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Mit dem Elektroroller in Deutschland

In der Schweiz war ich ja bekanntermaßen begeisterter Elektrorollerfahrer und mit meinem Trinity Uranus solange äußerst zufrieden, bis eine erste Reparatur anstand. Das Drama zog sich über Monate hin. Der schweizer Händler hat einfach meine Reparaturanfragen ignoriert, Rückruf kam nicht und er war dann nicht mehr erreichbar. Da der Hersteller von einem dichten Werkstattnetz in Deutschland sprach ging ich nach Kontakt mit dem Hersteller davon aus, daß eine Reparatur hier kein Problem sein würde. Leider war das gelogen. Von den vielen Werkstätten in Rhein-Main existierte nur eine, zu der ich meinen Roller dann schleppen ließ. Der Akku (das defekte Teil) ging an den Hersteller. Seitdem habe ich nichts mehr von denen gehört. Die Werkstatt hatte irgendwann mal gefragt, was mit dem Roller sei und wollte sich kümmern. Auch nichts gehört. Das Ganze geht nun über ein Jahr und den Roller habe ich seit längerem abgeschrieben. Der Hersteller verweigert den Kontakt. Einzige Chance, da Bewegung hinein zu bringen wäre wohl eine Klage gewesen. Durch die grenzüberschreitende Problematik ist mir das Prozeßrisiko aber zu groß. Und letzten Endes bin ich immer wieder auf den Hersteller angewiesen, den ich maximal zur reparierten Herausgabe des Akkus zwingen kann. Mehr als Schade!
Vom finanziellen Schaden wollen wir gar nicht erst reden. Vor dieser Firma kann ich nur warnen.

Da ich die Art Mobilität, lautlos und eher langsam - aber dennoch schnell genug, um den Alltag damit zu bewältigen, sehr schätze war für mich keine Frage, mir wieder einen Roller zuzulegen. Und es sollte auch wieder elektrisch sein. Die Reichweite von 85km, die ich mit dem Uranus hatte, dürfte für Rhein-Main ebenfalls genügen. Angeschaut hatte ich mir mehrere Roller, namentlich den Kumpan, der mit bis zu 99 km Reichweite sogar eine Verbesserung versprach, die Vespa, die allerdings noch nicht produziert wurde, den Niu und den Unu. So sehr mir der Kumpan auch gefallen hatte, sprachen Berichte über Qualitätsprobleme, die Vermarktung analog Trinity und der hohe Preis gegen ihn. 2 Servicestellen (in Wiesbaden und eine in Frankfurt) sind akzeptabel, falls sie ein defektes Fahrzeug ggf. abholen würden. Ein Preis um die 7000 € ist es nicht.Die Vespa Elettrica hat keinen herausnehmbaren Akku und ist mit 6500 € zu teuer. Der Niu klang sehr vielversprechend mit einem eigenen Laden in Frankfurt, großer Reichweite, moderner Technik und je nach Modell preislich im Rahmen (NIU N1S für ca. 2500 €, der N PRO für etwa 4000 €, wobei sich der höhere Preis für den N PRO durch den stärkeren Motor und größere Reichweite begründet). Das einzige Manko bei diesem Roller war die Optik. Schließlich gab es noch als Konkurrenten den Unu, der schnuckelig aussieht und preislich mit  etwa 2400 € auch der günstigste der Roller in meiner Auswahl war. Für ihn sprach unter anderem auch die Zusammenarbeit mit Bosch, was einen unabhängigen Service versprach, der mir nach den gemachten Erfahrungen sehr wichtig war.
Weitere wichtige Kriterien für die Kaufentscheidung war, daß ich die Innovationszyklen als (noch) sehr kurz ansehe - der Roller also wahrscheinlich nach ein bis zwei Jahren sehr veraltet sein würde. Insbesondere beim Akku erwarte ich große Fortschritte. Und natürlich den preislichen Abstand zu einem Stinker. So haben sowohl NIU (mit dem N PRO, der bereits angekündigt war) als auch Unu neue Modelle am Start.
Nach langem hin- und her entschied ich mich dann für den Unu, der pünktlich geliefert wurde und mich seit einigen Monaten begleitet.
Vom Fahren her bin ich recht zufrieden mit dem kleinen Rollerchen, bei dem man das Gefühl hat, man könne es in der Hosentasche mitnehmen. Das war natürlich der erste markante Unterschied zum vorherigen Modell. Er wirkt auch auf die ersten Meter etwas wackeliger als der Uranus. Nach ersten Testfahrten und -ausflügen zeigte sich aber, daß er für die Region hier nicht schlecht geeignet ist. Die negativen Eigenschaften sind vor allem, daß er am Ende der Akku-Ladung irgendwann spontan in einen Sparmodus verfällt, was ein hefriges Rucken bedeutet und starken Leistungsabfall. Das an einer Ampel kann nicht nur überraschen sondern auch gefährlich werden. Die kleinen Räder sorgen für ein schwammigeres Fahrgefühl als ich es gewohnt war - schauen, ob wir die Fußrasten zum Aufsetzen bringen tue ich mit diesem Roller nicht!
Das notwendige Umstecken nach dem Ende des ersten Akkus auf den zweiten hat sich als unproblematisch erwiesen. Die angegebene Reichweite mit 50km pro Akku ist  allerdings geprahlt. Ich schätze, hier im flachen Rhein-Main Gebiet kann ich von 30-35 km pro Akku ausgehen. Um noch ausreichend Reserve zu haben gehe ich derzeit bei Ausflügen von einer maximalen Reichweite von zwischen 20 und 25 Kilometern aus. Mein weitester Ausflug bislang war eine Rundtour über Kelkheim, Lorsbach, Langenhain, Diedenbergen und die Weilbacher Kiesgruben über Kriftel und Liederbach zurück nach Sulzbach, bei der ich auf die letzten Ampere wieder ankam. Da hatte ich mehr erwartet. Ein Helmfach wäre wirklich toll - praktisch ist es nicht so schlimm wie erwartet, weil bei vielen Einkäufen lasse ich den Helm einfach am Roller. Und wenn ich länger unterwegs bin nehme ich ihn halt mit. Es ist halt lästig und ein Top-Case könnte dort einfach helfen.


in Griesheim


an der Nidda

Fiat 500 in Frankfurt

Für den Alltag hat sich der Roller erwartungsgemäß als vollkommen tauglich erwiesen. Die kleineren Strecken im Ort und in die Nachbarorte sind problemlos zu bewältigen, Einkaufen kein Problem - selbst die berühmte Packung Klopapier läßt sich problemlos transportieren, so daß ich das Auto im Alltag vor allem als Bierkutsche brauche. Auch das hatte ich erwartet. Die Distanz, bei der es anfängt, lieber ein Auto für einen Aufflug zu benutzen ist nur leider deutlich geringer als erwartet (Erwartung wären Distanzen bis Friedberg/BadNauheim oder Selters, Wiesbaden und Mainz waren fest geplant).
Ein weiteres Problem stellt die stark am Auto orientierte Verkehrsführung dar. Besonders krass wird das am Weg in die Nachbarschaft deutlich, nach Unterliederbach, bereits im Stadtgebiet Frankfurts. Knapp 3 Kilometer sind es zu Fuß oder mit dem Fahrrad, doch mit einem Elektroroller ändert sich die Entfernung auf 8 Kilometer. Grund sind die unvermittelt auftauchenden Autostraßen, die mit einem Roller nicht befahren werden dürfen. Fahrradwege dürfen in Deutschland eigentlich auch nicht von einem Roller benutzt werden, so daß man eine maximale Minimierung der erlaubten Straßen hat. Weiterhin ist sehr problematisch, daß sich die Art der Straße nicht anhand der Beschilderung erkennen läßt. Das hat mich hier und da nun quasi dazu gezwungen, die deutlich besser beschilderten Radwege zu benutzen. Sehr hilfreich ist eigentlich Naviki, wo die Einstellung als S-Pedelec die erlaubten Strecken ziemlich zuverlässig listet. Am besten nutzt man es wohl in Verbindung mit der App, da man sich sonst doch schnell wieder verfranzt, wie ich nun im Stadtgebiet Frankfurt leidvoll feststellen mußte. Wobei leidvoll es nicht ganz trifft, da ich die sich daraus ergebenden neuen Strecken udn Ansichten in Verbindung mit dem sich leerenden Akku bis jetzt als Abenteuer wahrnehme und in der eigentlich sehr vertrauten Umgebung immer wieder Neues entdecke. Natürlich hat sich auch sehr viel geändert in den Jahren, in denen ich in der Schweiz war.
Für den Sommer habe ich jedenfalls nach der Orientierungsphase im Frühling sehr viele unterschiedliche Ziele in Planung. Innerhalb des Taunus (Niedernhausen, Idstein, Schmitten, Neu-Anspach, Bad Homburg und Bad Vilbel)  gibt es wunderschöne Strecken mit dem Roller zu entdecken, bei denen ich aber noch oft das Gefühl habe, dort könnte ich Verkehrshindernis sein. Evtl. weiche ich dort auf Radwege aus wenn es mir zu gefährlich wird. In Richtung Wiesbaden dürften Flörsheim und Hochheim noch gut erreichbar sein - sehr schade ist, daß Wiesbaden und Mainz außer der Reichweite sind. Dafür ist das Stadtgebiet Frankfurt (und vielleicht sogar Offenbach) mit seinen endlosen Möglichkeiten zu erforschen.

Tags: lautenistenleben, rollern, thomas chaos
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