June 10th, 2012

Thomas

Die Lautenistenkatze


Die Lautenistenkatze hat es im Gegensatz zu Felis silvestris catus recht schwer: Ist sie doch mit Musik konfrontiert, welche dem gewöhnlichen Katzengeschmack nicht entspricht. Gleichzeitig locken die Lautenkoffer mit samtenen Bezug und versprechen ein besonders gemütliches und entspanntes Capnapping. Wird das Vergnügen, den Koffer zu benutzen mit dem Ertragen von Lautenmusik erkauft so muss die Lautenistenkatze gleichzeitig diesen teuer erkauften Platz verteidigen, da der Lautenist die wahre Bestimmung des Lautenkoffers verkennt und meist zu den unangemessensten Zeiten versucht, die Lautenistenkatze aus diesem Koffer zu vertreiben.

Ebenso ist die Lautenistenkatze besonders gefordert, ihren Menschen zu erziehen. Das erweist sich schwierig, da der Lautenist oft in seinen eigenen (Musik-) Welten unterwegs ist und der Katze die ihr zustehende Aufmerksamkeit nur bereit ist zu widmen, wenn sie zu besonders drastischen Mitteln greift. Zu diesen zählen Hauen, Bisse in die Hand, Überfälle auf die (im Sommer ungeschützten) Füsse, umarrangieren der Notenblätter und springen auf den Schoss während des konzentrierten Spielens.

Hat der Lautenist das Glück, ein besonders geduldiges Exemplar zu erwischen, so wird er von ihr mit Treue und vielen Geschenken (meistens Vögel und Mäuse in unterschiedlichen vitalen Stadien) belohnt.
Natürlich gehört dazu, dass der Lautenist seinen Verpflichtungen gegenüber diesem besonderen Wesen nachkommt, wozu insbesondere die Verpflegung zu den rechten Zeiten mit den rechten Gerichten gehört, mit ihr zu spielen und/oder zu schmusen, wenn es ihr passt genauso wie, die Türen und Fenster zu öffnen, wenn sie es befielt und ihr ansonsten so wenig wie möglich zur Last zu fallen.

Thomas

Dominanzverhalten

Er will im Restaurant die Rechnung zahlen. Sie will das nicht und meint "ich will Dir nun keinen Vortrag über Emanzipation halten"

Das ist für mich schon seit der Schulzeit ein Reizthema: Emanzipation - was bedeutet das? Für mich bedeutet das "gleiche Rechte".
Respekt vor dem Mitmenschen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, das galt auch schon vor der Gleichberechtigung. Was also ist anstössig daran, wenn ich in einem Restaurant die Rechnung begleichen will? Unterstelle ich damit, sie könne das nicht? Oder bedeutet das "Dominanzverhalten"?

Ich wollte den Vortrag über Emanzipation dann doch nicht hören (wie gesagt: ein Reizthema für mich) und habe lediglich auf den "Gentleman" verwiesen - was zwar stimmt, aber es blieb bei mir das Gefühl, dass moderne Frauen unter Emanzipation noch ganz anderes verstehen. Wie könnte es sonst sein, dass ein für mich ganz normales Verhalten, welches nicht einmal etwas mit dem Geschlecht meines Gegenübers zu tun haben muss, zur Frage der Emanzipation wird? Ich vermute, hier wird "Dominanzverhalten" unterstellt.
Einen anderen Menschen dominieren zu wollen ist für mich zutiefst negativ besetzt - es zeugt nicht nur von mangelndem Respekt gegenüber seinem Mitmenschen. Es zeugt auch  von mangelndem  oder (genauso schlimm wenn nicht noch schlimmer) übersteigertem Selbstwertgefühl des sich so Aufführenden. Kurz: ich empfinde es als unangemessenen Umgang zwischen Menschen.
In der Wirtschaft wird ein solches Verhalten sicher oft als "Führungsstärke" empfunden. Eine naive Sichtweise, wie ich finde. Wie können Untergebene Respekt vor jemandem empfinden, der sich selbst nicht respektvoll verhält?
Im persönlichen Umgang werden solche Menschen selten gemocht - bestenfalls von Menschen, die extrem unsicher sind und nach Führung verlangen.

Der Gentleman dagegen ist höflich und aufmerksam, in der britischen Variante oft schon bis zur Selbstaufgabe (s. John Cleese in "Ein Fisch names Wanda"). Höflichkeit ist positiv.
Die Rechnung für ein gemeinsames Essen zu übernehmen hat aber noch eine weitere Dimension, die mir wahrscheinlich abseits von Höflichkeit und Dominanz wichtig ist. Der Begriff "gemeinsam" sagt es schon. Ein gemeinsames Essen ist ein gemeinsames Erlebnis und hinterher die Rechnung getrennt zu bezahlen trennt dieses gemeinsame Erlebnis hinterher ein Stück weit in zwei Einzelerlebnisse, die zufällig zur gleichen Zeit stattfanden.
Und damit schliesst sich der Bogen zur Höflichkeit - ein gemeinsames Erlebnis würde durch getrenntes Zahlen ein bisschen entwertet.

Zu kompliziert? Wer hat denn gesagt, dass nur Frauen kompliziert sind? *ggg*
DIe Lösung war aber gendertypisch einfach: ich versprach, das nächste Mal dürfe sie die Rechnung übernehmen und damit sind nun alle zufrieden.