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In den Fängen des Gesundheitswesens

Donnerstag kam meine Mutter aus der Reha zurück. Viele Telefonate im Vorfeld, wie das denn gehen soll, da sie im Rollstuhl sitzt und nun Hilfsmittel benötigt, um ein halbwegs würdiges Leben zu führen wurden abgewürgt. Bis sie käme wäre das alles erledigt. Wares natürlich nicht. Donnerstag morgen kam ein Rollstuhl für sie. Das war's. Alle anderen notwendigen Hilfen wurden mit "Kommt noch" oder "wird erst von der Krankenkasse geprüft" als Begründung nicht geliefert und darum natürlich auch nicht installiert. Auf's Klo und Duschen muß man aber nun mal. Glücklicherweise hat wenigstens die Diakonie als mobiler Hilfsdienst funktioniert und springt in die Bresche. Finanzierung ist offen. Man kann davon ausgehen, daß es bezahlt wird — das Risiko bleibt.
Der Hausarzt sollte dann, auch nach Rücksprache mit der Diakonie eine Reihe Maßnahmen verordnen und Medikamente erschreiben. Letzten Endes benötigt selbst die Diakonie ein Rezept, damit die Leistungen abgerechnet werden können. Das hat die Diakonie klar vorgegeben. Auch, daß für Transporte natürlich ein Fahrdienst notwendig sei. Meine Mutter ist nun halbseitig gelähmt und kann nun mal nicht in ein Taxi steigen oder gar zum Arzt laufen.
Beim Hausarzt bekam ich — eine Überweisung zum Neurologen. Sonst nichts. Ich war fassungslos. Ich habe gefragt, wie das denn gehen soll — und bekam einen Verweis auf den Neurologen. Der Neurologe ist in einem Hochhaus — der nächste, der ebenerdig erreichbar wäre, hat Termine ab Juli. Der im Hochhaus hat einen Termin in 2 Wochen gegeben. Wie sie dahin kommen soll? Nochmal zum Hausarzt, weil der den Transport bestätigen müsse. Das tat er dann auch, aber mit dem Hinweis, daß die Krankenkasse das vielleicht nicht bezahlt, weil sie keine Pflegestufe hätte (was immer das genau bedeuten soll). Diese wird aber beim Neurologen ermittelt. Gaht's no?
Medikamente wurden dann bei dieser Gelegenheit am nächsten Tag verschrieben, weshalb ich dann meinen Ausflug etwas später gestartet hatte und früher zurück mußte, um die Apotheke noch offen zu erwischen.
Wem es an Fantasie mangelt stelle sich vor, ohne die Beine zu benutzen und mit nur einem funktionierenden linken Arm  auf's Klo zu gehen oder zu duschen. Und Einhalten, bis die Diakonie kommt und hilft ist einmal eine Frage der Würde und dann auch noch biologisch schwierig.
So eine miese Organisation in Deutschland und das soll vorbildlich sein? Wie schlimm muß es dann andernorts stehen? 

Ich habe mich aufgeregt — das tat ich, weil es um meine Mutter ging. Wäre ich selbst der Patient würde ich heute in meiner Scheiße liegend verrecken. Ich hätte niemanden, den ich schicken könnte, würde es auch nicht tun. Und bei dieser Art Behandlung erschiene mir der Tod eine willkommene Alternative. Auch meine Mutter meinte "ach — hätten sie mich doch sterben lassen".

Vom Ausflug nach Büdingen berichte ich dann später — ich will auch heute wieder etwas fahren. Heute an die Lahn. Hoffentlich kommt nicht noch etwas dazwischen ... 


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