lautenist (lautenist) wrote,
lautenist
lautenist

gelesen: Wenn Engel brennen von Tawni O'Dell

Wir Männer sind ja vollauf damit beschäftigt, unsere toxische Maskulinität auszuleben und patriarchalisch die Frauen in übelst chauvinistischer Weise zu unterdrücken. Das gibt in etwa meine Erwartungshaltung an die Stimmung des Buchs von Tawni O'Dell wieder, nachdem ich einige Rezensionen gelesen hatte. Glücklicherweise ist der Roman nicht dem Geschlechterkampf gewidmet, sondern es findet sich nur ganz normale (naja - ich vermute, in den ländlichen Gebieten der USA könnte das noch normal sein. Mir kommt es eher wie aus den 70ern oder frühen 80ern vor) Konflikte von Frauen in Führungspositionen, die meinen, Männer würden sie nicht respektieren. Das kommt mir etwas aufgesetzt vor (ständig erwähnt die Protagonistin, ob sich das männliche Gegenüber auch einem Mann gegenüber so verhalten hätte. Diese Selbstzweifel passen so gar nicht zu er ansonsten als selbstbewußt beschriebenen Frau), hat aber nicht weiter das Lesevergnügen gestört.

Der beschriebene Kohlebrand existiert tatsächlich. Seit 1962 ist die Gegend nahezu unbewohnbar, weil unter der Stadt die Kohle brennt. In den USA gibt es über 110 derartige Brände. Die im Klappentext erwähnte gelungene Schilderung der durch den Kohlebrand zerstörten Region spielt nur beim Fund der Leiche eine Rolle. Ansonsten dreht es sich dort vor allem um eine Sozialstudie, die in einem Verbrechen endet.



Mich hat das Buch nicht überzeugen können. Als Sozialstudie ist die Perspektive der Polizeichefin zu sehr aus der Distanz konstruiert, die Seitenlinie der eigenen Familiengeschichte ist dabei noch der Faden, der mich am Buch gehalten hat. Die Ermittlungen und auch die anderen Personen sind eigentümlich flach gestaltet. Man kennt diese moderne amerikanische Unart, ein paar Striche zu ziehen und zu denken, das genüge, um einen komplexen Charakter zu beschreiben. Das kenne ich vor allem aus Filmen und hielt es dem Umstand geschuldet, mehr Raum für Effekte zu bieten. Außerdem sind in Filmen die Charaktere selten wirklich dargestellt und entwickelt. Das liegt am Medium. In einem Buch hat man den Raum und den muß ein Autor nutzen, sonst bewegt er sich auf sehr flachem Niveau.

Das Buch habe ich dennoch mit Vergnügen gelesen, auch wenn die Erwartungen an eine gut konstruierte, mit interessanten Charakteren gefüllte Geschichte nicht erfüllt wurden. Das Buch ist gut übersetzt und sprachlich fand ich nichts zu bemängeln. Ein Buch, während dem man auch gemütlich einen Wein trinken kann. Eine nette Winterlektüre ohne bleibenden Eindruck

Tags: buch, lautenistenleben, memories
Subscribe

Posts from This Journal “buch” Tag

  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 0 comments