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Veganismus und Ethik

Eigentlich stört mich Vegane Ernährung rein gar nicht. Im Gegenteil - bis auf verschiedene gesundheitliche Aspekte ist eine vegane oder dem veganen nahe Ernährungsweise durchaus begrüßenswert.
Was mich aber nervt ist der militante Missionarismus (gibt es das Wort?), den einige Vertreter mit religiösem Eifer betreiben. Dabei beruht die Argumentation der Veganer auf Axiomen, die durchaus fragwürdig sind oder als Axiom untauglich. Natürlich sind Axiome unangreifbar - das ist wie mit den 10 Geboten. Entweder man glaubt daran oder glaubt nicht daran. Die Argumentation für Veganismus basiert im Wesentlichen auf 2 Axiomen, die noch nachvollziehbar sind, nämlich den Geboten. Du sollst nicht töten und Pflanzliche Ernährung ist nachhaltig
Voraussetzung dabei (und oft, fälschlich oder berechtigt angegriffen) ist die Eignung rein pflanzlicher Ernährung für den Menschen.
Das Tötungsverbot wird dabei bereits relativiert, denn es weitet das fünfte Gebot nur auf Tiere aus - inwieweit nur Teile des Tierreichs eingeschlossen sind, weiß ich nicht (Klatscht ein Veganer eine Stechmücke? Zerquetscht er eine Zecke?). Veganer wollen darüber hinaus nicht teilhaben an menschenverursachtem Tierleid, wobei sie als zwingend ansehen, daß menschliche Tierhaltung Tierleid verursacht (Das schränken sie aber gerne für die Haltung von Haustieren ein - Bigotterie?).
Sie gehen von einer Gleichwertigkeit von tierischem und menschlichen Leben aus. Dabei werden die ethischen Standards dann aber nur für den Menschen aufgestellt.
Innerhalb dieses ziemlich obskuren ethischen Szenarios sind Veganer dann in der Regel konsequent.

Die Veganer verweisen immer gerne auf das objektiv in der Welt existierende Tierleid als Grund, warum man vegan leben müsse. Das setzt voraus, es gäbe keinen anderen Weg, Tierleid zu vermeiden. Schwierig ist ja tatsächlich, ein "erträgliches Maß" an Leid zu bestimmen, welches wir meinen, ein Tier leiden lassen zu dürfen. Während wir ein Steak genießen betrauern wir den Tod unserer Katze oder unseres Hundes ähnlich wie den eines Familienangehörigen. Die Entfernung spielt offenbar eine Rolle. Viele von uns würden Vegetarier, müßten sie selbst das Tier töten, ausnehmen und zum Verzehr vorbereiten. Ich vermute eine natürliche Tötungshemmung bei uns Menschen gegenüber Mitsäugetieren. Dagegen spricht eine Physis, die wir im veganen Leben austricksen können indem wir Lebensmittel zu uns nehmen, die teilweise in weit entfernten Weltgegenden wachsen oder chemisch erzeugte Suplemente zu uns nehmen.

Das Problem axiomatischer Systeme ist, daß man sich gemütlich darin einrichten kann. Das geht den Vegetariern und Omnivoren genauso. Und den Christen. Den Muslimen. Und den Wirtschaftsgläubigen. Axiomatische Systeme sind Glaubenssysteme, die von der Gültigkeit der Axiome abhängen, auf denen sie basieren. Denn genauso wenig wie eine natürliche Zahl zu beweisen ist (oder Gott), ist auch Gleichwertigkeit (generell Wertigkeiten) nicht beweisbar. Es handelt sich um Qualitäten, also etwas was sich eben nicht quantifizieren läßt.

Mein persönlicher Ansatz ist aber natürlich ein ganz anderer. Ich halte unsere Ernährung im kant'schen Sinn für ein Mittel und das ethische Ziel (der Zweck) wäre, Leid zu mindern. Die Frage der Wertigkeit würde ich gerne ausklammern, da ich ehrlicherweise zugestehen müßte, daß ich bei aller Tierliebe tierisches und menschliches Leben nicht als gleichwertig ansehe. Dennoch gilt es, auch Tierleid zu vermeiden.
Sehe ich Leid, wie bei Tiertransporten oder in der Massentierhaltung, muß man meiner Meinung nach eingreifen.

Das Nachhaltigkeitsargument der Veganer hat viel für sich, ignoriert aber, daß es Flächen gibt, die für Getreide- oder Obstanbau gar nicht zur Verfügung stehen (die Alpen zum Beispiel). Auch landschaftspflegerisch hat die Tierzucht einige positive Elemente, die man berücksichtigen sollte.

Die Frage, was man wo anbaut, um sich zu ernähren ist doch eigentlich eine praktische Frage, die man nicht ethisch beantworten muß und vielleicht gar nicht kann (dem hungernden Teil der Menschheit düfte egal sein, was sie zwischen die Kiemen bekommen: Hauptsache, sie leben), sondern bei deren Beantwortung man ethische Prinzipien nur mit einfließen lassen sollte. Welche ethischen Prinzipien das sind habe ich hier skizziert, wobei ich den metaethischen bzw.metaphysischen Gedanken noch erwähnen möchte, daß wir die "belebte Welt" oder die "Schöpfung" als eine ineinander verflochtene Entität begreifen könnten, in der alles Leben und Sterben, in der der ganze Energieaustausch, stattfindet. Wir sind darin alle in Raum und Zeit verbunden.
Die "unsterbliche Seele" wäre Energie und das, was wir daraus machen. Denn dem Menschen eigen sind Abstraktionsfähigkeit (erkennen, was ist) und Kreativität (erschaffen, was nicht ist). Und das ist auch, warum ich Mensch und Tier nicht als gleichwertig ansehen mag. Außerdem empfinde ich es als arrogant, vielleicht auch naiv gegenüber der Schöpfung, einzelnen Menschen (den Veganern) zuzugestehen, für die unbeseelte Schöpfung zu sprechen.




Tags: gedanken, lautenistenleben, memories, schweinschen schlaus weisheiten
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