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Gelesen: Steam Pig von James McClure

Inzwischen kann man sich hierzulande gar nicht mehr vorstellen, daß es einmal eine Welt gab, in der man Menschen in Rassen einteilte. Das oft kritisierte System der Apartheit in Südafrika ist in diesem Krimi der Serie um den Ermittler Tromp Kramer zusammen mit Dem Bantu Michael Zondi nicht nur Hintergrund, sondern die Absurditäten des Systems machen den zugrunde liegenden Kriminalfall erst möglich. Sehr clever konstruiert wie alle Fälle des Ermittlerduos und mit viel, oft schwarzem Humor liest sich das Buch sehr flüssig und bietet großes Lesevergnügen.
Wer sich an Ausdrücken wie Kaffer, Bantu, Boy etc. stört, hat natürlich wenig Freude an diesem Buch. Ich finde dagegen, der Unsinn der Sprachpolizisten wird anhand solcher Geschichten deutlich.
Schon alleine, daß die Buren (die niederländschstämmigen) sich Afrikaner nennen (ihre Variante des Niederländischen nennen sie auch Africaans) und die Mikrostruktur der südafrikanischen Gesellschaft dort nochmal deutlich unterschied zwischen den Buren, den Engländern und den Kaffern/Zulus (die nicht mehr weiter ausdifferenziert werden) als unterster gesellschaftlicher Schicht ist bemerkenswert.

[Edit: unter den Kaffern gab es noch die Curryfresser, also die indischstämmigen Südafrikaner, auf die sogar die Schwarzen hinab blickten]

Als Jugendlicher habe ich diese Zeit noch mitbekommen, natürlich nur aus dem weit entfernten Europa. Damals war das südafrikanische Regime ein Stachel in meiner aus jugendlichem Leichtsinn geborenen Überzeugung von der moralischen Überlegenheit des Westens: Wie kann ein System von der ganzen Welt verurteilt werden und ist, trotz umfangreichen Boykotts Deutschlands größter Handelspartner in Afrika? Ich habe später dann gelernt, daß solche Boykotte von der Wirtschaft bequem umgangen werden können. Sie verteuern hier und da die Produkte dadurch, daß etwas mehr Aufwand betrieben werden muß. Aber das war es auch schon. Auch der damals noch hier allgegenwärtige Rassismus drückte sich aus darin, daß man gerne auf den Wohlstand in Südafrika verwies, um zu zeigen, daß es die Schwarzen nicht ohne Anleitung durch die Weißen schaffen konnten. Daß die Ursachen nicht in der Überlegenheit der Weißen lag sondern in Zugang zu Bildung und Posten sowie massiver Stützung des Regimes durch USA und Europa - das wußte man zwar, aber "soll man das den Kommunisten überlassen?".

Der Krimi politisiert nun gar nicht, sondern beschreibt einen Fall in dem Umfeld dieses Systems. Sprachlich passieren viele Fehler, die bei einem vernünftigen Lektorat nicht passieren sollten, die wahrscheinlich aus einer nachlässigen Übersetzung (oder mangelhaftem Deutsch der Übersetzerin Sigrid Gent) rühren haben mich das ein oder andere Mal stocken lassen. Das ist besonders bedauerlich, weil es sich um eine revidierte Neuauflage der Erstausgabe von 1975 handelt (die englische Fassung erschien bereits 1971).

Daß dieses Buch dennoch eine klare Leseempfehlung meinerseits erhält liegt daran, daß die Übersetzungsschwächen den Lesefluß nicht sonderlich stören und die Geschichte einfach nur genial konstruiert ist.

Tags: buch, lautenistenleben, memories
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