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Aktuelles

Bei mir leert sich das Wohnzimmer langsam. Einige Instrumente sind schon verkauft, eines ist versprochen und morgen geht vielleicht/hoffentlich das Archiliuto auch noch weg. Neben einer gewissen Melancholie oder Traurigkeit ist das vorherrschende Gefühl aber eine Art Befreiung. Es ist schwer zu beschreiben und wahrscheinlich noch schwieriger nachzuempfinden, daß ich nun endlich wieder so richtig Lust empfinde, Musik zu machen. Als sei ein Druck weggenommen worden. Es scheint mir in einer ersten Annäherung so gewesen zu sein, daß mein Anspruch, gut zu spielen zu einer Manie geworden zu sein scheint. Was ich als Paranoia empfand, diesen Widerwillen, sich an das Instrument zu setzen und konzentriert ein Stück so zu erarbeiten, daß ich es fehlerfrei durchzuspielen vermag, ist nun weg - als sei eine Blockade im Hirn verschwunden. Was ist der Unterschied? frage ich mich. Ich weiß nicht, ob ich darüber überhaupt nachdenken will.

Was in der entsprechenden Diskussion bei der Lute Society alles geschrieben wurde, ist allerdings beim wiederholten Lesen oft schräg. Nur wenige haben tatsächlich verstanden, was ich geschrieben habe. Bei den meisten kam vor allem die Art der persönlichen Blase zum Vorschein. Natürlich hatte ich es etwas mißverständlich formuliert, wie in einem anderen Post hier schon geschrieben, doch nur Carsten hat sich die Mühe gemacht nachzufrage, Alan hat das Problem hinter dem problematischen Ausdruck "bullying" verstanden und es als "lack of interest" richtig interpretiert. Die gute Zusprache als Reaktion ist noch sehr lieb - und sicher möchte ich niemanden kritisieren. Außer Francesco, dessen Kommentar ich unangebracht fand, waren alle sehr nett und lieb - es geht mir um das, was die Kommentare über die Schreibenden aussagen. Und das ist stellenweise schräg.
Ich will hier nicht überinterpretieren, doch meine ich zu erkennen, daß viele der Leute selbst auch hier und da eine gewisse Frustration mit dem Instrument empfinden. Das liegt vermutlich daran, daß man, um auf einem gewissen Level spielen zu können, sein eigenes Geklimper sehr selbstkritisch betrachten muß und in aller Regel nur man selbst sich motivieren kann. Und vielen dürfte dieser Stau nur zu bekannt sein. Daß ich ihm offensichtlich erlegen bin, ist vielleicht für andere Musiker ein Horrorszenario in ihrem Leben? Wenn man bedenkt, welche Rolle Musik in meinem Leben spielt - ja! Das ist es auch! Aber erst jetzt merke ich, wie groß die Blockade war, die das ganze Leben beeinträchtigt - und welcher Gewinn, daß ich nun die Freude an der Musik wiedergefunden habe.

Nun muß das zur Zeit etwas chaotische Musizieren, das vor allem helfen sollte, die Geläufigkeit wieder zu finden, noch in eine geregeltere Form gebracht werden. Dabei gilt dieser Schritt zurück auch dort. Musik ist keine Olympiade und grade in der schönen Musik des Barock findet man Tiefe und weniger die Zirkusnummer. Ein Stück, welches zwar französischer Barock ist, das aber zusammen mit anderen Stücken Gallots ihren Weg auf meinen Notenpult gefunden haben ist dieses hier (in der fantastischen Version von Claire Antonini ein Musterbeispiel für die introvertierte Tiefe des französischen Stils)



Wem der verschmähte Liebhaber zu traurig ist kann sich diese Chaconne antun - ein Universum an Musik findet sich in diesem Instrument. Das zu finden - oder wiederzufinden ist ein großes Gefühl.

und noch eins - wieder von Claire, eine meiner liebsten Spielerinnen dieser Art von Musik. Eine Suite aus dem Mascript de Saizenay - zum dahinschmelzen


In dem Post von vor einem Jahr hatte ich noch meine Gitarre zum Verkauf angeboten. Für die Wiederholung des Angebots hatte ich noch überlegt, welche Gitarre ich denn nun verkaufen soll. Da ich aber unsicher darüber war, was ich nach dem Umzug hier bezüglich des Gitarrenspiels vorfinden würde habe ich die Gitarren zunächst ganz herausgenommen. Und die romantische Gitarrenmusik hat schon auch ihren Charme, oder?
Ich mag ja die Musik von J.K.Mertz und bin grade dabei, fleißig seine Nocturnen, die Nachtviolen und die Cyanen zu spielen.
Sehr schnulzig gespielt, finde ich - ich nehme es etwas schneller und mit weniger Vibrato



oder das hier - ein alter Favorit



daneben noch eine kleine Sammlung an alten Favoriten aus den Zeiten, als wir das alte Delcamp-Netz aufgemischt hatten wie das hier



Und da meint jemand, ich würde die verkauften Instrumente vermissen?

Für mich, oder andere, die es interessiert, poste ich dann noch meinen Übeplan (für Gitarre und Laute). Mir kommt es so vor, als sei dieser korrekte Probenplan, den man im Studium/Musikunterricht aufgedrückt bekommt, lebensfremd und darum ist es vielleicht hilfreich, einen Plan, wie ich ihn lebe und über Jahre gelebt habe, zu präsentieren. Plus vielleicht einem Vorschlag, wie man das für sein eigenes Leben und die eigenen Lebensumstände adaptieren könnte.

Fotographisch war es nun die letzten Tage etwas schütter. Es kamen ein paar Filme an, teilweise von Ausflügen von vor Monaten. Diese Fotos streue ich wohl unter eher musikalische oder politische Beiträge, um sie aufzulockern.


Hier also ein paar Fotos von einem Ausflug mit dem Roller nach Eppstein - fotographiert mit meiner Agfa Super Isolette auf Agfa Copex Rapid (@ 100 ASA - die Mittelformatversion kann man gut auf 100 knipsen während man die Kleinbildvariante auf eher ASA 50 belichten sollte )


Eppstein mit der Burg vom Weg zur Villa Anna


Der Neufville-Turm

Tags: laute, lautenistenleben, rollern
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