lautenist (lautenist) wrote,
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Mich nervt es ...


Es stört mich überhaupt nicht, wenn eine Frau ein Land oder ein Unternehmen führt. Chancengleichheit und Emanzipation bedeutet, daß das Geschlecht bei der Besetzung eines Postens keine Rolle spielt. Bezüglich Alter bin ich immer noch der gleichen Meinung wie auch schon als Teenager: Viele verwechseln Erfahrung mit Routine. Alt zu sein bedeutet nicht automatisch, daß man erfahren ist. Und schon gar nicht garantiert es Weisheit. Man hat halt in höherem Alter die Chance, beides gesammelt zu haben, sowohl Erfahrung als auch Routine. Das könnte erklären, warum sich mehr ältere Leute in der Hierarchie weiter oben befinden. Geht es um Hierarchieen sind Abkürzungen eher verdächtig: wie kommt es, daß jemand ohne "Ochsentour" bzw. ohne sich bewähren zu müssen (das bedeutet je nach Partei und Region Unterschiedliches) nach oben gelangt? Daß zu Zeit Kids abgefeiert werden liegt nicht an der Qualität ihrer Meinung, sondern daran, daß sie eine haben und für sie auf die Straße gehen. Würden die Kids statt für eine Klimapolitik, die diesen Namen verträgt für "Ausländer raus" oder "Deutschland den Deutschen" demonstrieren wäre die Begeisterung nicht so groß - in dem Zusammenhang sicher interessant: bei der Landtagswahl in Thüringen lag der Anteil der jungen Wähler für die AfD bei fast einem viertel der Simmen. Die Nazis waren dort stärkste Kraft vor Linken und CDU.

Warum also wird in der internationalen Presse so getan, als sei es eine Qualität an sich, jung und weiblich zu sein?
Wie gesagt: mich stört die Tatsache an sich nicht, aber warum man in der Presse und in gewissen Kreisen Finnland nun seit längerem feiert, weil sie eine bunt zusammengewürfelte Regierung haben, deren Parteien nun halt von jungen Frauen geführt werden, verstehe ich nicht. Chancengleichheit wurde in Skandinavien immer groß geschrieben und derzeit haben wir dort eine Politik, die Frauen deutlich bevorzugt - dort besteht eher die Gefahr, daß die Emanzipation kippt und starke matriarchalische Tendenzen die Überhand gewinnen.

Eine rein weibliche Regierung ist nun mal sicher kein Beispiel für Chancengleichheit und Emanzipation - genau das Gegenteil ist der Fall.
Und daß der Altersmix gelungen ist, wenn man nur junge Politiker in der Führung hat, kann an sicher nicht behaupten.



Schaut man sch das Kabinett an sind 12 von 19 Ministern weiblich. Vom Alter her ergibt sich eine besser durchmischte Struktur - alles in allem deutlich besser strukturiert als man anhand der Presseberichte annehmen könnte. Das Kabinett könnte mein Gefallen finden - wäre nicht der überzogene Hype der Presse.

Der Artikel der Zeit bewertet einn hohen Anteil von Frauen in den Parlamenten und der Regierung positiv. (falsch ist aber die im Artikel gemachte Aussage, die Regierung sei 100% weiblich) Argument ist wie immer die Repräsentation. Natürlich wäre in einer repräsentativen Demokratie auch wünschenswert, daß die Gesellschaft sich im Parlament gespiegelt sieht. Tatsächlich bedeutet diese Fokusierung auf das Geschlecht aber, daß man dem Geschlecht eine höhere Bedeutung als dem Beruf, Bildung, Alter oder auch nur der Region beimisst. Oder der Schuhgröße. Gesellschaftlich relevante persönliche Merkmale für die politische Meinungsbildung sind, denke ich, Einkommen und Bildung, sicher auch noch Religion und natürlich auch Geschlecht. Gewählt werden aber Parteien mit Programmen. Es ist natürlich wahrscheinlicher, daß eine Partei wie die Grünen oder die Linken mit einem progressiveren Gesellschaftsbild und einem höheren Frauenanteil typische Frauenthemen berücksichtigen wird - ob nun Frauen oder Männer darüber abstimmen ist nur sehr mittelbar von Bedeutung.
Wenn es um die Leitung eines Ministeriums geht kann man annehmen, daß der Minister oder die Ministerin Akzente setzt. Entscheidend geprägt wird die Arbeit aber von den Mitarbeitern der Verwaltung. Das Geschlecht des Chefs/der Chefin eines Amtes so hoch zu bewerten wie es die Presse tut ist befremdlich.
In Summe habe ich sicher eine Reihe Faktoren vergessen, doch bleibt immer wieder: es ist natürlich okay und vielleicht auch wünschenswert, wenn es eine bessere Repräsentation der Gesellschaft in der Politik gibt, doch wird die Auswirkung übertrieben.

Von einem Parament ein Abbild  der Gesellschaft zu erwarten ist schwierig, da eben Parteien gewählt werden, die jeweils unterschiedliche Grundeinstellungen haben und dementsprechend bestimmte Personen stärker anziehen. Die Mitgliederstruktur einer Partei ist also niemals ein Abbild der Gesellschaft. Gewählt wird außerdem nicht die Gruppe, zu der man gehört, sondern durch die man am liebsten vertreten werden würde. Das ist oft deckungsgleich, aber zum Beispiel bei der AfD wird deutlich, daß das nicht immer so ist (die Mehrzahl der AfD-Wähler dürften keine Nazis sein - die wählen AfD trotzdem, weil sie von den Nazis vertreten werden wollen. Klingt abstrus, ist aber nicht nur bei der AfD so. Die FDP dürfte kaum mehr als 3% der Bevölkerung repräsentieren, eher weniger. Sie wird trotzdem gewählt).

Tatsächlich bedeutet  dann die Quote von 50% an Listenplätzen für Frauen bei der CDU, daß Frauen ca. doppelt so stark vertreten sind wie es ihrem Anteil an der Mitgliedschaft entspricht



Bei den Grünen und Linken ist es in etwa okay und entspricht der Wirklichkeit.
Wobei man auch bei dieser Sicht sagen muß, daß der Anteil der weiblichen Mitglieder nicht viel aussagt - der Anteil der aktiven weiblichen Mitglieder wäre eine Kenngröße, die man halbwegs berechtigt berücksichtigen könnte. Und inwieweit man vom Geschlecht auf die Positionen zu verschiedenen Inhalte schließen kann ist nun vollkommen unerforscht (ich habe jedenfalls nichts ernstzunehmendes gefunden) - man schaue sich nur die Positionen AKKs vs. Wagenknecht an und man wundert sich, warum jemand je dem Geschlecht eine solche Bedeutung gegeben hat.

Tatsächlich, und das ist die traurige Schlußfolgerung, fordert die Presse hier Symbolpolitik, für die es keinen sachlichen Grund gibt.

Tags: die krise der westlichen welt, gedanken, meinung
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