lautenist

Kopftuch

Immer wieder wird massiv behauptet, das Tragen eines Kopftuches sei ein Symbol für die Unterdrückung der Frauen in islamischen Ländern.
Diese Aussage hat mehrere Probleme:
Tragen eines Kopftuches kann Folge weiblicher Unterdrückung sein, muß es aber nicht sein. Die Faktenbehauptung ist also falsch.
Ein Kleidungsstück als Symbol taugt nur, wenn es ungewöhnlich ist, wie zum Beispiel ein Priesterkragen. Kopftücher dagegen sind nun nichts ungewöhnliches.

Egal, ob Audrey Hepburn ...
Egal, ob Audrey Hepburn ...
Marilyn Monroe,
Marilyn Monroe,
Brigitte Bardot. Kopftücher gelten als chique  und modisch, Vielleicht ist die aktuelle Zurückhaltung eher eine Folge der Assoziation mit muslimischer Unterdrückung der Frau?
Brigitte Bardot. Kopftücher gelten als chique und modisch, Vielleicht ist die aktuelle Zurückhaltung eher eine Folge der Assoziation mit muslimischer Unterdrückung der Frau?
aber natürlich wird es auch symbolisch benutzt. Als Ausdruck der Solidarität, in diesem Fall.
aber natürlich wird es auch symbolisch benutzt. Als Ausdruck der Solidarität, in diesem Fall.

Auch mir fällt es natürlich schwer, mir vorzustellen, jemand würde freiwillig eine Vollverschleierung tragen. Aber auch hier gilt meiner Auffassung nach das Primat der Freiheit: Wenn sie will, dann soll sie!
Andererseits sollte sie jede Unterstützung bekommen, die sie braucht, falls sie gezwungen wird, Kopftuch oder Schleier zu tragen.

Der Kampf gegen mit Symbolen, wie er in Bayern durch die CSU so gerne durchexerziert wird (Kreuzpflicht und Verschleierungsverbot) tut ja nichts für Christentum, abendländische Traditionen oder die Rechte der Frauen. Wenn ich eine Verschleierung verbiete erreiche ich maximal, daß die Sichtbarkeit der Unterdrückung geringer wird, nicht die Unterdrückung selbst.
Zu dem Problem, daß Aufmerksamkeit ("Awareness") zu einem Problem zu erreichen das zugrunde liegende Problem nicht bekämpft sondern meistens als Strohfeuer endet habe ich hier schon etwas geschrieben. Jacinda Ardern, die neuseeländische Präsidentin, benutzt hier das Symbol, um Solidarität auszudrücken. Das verstehen nur Menschen nicht, bei denen fest im Kopf verankert ist "Kopftuch = böse".
Nun dürfte aufgefallen sein, daß ich einmal sage, wenn Ardern das Kopftuch als Symbol nutzt ist das gut, andererseits den Kampf gegen Symbole kritisiere. Ist das nicht ein Widerspruch?
Ist es nicht, denn das Kopftuch wird mit dem Islam verbunden, wie die olympische Flamme mit den Spielen oder die Fahne mit dem jeweiligen Land. Wenn Ardern es als Zeichen der Verbundenheit benutzt wertet sie es nicht ausschließlich negativ — und das ist es, was Feministinnen ihr übel nehmen. Ein Kopftuch kann also Symbol für den Islam sein (muß es aber nicht), die Wertung ist das Problem.

Wobei es natürlich generell problematisch ist, Religionen zu bewerten. Christentum gut, Islam böse? Ist doch Quatsch! Schaue ich mir gewisse Sekten an (populär die lautstark lärmenden in den USA), dann ziehe ich einige Imane diesen Leuten vor. Wenn ich den Kindesmißbrauch durch katholische Geistliche anschaue bietet sich auch nicht grade ein Bild des Christentums, welches zu Überlegenheitsgefühlen Anlaß geben kann. 

Das Kreuz - ein Symbol für Pädophile?
Das Kreuz - ein Symbol für Pädophile?

Religionen stehen für Traditionen und Regeln: manche sind uns in Mitteleuropa nah, andere erscheinen uns befremdlich. Unsere Lebensart absolut zu setzen ist arrogant und ignoriert sowohl unsere offensichtlichen Fehler  als auch, daß unsere Lebensart vielleicht viele weniger offensichtliche Makel hat (Einsamkeit, Verbrauch von Ressourcen, YOLO, Kommerzialisierung jedes Lebensbereiches etc.)

tl;dr: Religionen sind das Problem und viele Feministinnen sind mehr in Religionen als der Wissenschaft verhaftet


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