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Goethehaus

Ein Frankfurter geht nicht ins Goethehaus, sagt man. Naja - ich komme ja auch nur aus der Gegend und bin wahlweise aus dem freien Reichsdorf, Kurmainz (wohin das freie Reichsdorf nach dem Ende des alten Reiches hin kam) oder Nassau, welches diesen Teil des kurmainzer Gebietes nach Auflösung des kurmainzer Staates zugesprochen bekam.
Die Verbindung zu Goethe kommt über die Literatur, die zum Goethehaus über den in Sulzbach ansäßig gewesenen Otto Volger, genannt Senckenberg, der den Freien Deutschen Hochstift gründete und wesentlich zum Erwerb und Erhalt des Hauses der Familie Goethe im großen Hirschgraben beitrug.
Für die Fotographen ist er wegen seines Engagements für die Wohlytypie bedeutsam, welche Fotographie ohne Negativ, direkt auf Papier, ermöglichte. Durch die Verwendung von Uran-Kollodium  als Fotoemulsion war es allerdings stark gesundheitsgefährdent.

Ich habe versucht, ein paar Beispiele zu finden, wie solche Bilder ausschauen:

oder

Das Verfahren hat sich nicht durchgesetzt, sicher auch wegen der gesundheitsgefährdung durch die eingesetzten Chemikalien.

Tatsächlich ist an dem Haus auch wenig original außer dem Standort (es wurde im 2.Weltkrieg durch Fliegerbomben zerstört) und einigen Einrichtungsgegenständen wie Büchern und Kunstwerken aus dem Besitz der Familie, der ausgelagert war.
Wesentlich für den Besuch war der Gedanke, mir die zerdepperte Laute von Goethes Herrn Papa  anzuschauen. Genauer: zu schauen, ob sie im Goethehaus oder im historischen Museum aufbewahrt wird (weder im einen noch dem anderen ist sie Bestandteil der Ausstellung - Schande über Euch!). Letzten Endes wurde es ein Ausflug in das persönliche und geistige Umfeld Goethes. Und zu einem guten Teil auch meiner eigenen, antiquierten Bildung (die ich mir nach der Schule antat und die sich eher an Schiller und Humboldt orientiert als an dem Quatsch, der mir in der "reformierten Reform ehemaligen Gesamtschule, nun wieder Gymnasium, humanistischen Bildungsanstalt" oder wie man das nennen will, zuteil wurde).



Gedenkplakette für Otto Volger


Mignon soll das sein

Anfänglich ist im Wilhelm Meister nicht klar, ob Mignon Mädchen oder Bub ist. Wilhelm kauft sie von Fahrenden.
Im Verlauf der Geschichte singt sie einige Lieder, deren bekanntestes wohl das hier ist:

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl? Dahin!
Dahin möcht’ ich mit dir,
O mein Geliebter, ziehn.

Kennst du das Haus? Auf Sälen ruht sein Dach,
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl? Dahin!
Dahin möcht’ ich mit dir,
O mein Beschützer, ziehn.

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier such im Nebel seinen Weg,
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut.
Kennst du ihn wohl? Dahin!
Dahin geht unser Weg!
O Vater, laß uns ziehn!



Zu diesem Porträt (von 1826) meinte Goethe "Mein Porträt ... ist da, und ich für meine Person finde es nicht erfreulich"
Ich kann ihn gut verstehen


Das Original von Tischbein ist im Städel: Doch auch hier hat Goethe bei dieser (zeitgenössischen) Kopie zwei linke Füsse
Und sein Linkes Bein ist deutlich zu lang geraten













Man in the mirror


Huch? Sehe ich da eine Laute

aber klar doch ...






Als Pianos noch gespielt wurden wurden platzsparende Modelle entwickelt wie dieses hier im Musizierzimmer der Cornelia Goethe









Cornelia Schlosser, geborene Goethe - war sehr gebildet und gut ausgebildet. Studieren durfte sie freilich nicht und blieb bis zu ihrer, mit 22 vergleichsweise späten, Vermählung in Frankfurt. Auch literarisch scheint sie einiges auf dem Kasten gehabt zu haben. Ihr Bruder billigte ihr größeres Talent zu als sich selbst. Ihre Briefe sind jedenfalls lesenswert - ein Frauenschicksal in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts. Wobei sie es, bei allem Unglück, welches sie erlitt, sicher vergleichsweise gut erwischt hatte

Zeichnung von Johann Ludwig Ernst Morgenstern












Ein Blick in die Bibliothek des Hauses Goethe im Hirschgraben. Laut Goethes erstem Biographen paßt die Literatur, die ich so gefunden habe: sowohl die Klassiker wie Aesops Fabeln, Ossian als auch "Antons Reise um die Welt" und juristische Fachliteratur der Zeit finden sich.
Wenn es nicht original sein sollte ist die Bibliothek gut und plausibel zusammengestellt



















Hüsgen-Uhr von 1746 im Goethe-Haus. Der olle Hüsgen war Jurist und hat eine Uhr voller fantastischer Spielereien (heute würde man vielleicht "features" oder "Gimmicks" sagen, zum Beispiel hat sie neben der Zeitanzeige einen normalen, astronomischen und Mond-Kalender) entwickelt.
Beispielsweise legt sich der Tanzbär hin, wenn die Uhr aufgezogen werden muß










Tags: fotographie, lautenistenleben, memories, thomas mental chaos
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