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Frankfurt in den 60ern

Im Karmeliterkloster war noch eine Ausstellung über "Frankfurt in den 60ern" - bewußt habe ich nicht viel von der Zeit mitbekommen, klar, aber anschauen mußte ich mir das natürlich trotzdem. War die Zeit direkt vor meinem bewußten Leben doch prägend - und viel los war in den 60ern!

Oben im Bild ist die Alte Oper in Frankfurt, wie ich sie auch noch erlebt habe. Eine Ruine. Der hessische Finanzminister Rudi Arndt, "Bomben-Rudi" wurde deutschlandweit bekannt, weil er die Ruine sprengen wollte. 1981 wurde die Alte Oper dann neu eröffnet. Der Innenraum war neu gestaltet und hat eine, wie ich finde, tolle Akkustik.




Der wohl letzte amerikanische Präsident mit einem makellosen Ansehen sprach auch in der Paulskirche, der Wiege der deutschen Demokratie (1063)


Seine Ansprache (2:31)  - nichts von Forderungen, sondern er spricht von Verbundenheit, davon, daß die freien Nationen miteinander verbunden sind. Zum Ende hin zitiert er Goethe "Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß"

Ein bißchen mehr, auch zur Stimmung im Land, als Kennedy Hessen besuchte (44:22). Moderne Präsidenten können davon nur träumen. Vielleicht hatte Obama noch einen ähnlichen Effekt, der aber schnell in Enttäuschung umschwang, als er seine Rede in Berlin hielt.

Danmals waren Amerikaner hierzulande beliebt und es herrschte eine positive Einstellung gegenüber den USA - ganz anders als heute.

Wenige Jahre später, unter einem anderen Präsidenten (wenn auch bereits unter Kennedy begonnen), unter Einfluß des Vietnamkriegs ein ganz anderes Bild.
My-Lai wird immer mit einem Massaker verbunden sein, welches amerilanische Streitkräfte in Vietnam anrichteten. 504 Menschen wurden ermordet. Anders als heute, wenn Menschen, die solche Verbrechen aufdecken, gefoltert werden und jahrelang unter unmenschlichen Bedingungen ins Gefängnis gesteckt werden oder nach Russland flüchten müssen, um der Verfolgung zu entgehen, bekam Seymour Hersh den Pulitzer-Preis.
Um solch unliebsamen Berichten in Zukunft zu entgehen, führten die USA in ihren späteren Kriegen "embedded Journalism" ein. Tatsächlich sind seitdem Kriegsverbrechen nicht mehr durch Journalisten belegt. Sie wurden aus Militärkreisen geleakt. Hersh, der auch an Watergate beteiligt war, arbeitete weiter investigativ und deckte unter anderem den Folterskandal in Abu Ghuraib auf.

Er ist eine der schillerndsten Figuren des amerikanischen Journalismus, der bis in die Gegenwart Skandale aufdeckt, auch wenn die Gegenreaktion der amerikanischen Regierung inzwischen effektiver ist und weder die Enthüllungen zu amerikanischen Lügen über die Giftgasangriffe in Syrien, die Ermordung Bin Ladens und politische Morde unter Bush und Obama spürbare Konsequenzen hatten.

Ein Filmbericht über My-Lai (44:27):




Klar - die 60er waren auch die Zeit der Auschwitzprozesse und der Beginn der Aufarbeitung der ernstzunehmenden Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Das sollte nicht ohne Folgen für die Gesellschaft bleiben - einige der Plakatsprüche könnte man heute wieder verwenden. Nur haben wir heute weniger mit Altnazis zu kämpfen denn mit Schwachköpfen, die diesen Quatsch wiederbeleben wollen.





In diesem Memory sind Unmengen an Geschichten und Erinnerungen enthalten, die bis in die Gegenwart wirken. Frigen als Markenname für beispielsweise in Kühlschränken eingesetzte Flurchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) wurde 1987 verboten, um die Ozonschicht der Erde zu retten. Einer der wenigen Verträge, die sogar von den USA unterzeichnet wurden. Damals sah man übrigens die Erderwärmung, die durch den Treibhauseffekt von FCKW in der Erdatmosphäre, die man mit 1°C annahme, als katastrophal an. Wie gesagt: damals fanden sich alle Nationen zu Maßnahmen bereit. Geht es heute um Klimaschutz sind die USA als größter Verschmutzer (nach/mit China) draußen.

vormals Cassius Clay

ich vermute, das würde heute als Diskriminierung ausgelegt.

Tags: die krise der westlichen welt, gedanken, lautenistenleben, memories
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