lautenist (lautenist) wrote,
lautenist
lautenist

Kreisverkehr am Dalles

Das Problem ist schon sehr alt. Im Grunde genommen liegen die Wurzeln im Unabhängigkeitskampf der Gemeinde während der 70er Jahre. Diesen Kampf gewann man gegen die Zusicherung eines starken Bevölkerungswachstums. Tatsächlich war abzusehen, daß der Raum um Frankfurt herum mehr Menschen anziehen würde. Pläne wurden geschmiedet und ein großes Neubaugebiet (Haindell) entstand. Dazu Gewerbeflächen. Alles noch verkehrstechnisch schlau an der alten B8 (Königsteiner Straße. L3266) gelegen. Schlau bedeutet hier natürlich die Sulzbacher Sicht. Denn nicht nur Sulzbach wuchs, auch die Vortaunus- und Taunusgemeinden wuchsen und nachdem glücklicherweise die Taunus-Autobahn abgewehrt wurde, konzentrierte sich der tägliche Pendlerverkehr in unserer Umgebung auf die alte und neue B8.
Es gibt sehr viele  Beispiele und Gegebenheiten, die im Wesentlichen aber immer darauf hinauslaufen, daß die Infrastruktur, die in den 50er und 60er Jahren entstanden ist dem Verkehrsaufkommen nicht gewachsen ist. Typisch auch die in den 60ern entstandene S-Bahn-Anbindung über die S3, die erwähnenswert ist, da sie auch heute noch eine wichtige Komponente in dem die Gemeinde umgebenden Verkehrsgebilde aus alter B8, Limesspange und A66 ist. Diese Infrastruktur genügte bis in die 80er Jahre hinein. Dann kam sie langsam an ihre Grenzen. Die Menge an Verkehr, die darüber abfließen soll stieg aber immer weiter an und tut das immer noch. Immer mehr neue Wohngebiete entstehen, auch wenn die Infrastruktur schon lange nicht mehr in der Lage ist, die neue Bevölkerung aufzunehmen. Und das nicht nur im Bereich Verkehr: Krankenhäuser sind zu klein, wenn überhaupt vorhanden, Schulen marode oder nicht vorhanden, Einkaufsmöglichkeiten vor Ort sind generell am Verschwinden. Die ganze Region teilt sich in Arbeitszentren und Schlafstätte. Der Bereich von Rentnern, Schülern und Studenten und Kranken, sowie den nicht abhängig Beschäftigten (Landwirten oder Jandwerksbetrieben) wird seit Jahrzehnten vernachlässigt. Damit sinkt die Lebensqualität für alle.
Die vorhandene Infrastruktur ist meist 40 bis 60 Jahre alt und dringend sanierungsbedürftig. Bei Straßen und Bahn werden die nowendigen Maßnahmen verschleppt, da der für die Renovierung notwendige Ausfall zu einem Kollaps führen würde.


Das sei nur erwähnt, um das Umfeld zu umreißen, in dem sich Infrastrukturprojekte im Ort bewegen. Natürlich werden sich die üblichen Verdächtigen auf Detailfragen stürzen und versuchen, meine Beschreibung dahingehend zu entkräften. Das ist beliebte Strategie, weil sie ermüdet und dadurch, daß man vom Problem ablenkt, Erfolg verspricht.

Nun ist der Dorfmittelpunkt, der Dalles, seit langem Thema, weil er optisch sehr verloren hat, seitdem Taunus und Schützenhof verschwunden sind.  Die Gaststätte im Bürgerhaus konnte nie die soziale Rolle übernehmen. Dem trauern viele alte Sulzbacher nach (ich auch). Daran ist nun leider aber nichts mehr zu ändern. Was allerdings Thema ist, ist eine Belebung des Dorfmittelpunktes. Hier gibt es gute Ansätze durch Geschäfte und Gastronomie, die sich in diesem Bereich angesiedelt haben. Etwas überrascht war ich, daß man nun plant, die Ampel der dortigen Kreuzung in einen Kreisverkehr umzuwandeln. Was erhofft man sich davon? Weniger Verkehr? Mehr Sicherheit? Auch wenn es einige nicht gerne hören fließt der Verkehr nach Sulzbach hinein über Bahn-, Haupt- und Schwalbacher Straße. Von dort verteilt er sich in die Wohngebiete. Diese 3 Straßen treffen sich am Dalles, was ihn zu einem neuralgischen Punkt macht. In einem Kreisverkehr hat der Vorrang, der sich darin befindet. Das dürfte bedeuten, daß der Verkehr aus Richtung Bahnstraße in Richtung Schwalbacher Straße bevorzugt wird, während der aus der Hauptstraße oder dem Platz an der Linde kommende Verkehr benachteiligt wird. Die Mitarbeiter von Procter&Gamble wird es freuen. Eine Notwendigkeit der Umstellung der Verkehrsregelung kann ich nicht sehen, also soll es wohl gestalterische Gründe haben?
Egal wie: Für eine Entflechtung des Verkehrs sowie einer Beruhigung des Verkehrs im Ortsmittelpunkt wiederhole ich gerne meine Anregung aus den 80er/90ern, Kreisel an der Kreuzung Neugartenstraße/Schwalbacher Straße sowie entweder an der katholischen Kirche oder an der Wiesenstraße einzurichten und den Bereich Dallen von dem Rathaus bis zum ReWe bzw ab etwa Casa Flair (gewesener Blumen Hardt) oder Metzgerei Weber verkehrsberuhigt zur Fußgängerzone weiterzuentwickeln. Das erlaubt den Pendlern weiterhin, ihre Wohnungen wie bisher zu erreichen und macht den Ort für Durchgangsverkehr weiter unattraktiv. Gleichzeitig wird der Dalles aufgewertet, wovon insbesondere Läden und Gastronomie profitieren können.

Als Ausblick: wie sollte sich die Gemeinde positionieren zwischen der Aufforderung, weitere Wohngebiete auszuweisen und der Notwendigkeit, Lebensqualität für die hier bereits lebenden Menschen zu erhalten und zu erhöhen.

Tags: gedanken, lautenistenleben, lokales, meinung, thomas mental chaos
Subscribe

Posts from This Journal “lokales” Tag

  • Bürgermeisterwahl

    Bei uns wird Anfang November der Bürgermeister neu gewählt. Eigentlich ein No-Brainer: die Verwaltung scheint zu laufen und auch sonst habe ich…

  • Wiesbadener Juristenband beim Jazz am Palais

    50 Jahre gibt es sie bereits. Und es spielen immerhin noch zwei Gründungsmitglieder mit. Gut klingen tun sie auch. Ein toller…

  • Endlich mal wieder ...

    ... konnte ich einen ausgiebigen Spaziergang machen. Weil ich der Wettervorhersage nicht traute bin ich auf das nächste Ziel gegangen, welches nicht…

  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 0 comments