June 12th, 2012

Thomas

Bearbeitungen für Laute (Alte Instrumente)

Was für Gitarristen gang und gäbe ist, Bearbeitungen von Werken anzufertigen und zu spielen, die original für andere Instrumente geschrieben wurden ist für Lautenisten angesichts des reichen Repertoires und des Paradigmas vom „Originalklang“ immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Ist „Asturias“ in der Version für Gitarre inzwischen wahrscheinlich bekannter als das Original für Klavier werden solche Bearbeitungen für Laute oft schräg beäugt.
Historische Bearbeitungen wie Telemanns Bearbeitungen von Streichquartetten zu Lautenduetten oder die von Weyrauch und Falckenhagen angefertigten Bearbeitungen von Bach‘schen Orgel- bzw. Cellowerken werden immer wieder diskutiert und sind wohl vor allem wegen der Marktlage Bestandteil des Konzertrepertoires moderner Lautenisten (Oft in an die Gitarrenversionen angelehnten Bearbeitungen der Bearbeitung. Wenn man Veranstalter fragt, was sie denn im Konzert hören wollen nennen sie fast immer Bach – ich vermute, weil das ein Name ist, den sie kennen).

Gleichzeitig stehen qualitativ hochwertige neue Werke bereit, meistens von Lautenisten komponiert. Warum sollte man also vorhandene Werke für die Laute adaptieren. Hopkinson Smith nannte, quasi als Rechtfertigung für seine Bearbeitung der Violinsonaten von Bach, man wolle auch als Lautenist an diesem Klangkosmos teilhaben. Wenn das gültig ist: warum dann nicht auch Adaptionen von geeigneten Werken aus der Klassik/Romantik anfertigen? Immerhin ist die Laute wohl das „romantischste“ der alten Instrumente? Hier kenne ich nur die Neukompositionen von Roman Turovsky, der quasi im Alleingang versucht, diese Epoche für die Laute zu adaptieren. Wie gut ihm das gelingt ist nicht Gegenstand der Diskussion – durch seinen ursprünglichen Ansatz, ein Pseudonym zu verwenden und eine Komponistenfamilie zu erfinden, die Urheber dieser Stücke sei wird die Diskussion um die Qualität und Berechtigung der Werke auf die von vielen Musikologen als Betrügerei empfundene Geschichte aussenrum gelenkt und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seiner Musik findet nicht statt.

Wie vielleicht schon ersichtlich bleiben zwei Gründe, die gegen Bearbeitungen sprechen: Das reiche originale Repertoire für das Instrument scheint es unnötig zu machen, sich Werke zu suchen, die adaptierbar wären. Warum sollte man als Lautenist Bearbeitungen spielen, wo es doch mehr originale Literatur gibt als man je in seinem Leben spielen kann?
Der zweite Grund ist der vom „Originalklang“. Alte Musik versucht, den Werken der jeweiligen Epoche dadurch gerecht zu werden, dass man versucht, der originalen Aufführungssituation so nah als möglich zu kommen. Ein Grundpfeiler war und ist, dass moderne, unter ganz anderen Gesichtspunkten konstruierte Instrumente Werken aus der Zeit vor der Romantik nicht gerecht werden können. Adaptiert man nun postbarocke Werke auf die alten Instrumente beginge man den gleichen „Fehler“, den Mendelsohn und andere begingen als die den Barock wiederentdeckten und die Musik für moderne Orchester arrangierten.
Beide Argumente halte ich für schlüssig und beachtenswert.

Nichtsdestotrotz bleibt auch Hoppys Meinung beachtenswert – auch als Lautenist lebt man im hier und jetzt und überblickt eine viel grössere zeitliche Dimension als es eine puristische Festlegung auf die Alte Musik gestattet. Nichtsdestotrotz würde ich auf alten Instrumenten nur für den vorsichtigen Einsatz von Bearbeitungen plädieren, auch, weil sie leicht zu Karikaturen der Originalwerke verkommen.