lautenist

Rückblick 2018

 

Langsam neigt sich 2018 dem Ende entgegen - Zeit für einen Rückblick. Da wir hier Seelenstriptease betreiben und der Reiz des Ganzen hier darin besteht, sein Privatestes von Innen nach Außen zu kehren natürlich exklusiv aus meiner ganz persönlichen Sicht. 

Gesellschaftlich fand ich es sehr frustrierend, daß die Welt weiter segregiert wird. Es werden immer mehr Unterschiede betont und die Vereinzelung schreitet voran. Dabei wird immer mehr eine Art Feindschaft generiert, die inhaltlich nicht abzuleiten ist. Männer gegen Frauen, Nationen gegeneinander, Religionen gegeneinander, sogar einzelne Regionen grenzen sich ab. Dabei werden Begriffe wieder aus der Mottenkiste der Geschichte geholt, die schon lange passé sein sollten: Nation ist so ein  Begriff. Also im Sinne von "die Deutschen". Was macht einen Deutschen zu einem Deutschen? Die Schwachmaten von der AfD oder Pegida oder jemand wie Sarrazin argumentieren sogar streng völkisch, weswegen sie von mir etwas übertrieben und provozierend Nazis genannt werden, da deren Volksbegriff ohne den Begriff einer irgendwie gearteten "deutschen Rasse" gar nicht denkbar ist. Diese Rasse gibt es aber nicht. Genauso wenig wie die Zugehörigkeit zu einer Religion irgend etwas mit Rasse oder Nation zu tun hat. Diese ganze Argumentation dient nur dazu, ein "Wir gegen die Anderen" zu erzeugen. Dummerweise fällt mir spontan als parallele nur ein, wie das bei der SS gemacht wurde. Das gleiche machen die Gender-Mädels, die von Geschlechtergerechtigkeit faseln, aber tatsächlich eine neue Art der Diskriminierung aufbauen. Statt wirklicher Emanzipation, statt gleicher Möglichkeiten und Wahlfreiheit wird tatsächlich eine Bevorzugung per Dekret angestrebt, Verstöße gegen gutes Benehmen wird mit Straftaten gleichgesetzt und dadurch  werden Grenzen verwischt. Gar nicht mehr witzig finde ich aber, wenn Sprache in orwell'scher Manier zur Manipulation genutzt wird. Wenn Begriffe geächtet werden statt deren Inhalte; oder die  Sprachregelungen durchgesetzt werden, die Zensur gleichkommen ("Neger"); wenn Liebesgedichte als sexuell aggressiv fehlinterpretiert werden und darum Kunst eingeschränkt wird. Dann wendet sich die offene Gesellschaft gegen sich selbst. 

Die Gesellschaft kommt mir wie sediert vor. Wahrscheinlich war sie das auch schon in meiner Jugend, doch zunehmend kommt es mir vor, als würde eine Minderheit Pseudointellekteller den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen, der auf politischer Ebene gar nicht mehr stattfindet. 

Politisch war 2018 weitgehend von Stillstand geprägt. Die Regierungsbildung in Deutschland war dort symptomatisch. In der Schweiz war ich in der Regel mit dem Stimmvolk sehr zufrieden. Vor allem die gegen den SRF gerichtete Initiative hat mich beschäftigt und mit und durch diese Beschäftigung wurde mir klar, wie wichtig die Öffentlich-Rechtlichen grade in der heutigen Zeit sind. Man versinkt sonst sehr leicht in der eigenen Blase. Und gut informiert zu sein ist Voraussetzung eine qualifizierte Wahlentscheidung treffen zu können. Ob die Briten sich für den Brexit entschieden hätten, wenn die Murdoch-Presse nicht so sehr dafür geschrieben hätte? Man weiß es nicht — die Amis nutzen eine ähnliche Argumentation aber gerne als Entschuldigung dafür, daß Trump zum Prädidenten gewählt wurde. Wie zu erwarten war ist der Orangene politisch dominierend. Den Effekt, daß Europa sich langsam aus der selbstgewählten Bindung an die USA löst finde ich sehr gut. Die USA waren nie ein Hort der Menschenrechte und des Friedens. Lange boten sie immerhin ungeahnte Freiheiten und der American Way of Life konnte zumindest gute Anregungen bieten, sein Leben zu gestalten. Doch auch diese Zeiten sind lange vorbei.
Die Verteufelung Russlands dagegen ist ein Witz. Lange konnte man sich über die Briten amüsieren, die ganz offensichtlich Beweise für einen russischen Mordversuch an einem gewesenen Doppelagenten erfanden. Daß im gewesenen Ostblock Vorbehalte gegen Russland existieren ist verständlich. Das wird auch dadurch unterstützt, daß Putins Herrschaft durchaus autokratische Züge hat. Dennoch sollte uns daran gelegen sein, mit den Nachbarn im Osten ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. "Wandel durch Annäherung" ist auch heute noch eine Option, oder?

Das Menschheitsthema der Klima- und Umweltpolitik wird sträflich vernachlässigt. Die Amis haben sich gleich ganz aus der gemeinsamen Politik verabschiedet und sich auch in diesem Bereich aus der Gemeinschaft der Menschheit ausgeschlossen. Das ist besonders dramatisch, weil grade die USA zu den großen Verschmutzern gehören. Die Politik der EU, wie auch der US-Amerikaner ist auf Abgrenzung ausgelegt. Der westliche Kapitalismus kann nur durch Ausbeutung existieren. Und je mehr Wohlstand in der westlichen Welt angehäuft wird, desto mehr Armut und Elend entstehen im Rest der Welt. Durch Dürren, Kriege, vor allem auch durch US-amerikanische (Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen, Nordafrika, Südamerika ...) wird diese Not verschärft und immer mehr Menschen werden zu Flüchtlingen. Andere versuchen, am offenbaren Reichtum in Europa und den USA teilzuhaben und versuchen, den Begrenzungen ihrer Heimat zu entfliehen. Darauf reagiert der Westen wie weiland das römische Imperium: Mit Wällen und Waffen.
Natürlich nutzt die EU auch elegant, aber genauso menschenverachtend das Mittelmeer als Todesstreifen, der in wenigen Jahren bereits mehr Opfer gefordert hat als der eiserne Vorhang zwischen den beiden Deutschland Zeit seines Bestehens. Diese Abgrenzungen haben noch nie geholfen. Weder gegen Germanen, noch gegen die Hunnen  — und die Osmanen sind letztendlich auch an ihrer inneren Zerissenheit gescheitert und nicht an den Prinzen Sobieski oder Eugen. In zynischen Momenten denke ich, der Westen betreibt diesen Aufwand nur, um seinen Reichtum zu bewahren, bevor es, wie weiland Atlantis, in den Fluten versinkt (-> "Erik, der Wikinger"). 



Lautenistisch war dieses Jahr leider sehr wenig los. Da spielten persönliche — und auch ein bißchen gesundheitliche Entwicklungen eine Rolle. Meine Webseite wird in einigen Wochen eingestellt werden, was sich durch die Unfähigkeit des Hosters ergab, meinen bisherigen Vertrag auf die neuen Gegebenheiten anzupassen. Außerdem braucht es heute weniger Webseiten dieser Art. Es gibt inzwischen viele andere Möglichkeiten, seine Arbeit zu veröffentlichen und individuelle Webseiten werden nun mal weniger leicht gefunden als die Seiten von Lautengesellschaften oder kommerzieller oder wissenschaftlicher Organisationen.
Ich bin daran, meine Lautensammlung zu verkleinern, was im Wesentlichen meinen geänderten Lebensumständen geschuldet ist. Dazu werde ich weiterhin diverse Instrumente auf verschiedenen Kanälen anbieten. 

Persönlich hat sich grade im äußeren Umfeld viel getan. Nachdem sich bereits im letzten Jahr (also 2017) abgezeichnet hatte, daß ich irgendwann die Schweiz verlassen müsste kam es im Frühling zu einigen Ereignissen, die mir ermöglichten, bereits jetzt nach Deutschland zurück zu kehren. Nicht, daß ich unbedingt wieder zurück wollte. Man wird träge und richtet sich ein. Doch mein Rentenniveau würde in der Schweiz kaum für eine normale Miete reichen. Das würde mich sowieso dazu gezwungen haben, die Schweiz zu verlassen. Tatsächlich war es aber vor allem die Lady, die mich in der Schweiz hielt. Nun ist eine Katze allerdings etwas wenig, so daß ich die Gelegenheit ergriff und im Spätsommer/Herbst wieder nach Rhein-Main zog. Das ist auch der Grund, warum auf diesem Kanal eine Weile still war. Während des Umzugs war natürlich alles mehr oder weniger darauf fokusiert.
Das Jahr fing aber für mich im März mit Ferien an — es ging wieder in die Camargue. Ich bin jetzt noch nicht ganz durch damit, die Fotos zu sichten! Die ersten, dunklen und düsteren Monate des Jahres verbringe ich meistens etwas bedeckt. Natürlich habe ich auch dort etwas unternommen, aber die dunkle Zeit lässt weniger Optionen zu. In der Schweiz ist alles geschlossen. Wenn man dann kein Ski fährt ist man wie eingesperrt.
Die Camargue war dann wunderschön — warm, aber noch nicht heiß. Einfach toll. Obgleich die Stechmücken bereits erwacht waren und ich noch nicht mit denen gerechnet hatte. Dann kurz zurück in die Schweiz (wo ich Anfang April dann mit Schnee begrüßt wurde), bevor es dann für einen weiteren kurzen Urlaub nach Nordhessen ging. Ab in das Märchenland! Da ich dort bereits viele Fotos veröffentlicht habe kann ich das sicher hier etwas vernachlässigen. Wichtig nur, daß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal daran dachte, zurück nach Deutschland zu ziehen. Als sich das dann im Juni ziemlich spontan ergab war der Rest des Jahres vor allem dem Umzug gewidmet.
Im Großen und Ganzen lief der Umzug nicht schlecht, außer daß ich meinen Roller wohl abschreiben muß (dazu schreibe ich noch etwas getrennt. Das ist ein rechter Krimi!) und daß mein ehemaliger Vermieter mich abzocken wollte, was mich menschlich enttäuscht hat.
In der Umzugsphase hatte ich angefangen, die Zeit in der Schweiz aufzuarbeiten. Das ist prinzipiell eine gute Idee gewesen, zu dem Zeitpunkt aber noch nicht angesagt.
Ursprünglich hatte ich mir gedacht, die ersten Monate hier könne ich vor allem zum Eingewöhnen und neu Einrichten nutzen. Stellensuche könne ich dann hinterher angehen. Nun tja. Bereits in der Schweiz wurde ich von Anfragen von Headhuntern gradezu bombariert, so daß ich die ersten Wochen parallel mit Einrichten und Vorstellungsgesprächen verbrachte.
Ich habe es noch nicht einmal geschafft, mich bei allen Freunden wieder zurück zu melden. Bzw. bei den meisten habe ich das virtuell getan, aber leider praktisch noch nicht.
Noch in der Schweiz habe ich meine Freizeit in Deutschland verplant. Dabei bin ich zunächst davon ausgegangen, daß ich mir hier kein Auto zulegen würde (ich habe nun doch eins, ein ganz klitzekleines). Fahrrad und Roller könnten mich nahezu im gesamten Bereich mobil halten. Ich hoffe, das wird auch so funktionieren. Durch die ganzen Vorstellungsgespräche kam ich auch nicht so recht zur Realisierung dieses Teils meiner Planung.

Fotographisch war 2018 überraschend. Ich habe eigentlich deutlich weniger Fotoausflüge gemacht als ich geplant hatte (der Rollerdefekt hat die geplanten Abschiedsrunden tangiert) und auch hier werde ich von der Ausrüstung her etwas abspecken. Im Laufe der Zeit sammelt sich viel Ausrüstung an, die man nicht oder viel zu wenig benutzt.


Tradition haben meine Fotos des Jahres, die in einem getrennten Post geliefert werden.

Soweit und so vorläufig ein erster Jahresrückblick auf das ablaufende Jahr.


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