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Kunstverein: Trees of Life

Im Frankfurter Kunstverein findet zur Zeit eine Ausstellung statt, die mich sehr interessiert hat. Besonders interessant fand ich die Zusammenarbeit der Künstler mit dem Senckenbergmuseum, das eine Reihe Exponate beisteuerte.
Inhaltlich ging es in der Ausstellung Trees of Life - Erzählungen für einen beschädigten Planeten um unser schädliches und geschädigtes Verhältnis zu unserer Umwelt im weiteren Sinn. Ausgehend von demchristlich mußverstandenen Aristoteles mit der Scala Naturae von Charles Bonnet (1781)



über Darwin und Ernst Haeckels Stammbaum des Menschen von 1874


und ergänzt durch Stücke der Senckenberg-Gesellschaft aus der Urzeit der Erde entwickeln die 4 ausstellenden Künstler ihre Aussagen.



Agathoxylon, der verkieselte Stamm eines Nadelbaums, 225 Millionen Jahre alt als ein Fragment einer Welt in Zeit. Das Alter bedeutet uns zunächst vor allem eine unvorstellbar große Zahl, ein Alter, welches wir bewußt nicht fassen können, das uns aber Dank solcher Belege (und den Erkenntnissen, die die Wissenschaft daraus zu gewinnen imstande ist) deutlich machen, daß wir Ergebnis einer Millionen Jahre dauernden Entwicklung sind. Man kommt sich sehr klein vor.


Stromatolyt ca. 2,2 bis 2,4 Milliarden Jahre



Präparierter Käfer (1880)






Meteorit Horace





Crocheted Membrane (2008/2009) - Sonja Bäumer





Microbial Entanglement, 2019


Expanded Self, 2012 - der Austausch mikrobiologischer Organismen zwischen unserem Körper und der Umwelt macht deutlich, daß unser Körper, den wir als das "ICH" bestimmend ansehen, Heimstatt für abermillionen anderer Wesen ist, unser Ich also als zusammengesetzt verstanden werden kann.





Eine Zigarrenschachtel mit 8 Motiven (SAmmlung Königswald (1902 - 1982)


Alter: ca. 15 Millionen Jahre












Video-Installationen und interaktive Szenarien ergänzen die Ausstellung.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine (oder die?) Absicht der Künstler gewesen war, eine hierarchische Sicht auf die Lebewesen der Welt infrage zu stellen. Der Ausgangspunkt würde das nahe legen. Tatsächlich scheint die Ausstellung aber dazu anzuregen, Demut angesichts unserer beschränkten Existenz auf dem Planeten zu zeigen, eine gradezu altbackene Sicht, der es aber nicht gelingt, die Sonderstellung des Menschen ernsthaft infrage zu stellen, auch wenn die Ausstellung sich das auf die Fahnen geschrieben zu haben schien.
Mich hat die Ausstellung seltsam unentschlossen zurückgelassen, Ich fand, einige interessante Fragen und Denkanstöße wurden gegeben. Nur als Beispiel die Umformulierung des Leib-Seele Dualismus in die Form, ob unser Leib überhaupt als eine eigenständige Entität betrachtet werden kann.
Die Gedanken zu unserem Sein in Zeit verlieren sich dagegen in den fantastischen Zahlen und schönen Präparaten - generell scheinen die Künstler sich gerne in der Relativität (von Maßstäben) zu verlieren. Natürlich ist es interessant, das Leben in einem Wassertropfen überdimensioniert darzustellen. Doch ohne Kontext wirkt das verloren und bleibt hübsch anzuschauen. Hier überlassen es die Künstler dem Betrachter, sich einen individuellen Kontex zu konstruieren, der den Menschen aber grade wieder in hierarchisches Denken zu verfallen verführt. Oder ist grade das die Absicht?



Auf einer Treppenstufe fand sich noch dieses Grafitti, welches der Ausstellung einen neuen Dreh geben könnte.

Tags: gedanken, lautenistenleben, memories, thomas mental chaos
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