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historisches Museum

Ein weiterer, sehr ergiebiger Ausflug führte mich ins historische Museum. Zunächst hatte ich den Eindruck "die haben einfach zu viel", weil ein roter Faden kaum zu erkennen war (und ist).

Im Sammelsurium der Dauerausstellung werden in kleinen Gruppen Bestandteile der Stadtgeschichte hervorgehoben, sei es die Rolle des Geldes und der Banken, die Kaiserkrönungen, Industrie, Wissenschaft oder Kultur. Lobenswert auch, Margot Frank zu Gedenken. Die Nationalsozialistische Vergangenheit anhand eines Lebenslaufes zu würdigen ... naja. Die Absicht und die Idee sind gut, aber mich hat die Umsetzung nicht überzeugt.

Sehr interessant war ein Foto eines historischen Lautenisten: "Die Laute ist Sinnbild der hochfeierlichen gottbegeisterten Seelenstimmung"
Ernst Mahner mutet in seinen Gesundheits- und Fitnesswahn fast modern an. Immerhin ein historisches Foto aus der Zeit um 1850 mit Laute

"Schon seit einiger Zeit befindet sich in hiesiger Stadt ein Mann, Ernst Mahner, dessen schwulstige Anschlagzettel, welche allen Menschen, die seine Lehre befolgen, Gesundheit u. langes Leben versprechen. Ich hatte heute morgens 6 Uhr Gelegenheit ihn im englischen Garten zu hören. Er ist ein kräftiger, noch junger Mann mit starkem Barte u. langer Schnurre, die blonden Haare bis in den Nacken wallend. Heute ließ er sich über folgende Gesetze aus: trink kaltes Wasser u. da nur wenn du Durst hast, vermeide alle gebrannte Getränke, als Branntwein, Punsch u. Kaffee, denn sie sind Gift. Ebenso verabscheue die Suppe, Breie u. alles gesottenes Fleisch: gebraten sollst du letzteres essen. Das stinkige, dich auszehrende Tabakskraut wirf von dir. dann brachte er seine Lehre in Beziehung mit der des höchsten Priesters des Herrn: nicht aus meinem Hirne ist sie entsprungen, sondern sie stammt her von dem, der die ewige Wahrheit ist, dessen Diener ich bin, ich der einzige Inhaber dieser ursprünglichen Hygiena u. wer nicht an mir glaubt, ist ein Lügner ... u. sofort ... alle Ärzte, ich muß es offen sagen sind Betrüger! In einem Decennium, wenn ihr meine Lehren befolgt, werdet ihr ein gesundes, starkes Volk sein, die Frauen werden nicht mehr so schwer gebärn u. kräftige Kinder zur Welt bringen. - Seine Absicht mag eine gute sein, ob er aber Jünger finden wird, das möchte ich bezweifeln, denn die jetzige Lebensweise, obwohl sie sich nachtheilig auf den Gesundheits-Zustand äußert, hat zu tiefe Wurzel bei den Menschen geschlagen, als daß sie so leicht zu verändern wäre." (aus dem Tagebuch des Karl G.V. Rost, 1847)
1848 schrieb dann ein Waffenarzt Dr. Gleich über die Notwendigkeit,die Heilkunde zu reformieren und bezog sich dabei auf Ernst Mahner
Obwohl ich weiß, daß das historische Museum Frankfurt einige Lauten und sogar ein Orpharion aufbewahrt, war keines davon in der Aussellung. Auch nicht die schöne Tielke-Laute, die natürlich und leider in sehr fragilem Zustand ist. Auch das berühmte Bild des letzten Lautenisten Scheidler findet sich leider nicht in der Ausstellung. Ich wurde aber doch in der Sonderausstellung fündig


Die Lautenistin


die gesamte Band


im Kontext des Gemäldes



Ein zweites Gemälde

der Lautenist


Lautenkitsch

im Kontext

Der Philosoph Arthur Schopenhauer wirkte in Frankfurt und ihm war ein kleiner Abschnitt gewidmet, der, finde ich, der Bedeutung dieses großen Denkers nicht gerecht wird

Immerhin ein Portrait von ihm, das ich noch nicht kannte

der Blick aus seinem Arbeitszimmer

Heute dürfte er sich so nicht mehr zeigen - das Foto macht aber auch deutlich, daß Menschen aus dem Nahen Osten uns vollkommen gleichen.

Schön finde ich, daß man Margot Frank einen Abschnitt widmet, der älteren Schwester der Tagebuchautorin





Zusammen mit ihrer Schwester

Auch Margot schrieb ein Tagebuch, welches aber nicht erhalten blieb

Die Kaiserkrönungen in Frnakfurt sind in einem historischen Museum natürlich zu erwähnen














genauso wie die Paulskirchenverfassung






Die Grundrechte bilden noch heute Kern der deutschen Verfassung


"Die Zeit der Rache ist gekommen [...] ergreifen wir muthig die Waffen gegen die Erzfeinde unseres Geschlechtes"
schon 1848 setzten sich die Frankfurterinnen für Gleichberechtigung und Frauenwahlrecht ein. Erhalten sollten sie es erst 70 Jahre später

In Frankfurt spielte Geld natürlich immer eine große Rolle




















Die Anatomiestunde




So ließ mich das Museum zwigespalten zurück: ich konnte mich des EIndrucks nicht erwehren, die Kuratoren hätten Mühe, die beeindruckende Fülle des Materials in einen stimmigen Kontext zu bringen. Was sie zeigen beeindruckt, es fehlt mir aber viel und ganz besonders fehlt es an einem Überblick. Das Baukastensystem, welches man dort gewählt hat ist wahrscheinlich nicht ungeschickt, aber es wirkt auf mich etwas willkürlich aneinandergereiht. Als hätte man gedacht "Hupps, das muß ich auch noch erwähnen! Oh ja - und das muß auch noch rein! --- oh! DAS natürlich auch noch"
Tags: fotographie, lautenistenleben, memories
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