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judizide Kommunikation oder warum die BILD weiblich ist

Ich bin am überlegen, mich am allgemeinen Gegender zu beteiligen. Natürlich ein bißchen anders als der Mainstream das tut. Andererseits ist das langweilig. Es gibt die Männerseiten, die mir aber sehr trotzig rüberkommen. Und eigentlich finde ich Gegender ja ein Nicht-Thema und rege mich nur auf, weil es so unbeschreiblich aufgeblasen wird. Wenn man aber die Substanz auch nur versucht zu erfassen fällt das ganze Thema in sich zusammen. Die Gegensätze zwischen Mann und Frau eignen sich gut für soziale Studien - aber nicht, weil soziale Attribute gottgegeben wären und mit naturwissenschaftlich erwiesener Präzision eintreten würden. Meistens liegen die Unterschiede in einer unterschiedlichen Erziehung begründet, die eine unterschiedliche Sicht und oft auch unterschiedliches Verhalten ergeben. Als kleine Spitze kam mir neulich der Gedanke, daß heute ja gerne Weiblich mit "gut" und männlich mit "böse" gleichgesetzt wird, was in seiner wertenden Intention aber bereits weiblich ist. Denn darum soll es mir heute gehen. Um eine Art der Kommunikation, die gerne als weiblich empfunden wird, und die mir sehr fremd ist.Typisch weiblich ist judizide Kommunikation, also eine Kommunikation, in welcher der Sprechende wertet und/oder den Angesprochenen zur Wertung auffordert.
Üblicherweise wird man auf ein Problem etwa so beschreiben: S sagt "Der Brückenpfeiler ist morsch" worauf hin R fragt "Was bedeutet das? Kann man sie noch benutzen?" was S mit  "die Brücke wird bei stärkerer Belasung einstürzen" beantwortet. Daraufhin wird dann überlegt, ob wie man die Reparatur der Brücke erledigen kann.
Typisch weiblich ist dagegen, wenn S sagt "die haben beim Bau der Brücke aber mal mächtig gepfuscht", woraufhin R natürlich fragt "Wieso?", worauf S sagt "so baut man doch keine Brücken!" und so weiter und so fort. Ist nun S männlich und R weiblich käme das in etwa so raus "Der Brückenpfeiler ist morsch", woraufhin R sagt "Oh mein Gott! Hat da jemand geschlampt oder was?" - als besonders effektiv wird in der Zwischenzeit gerne "das geht aber gar nicht" benutzt. Die Phrase drückt nichts aus als das man einen Sachverhalt irgendwie nicht okay findet, aber warum das so ist bleibt vollkommen offen. Es wird aber gerne wie ein Argument verwendet.

Natürlich gibt es auch die Kommunikation mit der Aufforderung, etwas gut zu finden.
Typisch für die letztere Variante ist Werbung. Inhaltlich geht es bei Werbung ja meistens darum, eine positive Bewertung zu erzeugen. Ist das schwierig, versuchen die Werbetreibenden gerne, zumindest positive Assoziationen herzustellen wie beispielsweise Nespresso, wenn sie George Clooney als Gesicht für die Werbung wählen und inhaltlich wider jede Vernunft in ihren Spots den Eindruck zu erwecken versuchen, sie seien fair gehandelt oder gar umweltfreundlich. Oder Autos - für SUV spricht nun rein gar nichts. Trotzdem sind diese Hausfrauenpanzer/Pampersbomber Deutschlands beliebteste Autos. Den einzigen Vorteil, den sie haben ist, daß sie aufgrund Masse und der in der Regel höheren Sitzposition einen Vorteil haben, wenn sie mit einem normalen PkW zusammenkrachen. Das gleicht sich aber bei einem Unfall mit einem anderen oder höheren SUV wieder aus. Der Erfolg dieser Fahrzeuge erklärt sich nur über gezielte Desinformation, sprich Werbung.
Wieso ich nun auf die BILD komme: dieses Organ der Niedertracht besteht aus nichts anderem als aus Wertungen. Die klassische Trennung von Bericht und Kommentar existiert dort nicht. Auch redaktioneller Inhalt läßt sich von bezahlter Werbung dort nicht unterscheiden. Will ich mir aber eine Meinung bilden und nicht einfach der Aufforderung zu einer Wertung nachkommen muß ich erst einmal die Sachlage kennen. Anschließend kann ich dann beurteilen - vielleicht finde ich dann irgendwann den weiblichen Weg sogar angebracht - wie oft habe ich schon geflucht und geschimpft bei einer Aufgabe! "Wer denkst sich denn so einen Scheiß aus" und schlimmeres. Auch Männer haben schließlich ihre weibliche Seite ;-) ... Doch hilfreich, um die Aufgabe zu lösen ist das eigentlich nie.

Tags: gedanken, meinung, seelenstriptease, thomas mental chaos, trivia
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