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Wieder gesehen - Skins

Als Abendunterhaltung habe ich mir die letzten Tage mal wieder die ersten zwei Staffeln von Skins angetan.

Was diese Serie auch beim wiederholten Anschauen auszeichnet sind nicht nur die skurrilen Handlungseinfälle. Es sind vor allem die gelungen gezeichneten Charaktere, die in schräge Situationen gesetzt werden.  
Dabei handelt es sich nicht um Charaktere a la Hollywood, welches mit ein paar Strichen versucht, einen Menschen zu zeichnen, sondern es werden wirkliche Menschen gezeichnet, mit Ecken, Kanten, Stärken und Schwächen. Und obwohl sie natürlich etwas überzeichnet sind meint wahrscheinlich jeder, einen solchen Typen auch in seinem eigenen Umfeld zu kennen.
Sehr gut auch, daß es nicht die üblichen american beauties sind, die gecastet wurden. Die Darsteller sehen überwiegend normal aus.

Cassie in einem kleinen, für das Internet produzierten, Ableger:

Was macht also eine Serie zu einer guten Serie? Wie bei einem Buch auch kann es hier ganz verschiedene Kriterien geben, hinzu kommt aber das optische Element. Und wieder geht es um ästhetische Qualität — etwas, was wir zunehmend gegen Kitsch verlieren, oder?

Wenn etwas Sinnliches bewertet werden soll, egal, ob es sich um Bild, Buch, Film, Musik etc. handelt  (ich also "das gefällt mir" sage) wird die Frage, warum es gefällt, oft einfach mit "das ist doch schön" beantwortet. Was die Ästhetik daran ausmacht wäre aber, wenn nachvollziehbar begründet würde, warum es schön ist.  
Hier wird mit dem Empfinden anstelle der gefragten Bewertung einer sinnlichen Erfahrung (darum kann auch Essen oder Trinken ein ästhetisches Erlebnis sein) geantwortet. Die Empfindung hat aber nun viel mit Gewohnheit zu tun und wenig mit dem Verstand.

Wir alle tun es, selbst wenn wir bei McDonalds essen, RTL schauen und Heidis Hungerhaken schauen — wir treffen ästhetische Urteile.
Schneewalzer oder BWV 565 — kaum jemand wird bestreiten, daß Bachs Toccata und Fuge in d-Moll qualitativ höherwertig ist als der Schneewalzer. Dennoch hören viele eher den Schneewalzer (oder andere populäre Stücke. Ich wählte den Schneewalzer als Beispiel eines sehr simplen, aber auch sehr erfolgreichen Stückes) als das bessere Stück. Die Beantwortung der Frage, warum das so ist muß ich vertagen. Hier geht es zunächst nur um die Feststellung, daß wir überhaupt ästhetische Urteile fällen.  
Bei Skins, Doctor Who, Sopranos als gute Serien geht es also nicht nur um die Gefälligkeit sondern um die ihnen innewohnende ästhetische Qualität, die sie von RTL-Soaps unterscheidet. Was macht nun diese Qualität aus? Es ist nicht Schönheit! Die Übersetzung von Ästhetik mit Schönheit ist falsch — es geht um tiefe Sinneseindrücke. Und als solches geht es auch um Kultiviertheit. Ist also jemand, der Skins nicht mag, unkultiviert? Nein! Natürlich nicht. Die Bewertung von Sinneseindrücken kann individuell abweichen, aber sie muß begründet sein.
Pirsig vergleicht das in Zen  mit der unterschiedlichen Größe von Wassergläsern. Bach wäre in diesem Bild sozusagen die prall gefüllte Magnumflasche, der Schneewalzer das Schnapsglas, welches zudem noch halb leer ist. 

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