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Lesch über die Jagd

Gestern bin ich vor dem Zubettgehen noch über Leschs Kosmos (ZDF Mediathek kann man leider nicht einbinden, darum ein Link ) gestolpert, in der sich Lesch mit der Jagd auseinandersetzt. Harald Lesch zählt noch zu den ernst zu nehmenden Gestalten im deutschen Fernsehen und steht in der Tradition eines Hoimar von Ditfurth, der mit Querschnitt Wissenschaftssendungen im Fernsehen populär machte.
Einige der Aussagen in der Sendung sind gewagt, andere falsch und die Schlußfolgerung "Menschen sind halt so" legt nah, daß auch Wissenschaftler manchmal ziemlich doof sind.

Doch etwas mehr im Detail: ich wußte bislang nicht, daß Waschbären Schildkrötenpanzer knacken können. Das stimmt. Was nicht stimmt ist, daß es nur eine Kolonie der Schildkröten (in Brandenburg) gäbe und der Ort geheim sei.  Vielleicht bezieht sich Lesch auf eine Auswilderung in MVP, wo die Tiere 2010 ausgestorben sind und bald darauf wieder angesiedelt wurden. Diese Ansiedlung verlief zunächst erfolgreich, doch inzwischen bedrohen Waschbären die Tiere. Dieses Problem wurde in Verbindung mit dem Wolf gebracht und die steile These aufgestellt, warum man die einen Arten will, die anderen nicht. Waschbären seien inzwischen heimisch und es sei doch nicht einzusehen, warum wir Wölfe und Schildkröten gegen sie schützen Gänzlich jenseits von gut und böse war die Formulierung, Wölfe würden wieder angesiedelt. Das ist einfach falsch. Die Wölfe sind wieder eingewandert und sie sind europaweit eine streng geschützte Art - genau wie auch Schildkröten. Wilderei kann mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bestraft werden (und ich hoffe, das passiert bei der zunehmenden Wilderei auch endlich mal). Auf das Wildern von Wölfen wurde eingegangen.
Als weiteres Beispiel wurden die Grauhörnchen genannt, welche die einheimischen Eichhörnchen verdrängen könnten. In England ist das weitgehend bereits geschehen und von Süden her kommt diese Bedrohung auch auf uns zu. Die Verdrängung der einheimischen Eichhörnchen nimmt Lesch, wie auch ein drohende Verschwinden der Schildkröten, als gottgegeben hin und findet die Jagd auf die invasiven Arten sinnlos. Zum Grauhörnchen kann man sagen: ja, die Jagd ist sinnlos - aber Edelmarder fressen bevorzugt Grauhörnchen und halten die Bestände klein, so daß auch die echten Eichhornchen wieder Raum bekommen.


Natürlich essen die auch rote Eichhörnchen. Die Grauhörnchen sind halt fetter und größer und leichter zu erwischen (auch wegen der größeren Anzahl) und darum werden sie die Grauhörnchen nicht ausrotten sondern es wird sich ein Gleichgewicht einstellen.

Waschbären haben auch natürliche Feinde: Wölfe, Luchse und Uhu beispielsweise. Daß sich der Waschbär zu einem Schädling entwickeln konnte zeugt, genau wie auch überbordende Wildschweinbestände eher vom Versagen der Jagd als Mittel zur Regulation. Ein natürliches Gleichgewicht wird es mit Jägern nicht geben und es liegt auch gar nicht im Interesse der Jäger.

Natürlich steht nicht zu erwarten, daß Wölfe und Luchse die Waschbären ausrotten werden, doch könnten sie helfen, die Bestände im Zaun halten. Das bedeutet nun auch nicht, daß die Schildkröten nicht geschützt werden müßten oder sollten

Vollkommen okay findet Lesch dagegen die Jagd auf Löwen, Elefanten - die big 5 - in Namibia, weil die Jäger schließlich dafür bezahlen und damit die Nationalparks bezahlt würden. "Klar könnten die ihr Geld auch anders dort lassen. Aber Menschen sind halt so". Da kam mir das Abendessen wieder hoch - daß etwas funktioniert macht es noch nicht richtíg! Das erinnert mich an das amerikanische Bomben für den Weltfrieden - Leschs Gedankengang ist auf so vielen Ebenen so falsch, daß es mir schwer fällt, einen Ansatz zu finden. Lesch denkt dort wie ein Betriebswirt, der eine Kenngröße (beispielsweise Anzahl der Löwen) erhöhen will und dann wird geschachert: In den Nationalparks läßt Du Löwen in Ruhe, dafür darfst Du sie (gegen Zahlung einer entsprechenden Summe) an anderen Orten abballern. Offensichtlich wird der Unsinn beim Elfenbein, dem man nicht ansieht, ob es aus gewilderten oder regulär gejagten Beständen stammt. Wird die Jagd erlaubt (in diesem Fall verbunden mit Handel von Elefenbein oder Trophäen) dann läßt sich Schutz nicht mehr effektiv bewerkstelligen.
Als weiteres positives Beispiel nennt Lesch das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz in Baden-Württemberg und bringt als Beispiel Rotwild, welches von Waldbauern als Schädling angesehen wird. Der Widerstreit zwschen Jägern, die natürlich Beute machen wollen und hohe Wildbestände anstreben und den Waldbauern, die eine möglichst hohe Ernte einbringen wollen und demnach Wild begrenzt wissen wollen wird als Beispiel gebracht. Lesch bringt auch einen richtigen Ansatz ins Spiel, nämlich was ökologisch sinnvoll wäre und in Folge dieses Gedankens plädiert er für ein Wildtiermanagement. Auch hier merkt man einen betriebswirtschaftlichen Ansatz, den ich für einen Wissenschaftler und auch für einen Politiker vollkommen unangemessen halte. Natürlich denken die Bauern so. Die wollen Profit aus dem Wald ziehen. Die Jäger wollen Beute machen. Die Gesellschaft will den Erholungsraum. Dieses Denken führt zu verfehlten Maßnahmen. Denn was eigentlich wichtig ist und wovon langfristig alle Profitieren ist eine gesellschaftliche Prämisse, die Natur nicht als auszubeutende Größe ansieht, sondern als Lebensgrundlage, deren Erhaltung oberste Priorität hat. Die Nutzung bedarf einer Begründung und darf nicht zu dauerhafter Zerstörung führen. Also: wenn ich Fichten- oder Kiefernmonokulturen anpflanze, die beim nächsten Wind umgeworfen oder die vom Borkenkiefer weggefressen werden zerstöre ich Umwelt: der Boden verödet, die Tier- und Pflanzenwelt geht vor die Hunde und somit wird mittel- bis langfristig auch der wirtschaftliche Nutzen infrage gestellt. Den höheren Ertrag erkauft man sich mit dem RIsiko der Zerstörung und auf Kosten der Funktion des Waldes als Natur- und Lebensraum. Das gilt so ähnlich auch für die Landwirtschaft. Natürlich bedeutet jede menschliche Kultivierung einen Eingriff - das ist richtig! Doch der Eingriff darf nicht zu dauerhaftem Schaden oder zur Zerstörung führen. Betriebswirtschaftliches Denken. Zur Jagd hatte ich ja schon etwas geschrieben: so wenig wie möglich. Notwendig wird sie aber wahrscheinlich bleiben. Leschs Gedanke, wir bräuchten die Jagd  zur Regulierung ist Quatsch - die Wildtierbstände regulieren sich selbst. Und Raubtiere erledigen ein Wildtiermanagement viel effektiver als es ein Jäger jemals könnte. Problem sind die unnatürlich hohen Wildbestände

Vielleicht sollte sich Lesch mal mit Biodiversität auseinandersetzen und warum wir sie dringend brauchen.


Aufzeichnung eines parlamentarischen Abends. Bereits Bärbel Höhn von den Grünen umreißt die Aufgaben, Sinn und Zweck der Übung (unter Anderem am Beispiel der Wiederansiedlung des Lachses)

oder etwas kürzer

Ach? Hat er schon?


Erschreckend ist, daß sich auch Wissenschaftler offenbar dem Diktat betriebswirtschaftlichen Denkens beugen.

In dem Zusammenhand noch interessant ist auch


Tags: die krise der westlichen welt, lautenistenleben, meinung
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