lautenist (lautenist) wrote,
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Eben in den Nachrichten - eine schräge Meldung

12,5 Milliarden Stunden unbezahlter Arbeit würden Mädchen und Frauen täglich leisten, lernte ich heute in den ZDF-Nachrichten (Min 7:10, falls der Zeitstempel nicht funktionieren sollte)



Das klingt nach "boaaaar, was für eine Ungerechtigkeit! Skandal"!
Doch ist beispielsweise ein traditionelles Familienmodell, bei dem der Mann das Geld heranschleppt und die Frau den Haushalt führt, Kinder erzieht etc. zu verdammen? Natürlich ist es unbezahlte Arbeit. Das bestreitet niemand. Und natürlich kann es ein Indikator sein, daß Frauen und Mädchen von der Teilhabe ausgeschlossen werden. Typisch erscheint da das Cliché des ostanatolischen Bauerndorfes, in dem der Mann als Pascha seine Frau(en) und Töchter beherrrscht und tyrannisiert. Das kann so sein, aber muß es das? Diese ganze Aussage macht nur Sinn, wenn ich ein bestimmtes Modell der Arbeitsteilung als einzig denkbar gerecht ansehe. Und das setzt dann auch noch den Gelderwerb gleich mit Gerechtigkeit.

Die Imagebrochüre zur Studie spricht auf Seite 8 von Klischees und Stereotypen und bestätigt damit meine Annahme, daß ein Gesellschaftsbild zugrunde gelegt wurde, was uns im Westen begründet erscheint, in anderen Weltgegenden durchaus hinterragt werden kann. Letzten Endes basiert das auch auf einem Stereotyp (dem der Erwerbsarbeit als Quelle zur Freiheit und gesellschaftlichen Teilhabe).
Auf Seite 10 wird die Mär vom Gender Pay Gap von 21% wiederholt - die Zahl wird dadurch nicht richtiger. Die 21% Gehaltsunterschied enstehen, wenn man jegliche Unterschiede in Lebens- und Dienstalter, in Branche und Region ignoriert - da werden einfach alls Saläre addiert und durch die Anzahl der Personen des jeweiligen Geschlechts dividiert. Wenn man schon alleine altersgemäß vergleicht wird die Lücke kleiner, wenn man tatsächlich Vergleichbarkeit herstellt bleibt ein Unterschied von ca. 4%, der im Rahmen statistischer Abweichungen liegt.

In dem veröffentlichten Dokument zu Methodologie und Datengrundlage findet sich kein Hinweis, wie oxfam auf den täglichen Wert von 12,5 Mrd. Stunden kommt. Zusammengefasst kommt mir das auf mehreren Ebenen unseriös vor.
Allerdings habe ich nun natürlich nicht in der Tiefe gegraben - der Fehler, der sich durch eine Fragestellung und unterstellte Wertigkeit ergibt, bleibt aber ungeachtet einer genauen Prüfung

Die ARD berichtet ebenfalls über diese Studie.

Tags: die krise der westlichen welt, lautenistenleben, meinung
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