lautenist (lautenist) wrote,
lautenist
lautenist

Alter Friedhof Sulzbach

Kaum beachtet plant die Gemeinde, den Alten Friedhof einzuebnen. So genau wissen, was man mit dem Gelände machen will, weiß die Gemeinde nicht. Ein Park? Damit wird eine weitere Stätte der Kindheit verschwinden. Eine Zeitlang hatte ich den Eindruck, die Lokalpolitiker hätten verstanden, daß die Einwohner des Reichsdorfes die wenigen Reste Geschichte, die nach Krieg und den Sünden der 70er noch vorhanden blieben erhalten werden sollen. Die meisten alten Sulzbacher hängen heute noch wehmütig der alten Schule, der Post, den Gaststätten am Dalles, der Bäckerei Wagner (später Zitzmann) und vielen anderen Details nach. Ich selbst finde es sogar traurig, daß der Rudolphshof einem Parkplatz weichen mußte (den ich allerdings trotzdem gerne nutze - die Parkplatzsituation im Ort ist eine Katastrophe. Aber wenn ich versuche, Lokalpolitik und Infrastruktur anzusprechen wird der Post zu lang) Wenn man ihnen etwas wegnehmen will wie kürzlich die als Bürgerhaus vor der Modernisierungswut gerettete Alte Schule kommt Widerstand auf.
Der Alte Friedhof hat nun keine große Lobby. Kaum jemand hat dort noch Verwandte liegen, die er persönlich kannte. Ich fand zwar meinen Urgroßvater (zumindest der Name stimmt), kannte ihn aber nicht mehr persönlich, nur von einem Foto im Arbeitszimmer meines Vaters. Als gruselige Stätte für Geschichten aus der frühen Kindheit habe ich eine Verbindung dazu. Doch wird kaum jemand wegen solcher Geschichten einen Aufstand im Dorf proben. Trotzdem glaube ich, die alte Politikergeneration, so sehr ich über sie gelästert habe, hätte unausgesprochen solche sentimentalen Stätten nicht angefaßt. Einige hatten im Vertrauen (und einigen Bierchen/Äpplern) eingestanden, daß die Abrisse der 70er ein Fehler waren. Und ja - sie waren ein großer Fehler, denn der Dorfmittelpunkt wurde zerstört. Damals fand man, man brauche Parkplätze und die Post sei baufällig. Warum die Gaststätten verschwanden weiß ich nicht mehr.

Jedenfalls, es ist schon eine Weile her: als ich im Lokalblättchen von den Plänen las bin ich noch einmal zum Alten Friedhof, um ein paar Fotos zu machen und die einzigartige Stimmung einzufangen.
Mir kommt die Anlage heute gepflegter vor als in meiner Kindheit - das kann aber täuschen. Ich war damals ja noch keine 10.

Fotographiert habe ich mit einer Rolleiflex und auf Agfa Copex Rapid.



Ehrenmal für die Veteranen


die Lebensdaten haben mich verwirrt. Mein Großvater hieß Heinrich. Das Grabmal für den Urgroßvater hat dagegen plausible Lebensdaten


sehr schön ist die andachtsvolle Ruhe des Ortes - schlicht, würdevoll


sie haben Respekt verdient


der kleine Park zu Kindergarten/Kirche/Alter Schule hin ist auch schön mit seinem alten Baumbestand


Die Kirche im Dorf. Die neue Linde (die alte ist, meine ich, im Krieg verbrannt) und die Alte Schule


Einer der Pläne für das Gelände ist ein Urnenfriedhof - sollte der Charakter erhalten bleiben und man respektvoll mit der Geschichte des Ortes umgehen fände ich das eine begrüßenswerte Lösung.

Tags: fotographie, lautenistenleben, lokales, meinung, memories, thomas chaos
Subscribe

Posts from This Journal “memories” Tag

  • gelesen: Schicksal von Zeruya Shalev

    Der Roman von Zeruya Shalev begründet sich teilweise in der Geschichte der Autorin, deren Vater offenbar eine Weile in der Lechi aktiv war, einer…

  • Hirschhorn — Klosterkirche Mariae Verkündigung

    Die Kirche gehörte zu einem Karmeliterkloster. welches 1803 aufgelöst wurde und wurde 1406 geweiht und liegt direkt unter dem Schloß/der Burg…

  • Hirschhorn

    Nach der Burg stand natürlich auch ein Besuch in diesem südlichsten hessischen Städtchen auf dem Programm. Das war gar nicht einmal so einfach, denn…

  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 5 comments