lautenist

Alte weiße Männer

Bin es nur ich, der sich an der Diffamierung alter, weißer Männer stört?
Im deutschsprachigen Raum sind junge, farbige (nicht-weiße) Frauen schließlich eher selten vertreten.
Das ist aber nur ein Aspekt.
Einmal ist die Diffamierung an sich problematisch. Dieser Ausdruck wird häufig als Ersatz für ein Argument gebraucht — es ist aber keines. Es ist nur eine Diffamierung, wohl gedacht als Gegenentwurf zur Diffamierung junger, farbiger Frauen. Wie gesagt: angesichts dessen, daß die Überflutung mit jungen, farbigen Frauen überschaubar ist, dürften sich für Diskriminierung schwerlich Beispiele finden lassen. Die Diffamierung aus diesen Gründen wäre mir auch neu. Mangels Masse alleine.
Auf Diffamierung lassen sich keine Argumente bauen. Jedes Argument, welches als Begründung "alte, weiße Männer" anführt muß ungültig werden. Es sei denn, man kann begründen, warum alte weiße Männer die Ursache des Problems sind. Logische Begründungen der Form "Schwäne sind weiß" sind aber heikel, da die Existenz eines nicht-weißen Schwans ausreicht, um die Prämisse falsch zu machen.
Die Aussage ist aus diesem Grund bestenfalls tauglich, einen Streit zu provozieren.  

Die Unterstellung, Alter, Rasse (was ist das eigentlich?) und Geschlecht seien a priori ein Problem.
Was ist schlimm daran, "alt" (was ist das?) zu sein? Wird man zu seinem 60. Geburtstag plötzlich böse?
Hautfarbe soll wohl für Rasse stehen und Rassendenken wird in Deutschland außer von Nazis erst wieder seit und durch diesen Spruch verbreitet. Natürlich haben Menschen verschiedene Hautfarben. Aber es gibt nur eine Rasse: Mensch. Die Hautfarbe mit Attributen zu versehen ist Rassismus. Das taugt in einem Argument rein gar nichts.
Auch wenn Feministinnen immer darauf bestehen: einen Nachweis, daß Männer böse sind haben sie noch nicht gebracht. Es ist ja auch himmelschreiender Unfug, die Hälfte der Menschheit als Grund allen Übels zu bestimmen. Aufgrund gewisser hormoneller und physischer Eigenarten soll man "böse" (oder "toxisch" oder whatever) sein? Was diese Wertung bedeutet definieren die anderen 50%. Normativ natürlich. 

Die Simplifizierung des Seins besteht hier darin, daß wir als eigentliches Problem alte, weiße Männer. Alles andere sind Ableitungen.
Ahnlich wie AfD Flüchtlinge (oder Merkel — da Merkel schuld an den Flüchtlingen ist — wie auch immer das gehen soll — ist wohl Merkel. Das aber nur am Rande) als Grundproblem für alles und jedes ausmacht werden Alter, "Rasse" und Geschlecht.

Dann finde ich noch bemerkenswert, daß alte, weiße Männer als Feind ausgemacht werden und nicht beispielsweise reiche Menschen.
Die Gesellschaft wird gespalten (geteilt) und zwar nach Alter, "Rasse" und Geschlecht.
Diese Spaltung ist weder natürlich noch inhaltlich haltbar. Sie ist künstlich und künstlich herbeigeführt und wird genauso künstlich argumentativ untermauert. Warum sollten Alte den Jungen schaden wollen? Warum Weiße Andersfarbigen? Oder warum sollten Männer Frauen schaden wollen? In Einzelfällen mag es das geben, aber ein systematisches Ansatz würde beispielsweise Reichtum eher als Motivator ansehen als Alter. Natürlich ist auch Sexualität auch ein starker Motivator — das gilt aber für Männer wie für Frauen. Jung erscheinen zu wollen kann ein starker Motivator sein, in Ableitung der Sexualität. Der Rassegedanke kann sicher Menschen mit der entsprechenden Gesinnung motivieren. Dieser Gedanke kann aber nur abgeleitet sein und muß selbst wieder eine Vereinfachung komplexerer Zusammenhänge darstellen: nennen wir sie stark vereinfacht psycho-soziale Ursachen. Das klingt alles nicht überzeugend? Finde ich auch — man kann in diese Richtung argumentieren, man kann soziale Prozesse psychologisch erklären, man kann auch die Motivation herausfinden. Dieser Beleg wird hier aber nicht gegeben sondern als gegeben vorausgesetzt.

Eigentlich sollte zuerst einmal ein Problem benannt werden, bevor man einen Feind bestimmt. Daß es einen Feind geben muß, ist auch nicht ausgemacht sondern bedarf der Begründung. Einen Feind braucht es nur, wenn ich ein Ziel habe, das in Konkurrenz zu Zielen oder Bedürfnissen einer anderen Gruppierung steht. Das zu benennen kann hilfreich sein, um die Möglichkeit der Zielerreichung einzuschätzen und Mittel und Wege festzulegen, wie man dabei vorgehen will. Der Feind ist aber in kaum einem Fall tatsächlich das Problem.


Error

default userpic

Your reply will be screened

Your IP address will be recorded 

When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.