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gesehen: Lion und Split

Eine frühere Klassenkameradin hatte grade letzte Woche davon erzählt und nun kam er zufällig grade im TV: Lion. Es handelt sich dabei um einen Film nach einer wahren Begebenheit. Das indische Kind Saroo schläft ein, schließt sich versehentlich im Zug ein und erst im 1600km entfernten Kalkutta kommt es aus dem Zug heraus. Durch Adoption gelangt es nach Tasmanien und als junger Erwachsener beginnt er, als er von Google Earth erfährt, nach seiner Heimat und Familie zu suchen. Glücklicherweise wird Google Earth nur im Hintergrund zur Geschichte als anstoßendes Element erwähnt. Auch steht nicht einmal die Suche im Vordergrund, sondern vielmehr die Erlebnisse des Kindes Saroo. Die Handlung ein Rührstück, welches kaum ein Auge trocken lassen dürfte, ist der Film trotzdem vom Kitsch entfernt, obwohl die spannenden Elemente der Identitätssuche des älteren Saroo und die Belastung, die dadurch für seine Adoptivfamilie und die Freundin entstehen, nur gestreift werden und somit der eigenen Vorstellung überlassen bleiben. Dieses Streifen gibt aber genau dosiert genug Hintergrund, um dem Kitsch zu entgehen. Keine bzw. wenige Clichés, dazu fantastische Landschaftsaufnahmen,wie überhaupt die Kamera ausgezeichnet ist! plus einer bewegenden Geschichte heben den Film weit über den Durchschnitt, auch wenn die Person des Saroo diffus bleibt. Da hätte ich mir mehr und tiefere Einblicke gewünscht.



Schön war der Realitätsabgleich im Abspann, in dem echte Bilder aus Saroos Kindheit und vom Treffen mit seiner Familie (natürlich hat er sie gefunden) gezeigt wurden.

Nach diesem Film wollte ich nicht gleich in's Bett gehen oder lesen und dachte mir, noch ein kleiner spannender Film, um etwas Abstand zu gewinnen, sei genau das Richtige. Nun ist Split sicher keine bombastische Produktion und der Anspruch ist wohl eher gering. Daß einige Betroffene mit dissoziativer Persönlichkeitsstörung ihre Krankheit zu clichéhaft und stigmatisierend dargestellt fanden ist natürlich. Daß eine Hollywoodproduktion Chlichés meidet, ist kaum zu erwarten. Ganz im Gegenteil spielt Hollywood gerne mit Clichés und den damit verbundenen Erwartungen. In diesem Fall wird das nicht getan, was sehr wohltuend ist. Ich finde die Kritik überzogen, wenn auch verständlich.
Der Film kommt mit einem kleinen Ensemble Schauspieler aus und insbesondere auf Kevin, dem von James McAvoy gespielten Bösewicht des Films, ruht demnach sehr viel Verantwortung für das Funktionieren des Films. Endlich mal wieder ein Film, der auf Schauspielern und der erzählten Geschichte ruht! McAvoy, aber auch die drei entführten Mädchen, vor allem Anya Taylor-Joy als Casey, sind hervorragend.



Horror, Psychothriller und eine subtile (allerdings sehr fragwürdige) Message machen diesen Film extrem sehenswert. Da ich es angesprochen habe: Die unterschwellige Handlung dreht sich um das Überleben in Krisensituationen und wie man sie bewältigen kann. Die zwei vorgestellten Lösungswege sind Duldung - dieser Weg versagt im Film. Während die aggressive Verteidigung, das Töten des Angreifers positiv dargestellt wird - auch wenn sie nicht direkt erfolgreich war (ich will aber nicht spoilern und muß hier also etwas vage bleiben). Der dritte Weg, den der Psychologin, wird (aus dramaturgischen Gründen) verworfen. Und da wundert sich noch jemand darüber, daß in der Gesellschaft, grade der US-amerikanischen, Gewalt als Lösung immer mehr akzeptiert wird
Tags: film, gedanken, lautenistenleben
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