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Corona App und kein Ende

Gestern Nacht noch bei Lanz hängengeblieben. Daß mir die Corona-Tante des Helmholtz-Instituts (Prof. Melanie Brinkmann) als einzige bekannt war — nicht einmal den Ministerpräsi von Niedersachsen habe ich erkannt - sagt vielleicht schon einiges über die Prominenz in heutiger Zeit aus. Prof. Brinkmann  sprach sich denn auch für eine solche App aus mit der bemerkenswerten Formulierung, es müsse in der Balance bleiben: Wenn man auf der einen Seite Erleichterungen gewährt, müsse auf der anderen Seite verschärft werden. Ein anderer Fuzzi — keine Ahnung, was das für einer war! Wohl irgendein Unternehmer — fand, man müsse eine solche App verpflichtend machen und solle sie in Europa entwickeln lassen, um der Gefahr US-amerikanischer Dominanz zu begegnen (und offenbarte damit eine bemerkswerte Unkenntnis über die Natur des Mobilfunks).
Ihm ging es dabei vor allem wohl um die sehr konservative Wirtschaftsprognose und daraus abgeleitete Politik in Deutschland, die versucht, bestehendes Wirtschaften so lange wie möglich zu erhalten anstatt die notwendigen Änderungen aktiv zu gestalten. Dabei ausgerechnet Tesla als positives Beispiel zu nennen ist natürlich schräg. Natürlich kann man die Dichte an Innovationen am Beispiel Teslas sichtbar machen, eine Perspektive bieten Elektroautos aber nicht. Sie sind grade Beispiel für ein Wirtschaften, welches zögerlich akzeptiert, daß es so nicht weitergeht, aber nur die allernotwendigsten Anpassungen vornehmen will. In diesem Fall den Benzin- durch einen Elektromotor zu ersetzen. Allerdings bestätigt auch die derzeitige Lage, kann und muß man Mobilität viel umfassender neu denken und gestalten. 

Jedenfalls wurde auch wieder die Corona App zum Thema als Hoffnungsträger für weitere Erleichterungen.
Um den Nutzen einer solchen App beurteilen zu können muß man sich klarmachen, daß sie von vielen genutzt werden muß, um überhaupt etwas zu bringen, da nur über die gegenseitige Kenntnisnahme Informationen gewonnen werden. Damit sich die Telefone gegenseitig erkennen muß bei den derzeit entwickelten Apps der olle Blauzahn (bluetooth) eingeschaltet sein, den derzeit die meisten ausgeschaltet haben, um Akku zu sparen. Technisch sollen die Daten auf dem Handy gespeichert werden und nicht zentral im Netz. Dadurch werden Zugriffe auf die Daten ein bißchen erschwert. Es muß aber auch klar sein, daß diese Daten bei einer App, die zwingenderweise offen mit anderen Handies kommunizieren muß, nicht sicher sind. Ein Einfalltor ist bluetooth, ein anderes die Notwendigkeit, einen Kanal offen zu halten (falls man nicht auf bluetooth setzen sollte) und die Daten schließlich auch abgerufen werden müssen, um im Infektionsfalls eine Benachrichtigung zu ermöglichen. Natürlich kann man über Verschlüsselung und Anonymisierung einiges erreichen, aber letzten Endes muß der Kontakt eines Infizierten informiert werden. Dazu muß man ihn kennen. Welche Daten wie und wann abgerufen werden ist Vertrauenssache — es wird immer wieder die Nutzung von Social Media als Beispiel genannt, wo man sowieso seine Daten preis gäbe. Der Vergleich hinkt natürlich. Wenn meine Bewegungsfreiheit davon abhängt, ob ich ein Handy besitze und meine Bewegungs- und Kontaktdaten veröffentliche ist das mit einer anderen Konsequenz verbunden als die Preisgabe bestimmter Informationen an die Werbewirtschaft (und Geheimdienste).
Als nächstes muß man sich fragen, wozu das dienen soll. Man will damit Infektionsketten unterbrechen, indem man Kontakte von Infizierten identifizieren, testen und isolieren kann. Wer die App nicht nutzt hat somit einen Vorteil, nicht in Quarantäne gesteckt zu werden bei dem Risiko, eventuell infiziert zu sein und andere anzustecken. Da der Einzelne persönlich keinen Nutzen von der App hat, da sie für ihn persönlich keine Schutzwirkung hat ist es fraglich, wie viele sie nutzen werden. In Island waren/sind es 40%. Infektionsketten können bei einer solchen Nutzerquote nicht unterbrochen werden. Kurz: Der Nutzen ist fraglich und den Datenschutz halte ich für nicht zu gewährleisten. Weiterhin besteht eine riesige Mißbrauchsgefahr. Mir kommt es vor wie mit dem Maskenzwang und der merkwürdigen Begründung der Prof. Brinkmann, man müsse die Waage halten. Muß man das? Warum? Eine Erleichterung, die man mit Restriktionen an anderem Ort erkaufen muß ist keine Erleichterung, sondern ein Kuhhandel. In diesem Fall wahrscheinlich, um Wirtschaften zu vereinfachen und die wirtschaftlichen Schäden zu begrenzen versucht man halt mal was. Der Kuhhandel findet also nicht zwischen der Bevölkerung und der Politik statt sondern wir haben einen oder mehrere weitere Parteien, die mitreden: Wirtschaft und Verbände, die sich um Gewinne sorgen. Natürlich hängen auch Existenzen daran. Daß aber bereits jetzt, mitten im Seuchenverlauf schon wieder die üblichen Verdächtigen die Diskussion bestimmen finde ich frustrierend. Unterstützt wird das von dem an allen Orten spürbaren Wunsch, zurück zu dem status quo ante zu gelangen. Der ist aber nicht erreichbar und es muß zwingend Veränderungen geben. Entweder wir gestalten sie oder müssen dem Notwendigen hinterherrennen. Frustrierend ist, daß es bei den derzeit Handelnden nicht zu erwarten steht, daß sie den notwendigen Gestaltungswillen besitzen. Traurige Zeiten! 


Eine schöne Rollertour führte mich an die Lahn nach Bad Ems:

Balmoral Castle hatte ich etwas größer und vor allem in Schottland in Erinnerung
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Nicht nur Emser Pastillen und die Emser Depeche - auch eine Spielbank gibt es im Ort
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Der Quellenturm
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die russische Kapelle zeigt die guten Beziehungen, die man zu dem östlichen Nachbarn hatte
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Schon der Weg entlang der Lahn ist sehenswert
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Burg Nassau - steil geht es hoch zur Burg. Mit Maskenzwang bereits auf diesem Weg habe ich das lieber gelassen. Schade!
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Kloster Arnstein
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In der Klosterkirche
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Laurensburg
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