lautenist

Binnen-I

Ich bin mir unsicher, ob ich es als Sprachstörung durchgehen lassen soll oder ob ich den Unsinn mit dem gesprochenen Binnen-I (oder wahlweise Sternchen — phonetisch ist mir der Unterschied nicht klar) ernst nehmen soll.
Zuletzt wurde auch bei der Anmoderation der Kulturzeit auf 3Sat, einer der wenigen Sendungen, die ich ab und zu mal anschaue, ein gesprochenes I verwendet. Im Allgemeinen habe ich das Binnen-I als Ausdruck sprachlich verwirrter, mehrheitlich junger Menschen betrachtet, deren politisches Bewußtsein sich im Entwickeln befindlich ist, aber noch stark gerichtet. Und in Ermangelung ernster, aber lösbarer Probleme (Weltfrieden und Klimawandel sind nun mal ein anderes Kaliber) widmet man sich der Sprache. Ich bin davon ausgegangen, so etwas wächst sich aus, wenn man erkennt, wie sinnlos und destruktiv das ist.
Nehme ich es ernst muß ich davon ausgehen, eine Art Neusprech soll etabliert werden. Weil die Fähigkeit, die so ziemlich jeder Deutsch sprechende Mensch hat,  zwischen einem Wort und seiner Bedeutung zu unterscheiden, bei den Neusprachlern und Binnen-Ilern fehlt findet man, per Verordnung müsse ein Neusprech etabliert werden, was man dann geschlechtergerechte Sprache nennt. Wie sagte das Weichei bei Anne Will nach der Anmoderation? "... weil Frauen nicht nur mitgedacht sind". Sind sie auch nicht. Die Bedeutung von Student ist eine Person, die (idR an einer Universität) lernt. Die Person, der Student! Person seht für ein menschliches Indiiduum. Das Geschlecht bezieht sich auf das Wort, nicht den Inhalt. Neusprech, also Binnen-I, also Gleichsetzung von Wortgeschlecht und biologischen Geschlecht, müßte dann aus dem bereits femininen Wort Person etwas männliches mit einem Binnen-irgendwas generieren, um den Ansprüchen zu genügen. Beispielsweise ein -Er. Das aber nur zur Verdeutlichung, daß durch diese Sprachvergewaltigung Diskriminierung nicht aufgehoben sondern erzeugt wird. Denn werden durch die Bezeichnung als Student weibliche Studenten (die etwas besonderes sind, da sie auf deutsch extra Studentinnen genannt werden, falls nur Frauen angesprochen werden sollen) wirklich diskriminiert? Man muß die Bedeutung des Wortes ändern, um die Diskriminierung zu erzeugen indem man das Wort, welches auch für den männlichen Studenten stehen kann als alleinigen Bezeichner männlicher Studenten begreift. Die Gleichsetzung von Wortgeschlecht und biologischem Geschlecht diskriminiert nebenbei die berühmten "Diversen". 

Welches Problem soll denn gelöst werden? Es wird von geschlechtergerechter Sprache gefaselt, was ja im Umkehrschluß bedeutet, die deutsche Sprache sei nicht geschlechtergerecht. Das wiederum bedeutet, alleine durch die Konstruktion der Sprache wird eine sexuelle Diskriminierung, mindestens aber die Bevorzugung eines Geschlechts (natürlich des männlichen) bestimmt. Alleine durch diese Fokusierung auf das Geschlecht wird in der Sprache dem Geschlecht aber eine Bedeutung zugewiesen, die es nicht hat. Deshalb ist es auch schwierig, über das Thema zu diskutieren. Da wird, so mein Eindruck, durch die Fokussierung der Untersuchenden ein Problem  auf den untersuchten Gegenstand projiziert, welches nicht existiert. Eine Frau wird schließlich nur dann diskriminiert, wenn sie den Inhalt des Wortes nicht versteht bzw. so versteht, daß man sie ausschließt. Ich sehe nun nicht die arme gequälte deutsche Sprache in der Pflicht zu beweisen, sie diskriminiere nicht, sondern finde, die Neusprechler müssen die Notwendigkeit von Neusprech belegen. 

Für mein konkretes Problem mit dem gesprochenen Binnen-I von Moderatorinnen bedeutet das, ich werde solche Sendungen zukünftig unter ideologisch vorbelastet ablegen. Bei Moderatoren erwarte ich ein Mindestmaß an sprachlichem Verständnis — Dialekt, Satire und andere Formen alternativer Sprachverwendungen finde ich ausdrücklich gut. Das Binnen-I ist aber Ausdruck einer ideologisch begründeten, auf Diskriminierung ausgerichteten Sprachkreation, die ich ablehne. 


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