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Iran

Viel wird und wurde in den letzten Tagen über den drohenden Krieg mit dem Iran geschrieben, Die Trump-Anhänger und Anhänger des Schah feiern ihn und geilen sich an dem Gedanken an einen Krieg auf. Dabei tun sie so als sei ein amerikanischer Sieg quasi ausgemachte Sache. Schaut man sich die letzten Kriege der USA an ist das allerdings keinesfalls so. Im Gegenteil würde ich behaupten, die USA können einen Krieg gegen den Iran nicht gewinnen.

Was mich aber am meisten beschäftigt ist der Umgang der hiesigen Politik mit den Fakten. Daß die Amis von einem Bekloppten regiert werden, ist nur sehr verblendeten Menschen entgangen. Da muß man nichts zu sagen, Die Fakten sind ebenfalls klar:

Die USA haben in einem anderen Land einen Menschen umgebracht. Ein Drohnenmord - in diesem Fall an einem iranischen General, der pikanterweise auf diplomatischer Mission im Irak war, um eine Verständigung zwischen Saudi-Arabien und Iran zu vermitteln - grob, die Saudi-Arabische Aggression im Jemen zu beenden.
Er war wohl von der einen Seite gehasst, die andere verehrt ihn. Fakt (laut Wiki) ist, daß er sich im Kampf gegen den IS und im syrischen Bürgerkrieg (auf der Seite Assads) hervorgetan hat. Ich kenne diesen General nicht, aber im Berufsbild des Generals ist üblicherweise nicht "netter Mensch" enthalten. Auch in Berufsausübung zu sterben gehört zum Berufsbild.
Was mich stört ist, daß die USA es sich zur Gewohnheit gemacht haben, in anderen Ländern einfach mal so militärisch anzugreifen - dabei werden Unmengen Menschen als "Kollateralschaden" getötet. Da die Ziele nicht vor einem Gericht standen ist das sowieso Mord. Da es in einem fremden Land passiert ein aggressiver militärischer Akt.
Das passiert täglich - über 7000 Drohnenmorde in 5 Jahren. In diesem Fall liegt es auf der Hand, daß die USA eine Reaktion des Irans provozieren wollen, mit dem ein Krieg gerechtfertigt werden soll. Die USA zündeln dort ja schon länger.
Moralisch finde ich es fragwürdig, den Mord an Menschen gut zu finden. Real passierte das schon beim Mord an Osama bin Laden, bei der Ermordung Gaddafis und anderen - oder Schauprozesse mit vorher bekanntem Ausgang wie bei Saddam. Das zu feiern kann ich einerseits verstehen, andererseits widerspricht es meinem Rechtsempfinden - welches dem heutzutage in der westlichen Welt üblichen entspricht. Dort ein anderes Rechtsempfinden zu haben ist denkbar, doch habe ich persönlich Probleme damit, ein Verbrechen ohne Verfahren, das versucht, objektive Straftatbestände zu dokumentieren und zu beweisen, zu ahnden und die Tötung eines Menschen als legitim zu empfinden.
Ach - und der Begriff "Terrorist" ist heutzutage vollkommen aus der Definition geraten. Bleiben wir doch lieber beim Begriff "Verbrecher", denn wie soll der Vertreter eines Landes selbst Terrorist in diesem Land sein, selbst wenn man die heute übliche Definition des politisch motivierten Verbrechens zugrunde legt. Ich finde ihn generell untauglich - wird ein Mord dadurch besser oder schlechter, daß er politisch motiviert wurde?
Im vorliegenden Fall sprechen viele auch von den amerikanischen Aktionen als von Terrorismus. War das also ein Terroranschlag der Amerikaner im Irak, die einen iranischen Terroristen ermordet haben? Ich persönlich versuche, diesen Begriff zu meiden und finde, dadurch kommt man zu einer angemesseneren Beurteilung eines Verbrechens.

Eigentlich schockiert mich, wie die öffentliche Meinung den USA in den Arsch kriecht. Es war ein Drohnenmord, er war politisch extrem ungeschickt, da die USA durch diesen Mord den Irak, in dem der öffentliche Druck vorhanden war, sich vom Iran zu distanzieren, an den Iran herangerückt hat. Infolge werden die ausländischen Truppen des Landes verwiesen - daß die US-Truppen bleiben und sogar verstärkt werden ist ein weiterer Bruch des Völkerrechts, da die Souveranität des Irak erneut mißachtet wird und als Kriegserklärung an den Irak gedeutet werden könnte. Bzw. den Status des Iraks als besetztes Land offenabar werden läßt.
Wird nun von Provokationen des Iran gesprochen ist das ein derartiger Schwachsinn, also offene Mißachtung von Tatsachen, daß ich lauthals lachen mußte, als ich das erstmals im Deutschen Fernsehen gehört habe. Daß es eine Presse gibt, die lieber heute als Morgen Krieg will ist ja bekannt (BILD, NZZ, FAZ), doch Tagesschau und heute blieben in der Vergangenheit relativ neutral.

Wenn nun das Vereinigte Königreich, Frankreich und Deutschland den Iran auffordern, „von weiteren Gewaltaktionen oder der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen Abstand zu nehmen“, den ersten Vergeltungsschlag der Iraner auf Schärfste verurteile, die Amis aber nicht einmal erwähnen, zweifele ich an der Ernsthaftigkeit dieser Politiker. Ich mußte jedenfalls spontan lachen, als ich die Statements, insbesondere von Uschi-Vertuschi, AKK und Stoltenbergs gehört habe.

Die maßvolle Reaktion des Iran macht aber Hoffnung, daß wir an einem großen Krieg vielleicht noch einmal vorbei schrammen könnten. Ich muß aber gestehen, daß ich den Umgang des Westens mit den USA verachtenswert finde. Den Umgang mit dem Kleinkind im weißen Haus und das ständige Spiel mit dem Feuer dieses Schwachmaten an dem roten Knopf machen größte Sorge und ich muß gestehen, daß mir schon der Gedanke kam, daß es für Drohnenmorde auch in den USA lohnende Ziele geben würde. Solche Gedanken verdränge ich, doch weitere 4 Jahre Trump? Nicht, daß die anderen Republikaner bessere Politik machen würden - diese Orange im Amt macht nur extrem deutlich, wie sensibel unser politisches System ist und wie sehr es abgeglitten ist. Daß in den USA ein Präsident nahezu unkontrolliert den Weltfrieden bestimmt - alleine das zeigt doch, daß man als zivilisiertes Volk vielleicht besser Abstand nehmen sollte, oder?

Inzwischen komme ich immer mehr zu der Überzeugung, wer Demokratie, Menschenrechte, Freiheit und Gleichheit schätzt - geht auf Distanz zum US-amerikanischen System

Tags: die krise der westlichen welt, gedanken, meinung
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