach einer angemessenen Abkühlphase – endlich und zum ersten Mal an diesem Wochenende Lautenspiel zu hören war. Ich konnte mich nicht zurückhalten und so war es wohl hauptsächlich ich, der gespielt hat, was mir hinterher sehr leid tat. Schliesslich war Ron der Gast und eigentlich hätte ich ihn auch liebend gerne spielen gehört. Aber es überkam mich …



Montag schliesslich reiste Ron ab. Auf dem Weg zum Flughafen sind wir noch nach Luzern und haben uns diese schönste Stadt der Schweiz angeschaut. Es war extrem heiss (für Schweizer Verhältnisse), so dass das Sightseeing etwas mühsam war. Ich hatte keinen Foto mitgenommen, da ich die Sehenswürdigkeiten Luzerns schon x-Mal fotografiert hatte und mit dem Handy auch ganz passable Fotos zustande bringe. Die reiche ich dann noch nach.

Alles in allem hoffe ich sehr, meinen Gästen hat es bei mir gut gefallen. Für mich war das Wochenende sehr anstrengend gewesen, doch auch voller schöner Momente.
Die Anzahl Gäste mit offenbar unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichem Temperament hatten nicht in dem Mass zu einer Bereicherung geführt, das ich mir erhofft hatte. Beim nächsten Mal (sollte es ein nächstes Mal geben) werde ich darauf achten, lieber weniger Gäste zu haben, mich aber dafür auf sie konzentrieren zu können.
Ansonsten hoffe ich, die Landschaft, Land und Leute sorgten für ein entspanntes Wochenende für meine Gäste und ich hoffe, sie haben sich bei mir wohl gefühlt und die Reibungen und Längen habe nur ich als solche empfunden.

Thomas

Teufelskreis

Warum fallen ein paar Menschen einfach durch?
Warum werden einige Menschen ausgesiebt?
Warum finden mache Menschen keinen Kontakt und müssen zwangsweise einsam und alleine durchs Leben gehen?

Sehr zur Freude von Dating-Plattformen, die von der Hoffnung leben, „in den Weiten des Internet“ könne es schlussendlich doch jemanden geben. Und von Heiratsvermittlern, die verzweifelten einsamen Menschen (in der Regel Männern) mit Geld verzweifelte arme Menschen (in der Regel Frauen) gegen Entgelt zuordnen. Bei beidem zweifele ich daran, dass es sich um eine brauchbare Grundlage handelt, um das Problem zu lösen.

Platt bekommt man dann gerne zu hören, solche Menschen gingen nicht auf die Menschen zu – oder nicht in genügendem Mass. Doch woran liegt das? Wahrscheinlich durch gemachte schlechte Erfahrungen bedingt. Und diese führen dann in einen Kreislauf, welcher dazu führt, dass sich diese Menschen immer weiter in ihr Inneres zurückziehen, da sie im Aussen nichts mehr als schlechte und schmerzhafte Erfahrungen erwarten. Das hat nun nicht einmal etwas mit mangelndem Selbstwertgefühl zu tun. Denn man kann schliesslich durchaus meinen, etwas wert zu sein; wenn das aber von aussen nicht geschätzt und angenommen wird, wird man sich dennoch von der Aussenwelt fernhalten. Ein solcher Kreislauf lässt sich nur durch positive Erfahrungen durchbrechen. Die kann man machen, wenn man auf Menschen zugeht. Etwas, was jemandem, der sich bereits in dem Kreislauf befindet sehr schwer fallen wird. Umgekehrt wirken solche Menschen oft abweisend, kühl und distanziert, so dass die Aussenwelt sich auch nicht eingeladen fühlt, auf diese Menschen zuzugehen und der Teufelskreis von aussen her durchbrochen wird. Einige können dagegen auch sehr herzlich wirken – die Gründe dafür, dass sie ausgegrenzt werden oder sich selbst ausgrenzen können auch woanders liegen. Warum fallen ein paar Menschen einfach durch? Ich bewege mich im Kreis.
Ich habe, trotz vielem Nachdenken, keine Erklärung gefunden.

Wohin es führt, wenn man sich einsam fühlt, zeigte der Selbstmord von Silvia Seidel kürzlich. "Jemand hätte sie in den letzten Jahren anrufen sollen. Jemand hätte fragen sollen, wie es ihr geht. Jemand hätte Silvia Hilfe anbieten sollen", schreibt der "Anna"-Erfinder dazu. "Dafür schäme ich mich heute: Dieser Jemand hätte ich sein können."

Wie ich oben schrieb bleibt fraglich, ob Silvia Seidel oder jemand in ähnlicher Situation diese Hilfe überhaupt angenommen hätte, und doch …