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Der Advent - Besinnliches?

In der Adventszeit bekommen wir noch mehr die Diskrepanz zwischen echtem Leben und dem, was das Cliché vorschreibt zu spüren. Da werden die Werte, die uns über 11 Monate im Jahr am Arsch vorbei gehen auf einmal in den Mittelpunkt gestellt und von Familie und Nächstenliebe palavert. Tatsächlich muß man unter einen Felsen kriechen, um sich vor dem geballten zuckersüßen Kitsch, mit dem man bombardiert wird, zu verstecken. Besinnlich kommt von sich Besinnen und nicht von Kitsch. Nichts, was stört, dringt durch die Watte - und wenn, dann mit der Absicht, unsere Abwehrhaltung zu aktivieren, sprich: man zeigt uns das Elend der Welt, um uns zu Spenden zu motivieren.

Wie soll man sich dazu stellen, wenn man versucht, halbwegs kultiviert zu sein? Milde lächelnd drüberstehen? Das habe ich jahrelang versucht. Ich fand immer den Kindergottesdienst, bei dem die Kleinen die Weihnachtsgeschichte gaben sowohl süß als auch eine Art "Weihnachten in a nutshell" - mit all dem Kitsch, aber auch den süßlichen Gefühlen und Kindheitserinnerungen an Weihnachtslieder, Vorfreude - der Streit kam dann immer danach in der wirklichen Welt des heiligen Familienabends. Nachdem meine Mutter flüchtet, mein Bruder mit der Familie seiner Frau und den Eltern des Freundes seiner Tochter feiert hat sich die Idee einer Familienweihnacht für mich sowieso erledigt. Ist es über die geballte Macht des Einzelhandels und der werbetreibenden Industrie hinaus ein Fest von Bedeutung? Klar - für echte Christen hat es Bedeutung. Und auch diejenigen, die einfach die Tradition mögen finden auch heute noch Anklänge an Weihnachten, schließlich singen sie in unserer Kirche immer noch Oh Du Fröhliche und die Katholiken singen Stille Nacht Doch darüber hinaus?
In der dunklen Zeit des Jahres liegt es nahe, mehr Zeit dem Kopf zu gönnen als sowieso - dazu ändert eine Zahl und ein Zyklus findet am 31.Dezember dadurch sein symbolisches Ende und ein neuer Durchgang des Kreises beginnt - zur Zeit mache ich mir immer wieder Gedanken über die Bedeutung von Zeit. Warum sollte der Jahreszyklus bedeutsamer sein als der Tageszyklus oder der Stundenzyklus? Liegt es an den Jahreszeiten, die das menschliche Leben auf natürliche Weise gliedern? Sehr wahrscheinlich - und die Wintersonnenwende ist dabei ein markanter Zeitpunkt. Auch ganz ohne sentimentalen Quatsch findet sich da viel, was die Zeit zu etwas besonderem macht, nicht nur für Christen.

Auch was sollten wir uns Besinnen, wenn ein solcher Zyklus endet und ein neuer beginnt?
Ist das nicht eine nettere Aufgabe für den Advent als Geschenken hinterher zu rennen und zu hoffen, bloß niemanden zu vergessen. Oder noch schlimmer: eine Liste abzuarbeiten?


Tags: gedanken, lautenistenleben, thomas mental chaos
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