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Thomas

lautenist


Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


[sticky post]Meine Bearbeitungen von originalen Quellen nun auf Google Drive
Thomas
lautenist

Was ich schade fand war, daß die Dateien auf meiner Homepage nach dem Ende meiner ehemaligen Homepage Lautenist.de nicht mehr zur Verfügung standen.

Darum übertrage ich sie auf Google Drive - da kann sich die Datenkrake von mir aus austoben, da dort nichts enthalten sein wird, was für Werbezwecke mißbraucht werden kann. Als erstes hier, weil irgendwie artfremd, die Bearbeitung der Suite von Johann Michael Kühnel für Gitarre

Kühnel in G für Gitarre

Zunächst einmal liste ich in diesem Post einfach die Links zu den Ordnern. Ich hoffe, ich kann die Informationen noch etwas weiter aufbereiten und noch weitere Inhalte hinzufügen. Das kann aber natürlich noch etwas dauern.

Die Bearbeitungen von Bach finden sich hier

Aus dem fast unleserlichen Balcarres-Manuscript habe ich einige Stücke bearbeitet, die ich immer wieder gerne spiele

Für Barocklaute habe ich wohl am meisten gearbeitet.

Ein Repertoire, welches ich geliebt habe und oft gespiel ist das für Ensembles mit obligater Barocklaute. Die meisten hier sind für 13-chörige Laute, Traverso und Gambe oder Barockcello gesetzt







Eine Art Gemeinschaftsproduktion war mein Satz von Oscar Chilesotti: Da un Codice (für Renaissancelaute). Da man selbst schlecht die eigenen Fehler findet habe ich mit einigen Leuten im Lute Net (einer Mailingliste, die sich der Laute gewidmet hat) zusammengearbeitet. Ich fand das sehr fruchtbar.

Die Bearbeitungen von einigen Cembalo-Sonaten von Domenico Scarlatti für Renaissancelaute findet sich hier

Andere Bearbeitungen (inklusive ein paar Ensemblestücken) für Renaissancelauten finden sich hier.

Die CD mit Barocklautenduetten kann man hier herunterladen.


Die Türkei überfällt Syrien
Thomas
lautenist
Mich nervt es ja oft, wenn man Euphemismen findet, um etwas zu beschreiben. So wird in der Presse von der Offensive der Türkei gesprochen. Das klingt entweder nach Fußball oder nach einer Aktion in einem schon bestehenden Krieg. Hier ist die Situation aber eindeutig: die Türkei ist in Syrien einmarschiert. Das genannte Kriegsziel soll wohl die Eroberung eines Streifens entlang der syrischen Grenze sein, welche offenbar von Kurden gesäubert  (die Form ist noch nicht klar - sicher gewaltsam) und mit arabischen Flüchtlingen besiedelt werden soll.

Die Frage ist wahrscheinlich nicht sonderlich relevant, doch: In ihrer Not haben sich die Kurden natürlich an Syrien um Hilfe gewandt. Rein formell handelt es sich schließlich bei dem Konflikt um eine türkische Invasion Syriens. Damit könnte auch der syrische Verbündete Russland ins Spiel kommen. So sehr ich Erdogan einen Dämpfer wünsche und den Kurden Schutz und Frieden - so sehr sehe ich auch die Gefahr einer Eskalation, grade bei so einem Bekloppten wie Erdogan.
Was alles seit der unsäglichen amerikanischen Invasion des Irak in dieser Region kaputtgegangen ist kann man kaum noch beschreiben. Der westliche, vor allem amerikanische, Versuch, die verbleibenden fossilen Ressourcen im Zugriff zu haben kostete bereits Millionen Leben und ist ein ständiges Spiel mit dem Feuer.
Eine moralische Überlegenheit des Westens ist dabei nicht festzustellen, eher das Gegenteil. Und das Schicksal der Kurden belegt, was Verbündete der USA zu erwarten haben. Seit Trump werden sie sowieso eher als Vasallen denn als Verbündete angesehen. Auf eindrucksvolle Weise führt uns die Türkei vor, was durch den Zerfall der westlichen Bündnisse passiert: Aufstieg des Nationalismus, Krieg, Tod und Verderben. Kann man das wünschen? Meine Hoffnung, daß Europa den USA eine mehr als ebenbürtige Stimme gegenüber stellt ist leider nicht erfüllt worden. Das Vereinigte Königreich zerbricht, Frankreich macht sich mit Versuchen, militärische Stärke zu demonstrieren, lächerlich und Deutschland ist unter Merkel duckmäuserisch geworden. Die Staaten im Osten und Südosten der EU vertrauen noch den USA und sehen vor allem Russland als Bedrohung. Ihr Verhältnis zur EU ist nicht von einem europäischen Gedanken getragen sondern durch den Versuch, ihre nationale Souveränität gegen Russland zu sichern.
Die Zerreißprobe 2015, als man die Türkei bezahlte, um die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge aufzunehmen und Merkel sowohl Bilder ertrunkener Kinder als auch Naziaufmärsche zu ersparen wurde dadurch zwar abgewendet. Aber außer Milliardenzahlungen an die Türkei zu berappen hat sich die EU erpressbar gemacht. Wenn man das politische Personal und die aktuelle Lage anschaut ist es zum Mäusemelken. Natürlich muß man die Türkei zur Ordnung rufen. Die EU ist, leider! zu schwach dazu, die USA wollen nicht und somit bleiben Syrien (sowie eher akademisch: der Iran) und Russland. Deren Eingreifen wird die kurdische Autonomie zurückwerfen und der gequälten Bevölkerung droht neues Leid. Alle Staaten der Region werden das Verhalten sehr wohl wahrnehmen und sowohl den Verrat der USA als auch die Schwäche der EU wahrnehmen. Nun kommt es wohl darauf an, wie sich Syrien und Russland verhalten.

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Grade in den Nachrichten gelesen: der Krieg der Türken gegen Syrien/Kurdistan könnte den Bündnisfall der NATO auslösen. BITTE? Die Türkei marschiert in Syrien ein und DAS (also wenn sich Syrien, evtl. mit russischer Hilfe, wehrt) soll die Notwendigkeit kollektiver Selbstverteidigung begründen?

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Ich frage mich, wie oft sich all die Staatsoberhäupter, die nach dem 11.September 2001 dazu entschlossen, auch Terrorismus als Anlaß zur militärischen Selbstverteidigung zuzulassen, diese Entscheidung bedauert haben. Von der Invasion Afghanistans angefangen (Afghanistan hatte nichts, aber auch gar nichts mit den Terroranschlägen zu tun) bis nun zur Invasion Syriens wird das pauschal als Grund für Angriffskriege genannt. Das war noch nie glaubwürdig, die Türken überspannen nun den Bogen. Ich wäre in einem ersten Schritt für eine Verurteilung durch die UN, Rausschmiß aus der NATO und weg mit dem Assoziierungsabkommen mit der EU. Mindestens sistieren müßte man die Mitgliedschaft, bis die Türkei zu einer Politik zurückkehrt, die mit dem Völkerrecht verträglich ist. Daß weiterhin Waffen, auch aus Deutschland, an die Türkei geliefert werden ist ein Skandal


Rolleiflex: Kurpark in Bad Homburg
Thomas
lautenist

ich bin hoffnungslos mit meinen Berichten über Ausflüge und andere Unterehmungen im Rückstand. Der goldene Herbst, den wir grade genießen dürfen, verführt dazu, lieber die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, bevor die neblig-feuchte Zeit anfängt, in der man sich lieber mit einer Tasse heißem Tee und einem guten Buch einmümmelt. Ich vermute, dann werde ich auch wieder fleißiger posten und vielleicht bringt dann das Nacharbeiten ein Wiedererleben mit sich, welches dann auch ein bißchen der eingefangenen Spätsommersonne erstrahlen läßt.

Ich wollte ja vor einiger Zeit das Rolleinar testen und war zu diesem Zweck im Bad Homburger Kurpark. Die Fotos des Tests finden sich hier.
Der große Kurpark mit seinen Wiesen und seinem alten Baumbestand beherbergt aber auch noch ganz andere Schätze


Das Fürstentum Homburg fiel 1866 an Preußen, ohne anektiert werden zu müssen, da die Herrscherlinie ausstarb und das Land an Hessen-Darmstadt fiel, welches das Fürstentum an Preußen abtreten mußte. Der Dank Wilhelms an das Homburger Geschlecht hat also einen bitteren Beigeschmack.



Die olle Hygenia am Elisabethenbrunnen: Fons levat invalidos. Animum qui vertit ad artem. Emendat mores. Excolit ingenium. Gleich wie der sprudelnde Quell die Kranken erquickt und heilet, lenket zur Kunst er den Sinn, adelt er Sitten und Geist.




Bad Homburg ist seit über hundert Jahren dem Thailändischen Königshaus verbunden. Mit dem Besuch und dem Kuraufenthalt S.M. des Königs Chulalongkorn im Jahre 1907 in Homburg, damals noch Sommerresidenz des Deutschen Kaisers, wurde der Grundstein für mehr als 100 Jahre freundschaftliche Beziehungen gelegt. Im Park hat es zwei Thai-Salas (siamesische Tempel)

Viel mehr Bilder aus dem Kurpark ...Collapse )




Schldkröten
Thomas
lautenist

Ich habe, denke ich, schon länger keine Schildkröten mehr gepostet.

Die europäische Sumpfschildkröte ist eine hierzulande sehr seltene Art, die einen Schwerpunkt in Hessen hat, wo einige Restbestände überlebt haben.

Schildkröten ...Collapse )



Viel häufiger in "freier Wildbahn" anzutreffen sind ausgesetzte amerikanische Schildkröten wie diese hier


illegal aliens ...Collapse )



Ich bin großer Fan einheimischer Schildkröten und finde, hier sollten noch größere Anstrengungen zur Stützung und Erweiterung des Bestands unternommen werden


das Klimakonzept der Grünen
Thomas
lautenist

Das "Klima-Konzept" der Grünen, wenn man es so nennen kann, wird hier in der Zeit umrissen.

Immerhin haben sie den Entwurf des wissenschaftlichen Dienstes gelesen und eingearbeitet. Deutlich besser als das, was die GroKo vorgelegt hat.
Daß sie sich auf das derzeit beliebte Thema CO2 konzentrieren war zu erwarten - dabei folgen sie dem wissenschaftlichen Dienst und die Forderungen sind nachvollziehbar beschrieben. Das ist okay und wäre ein möglicher Weg.
Bei der Energiewende und der Landwirtschaft meinen sie, Vorgaben setzen zu können (also Verbote). Das ist mir als Ziel nicht schlecht, aber der Weg ist mir noch zu diffus. Auch die Formulierung der Alternativen ist eigen: wenn ich eine Ölheizung durch Pellets (Holz) ersetzen soll ist das so ähnlich wie der berühmte Soja-Diesel - alles andere als ökologisch. Da ist außer dem CO2-Preis alles noch zu wenig konkret, um es zu beurteilen. Das Zusammenspiel von Energie, Wirtschaft, Ökologie, Mobilität, Biodiversität, Agrarwirtschaft, was eigentlich die Beurteilung einer geplanten Politik erst ermöglichen würde, fehlt.
Die Rolle des Militärs wüßte ich auch mal gerne - und da die Nasen über Jahrzehnte gepennt haben müssen wir uns auch damit beschäftigen, wie wir mit Katastrophenmigration umgehen wollen bzw. die Lebensumstände in den bedrohten Gebieten so verbessern helfen, daß Flucht vor Katastrophen unwahrscheinlich wird. Und dann zum Schluß ein klares Wort zur Verteilung der Lasten und möglichen Alternativen.
Die USA als Verweigerer faktenbasierter Politik lassen es notwendig erscheinen, auch außenpolitische Elemente zu berücksichtigen. Strafzölle für Länder wie Brasilien, die Brunei oder die USA wären doch mal was, oder?
Kurze Begründung: Vernünftige Politik, die darauf zielt, die Erde bewohnbar zu erhalten erfordert Aufwand. Länder wie Brasilien und die USA verweigern diesen Aufwand und ziehen aus dieser Verweigerung Vorteile und belasten die Staatengemeinschaft dadurch unanständig. Das könnte und müßte man unterbinden

Zusammengefasst: besser als der Vorschlag der GroKo (was inzwischen jeder Grundschüler schaffen würde), aber dafür, daß dieses Thema der Kern grüner Politik sein müsste, sehr schwach und fast ohne Aussage.

Die Bundesregierung hatte ein Konzept vorgelegt - der resultierende Gesetzentwurf, der gestern vorgestellt wurde soll noch schlechter sein, wird hier
wissenschaftlich bewertet

Prof. Quaschning lehrt an der HTW Berlin Ingenieurwissenschaften und Regenerative Energiesysteme


Derzeit beherrscht mir zu sehr das Thema Kohlendioxid. Natürlich ist das einer der Kernpunkte der Katastrophe, doch bereits vor 40 Jahren wurde der Bericht "Global 2000" an den US-Präsidenten (damals Jimmy Carter) übergeben. 1980 wurde er in deutsch bei 2001 veröffentlicht. Ich verlinke hier nur mal den ersten Band und illistriere damit vielleicht einwenig, was an Problemen 1977/1978 gesehen wurde. Die Prognosen, die im Band 2 enthalten sind, sind größtenteils korrekt, doch zum damaligen Zeitpunkt rechnete man noch mit mehreren Alternativen zur Klimaentwicklung. Die globale Erwärmung war nur eine davon. Man muß auch sehen, daß einige Themen neu hinzu gekommen sind.

Worms - digitale Fotos vom heiligen Sand und aus dem Dom
Thomas
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Der älteste jüdische Friedhof Europas mit seinen uralten Gräbern und seiner faszinierenden, leicht verwildert wirkenden Anlage, den vielen Leben, die anhand der Grabsteine vor dem inneren Auge erstanden hielt mich lange gefangen. Und ich kam mir in keinster Weise morbide vor, eher war ich etwas verschämt, weil ich im Leben anderer Menschen geschnüffelt hatte.

Dieser Besuch war als Test eines fotographischen Setups aus Filmkamera zuzüglich der kleinen Olympus für drinnen gedacht. Den heiligen Sand fand ich dann aber auch in Farbe sehr beeindruckend. Außerdem wollte ich ein neues Objektiv testen. Etwas überfrachtet, ich weiß! Das digitale "best of" enthält schon 70 Fotos, die ich für diesen Post radikal weiter kürzen muß - und nun tut jedes Bild, das ich weglasse, weh.


Die Grabsteine des Rabbi Meir ben Baruch von Rothenburgs und Alexander ben Salomon Wimpfen

Heiliger Sand ...Collapse )




Der Wormser Dom erlebte 1235 die Hochzeit Friedrich II., stupor mundi genannt und Bestsellerautor mit seinem noch heute aktuellen Buch über die Falknerei mit Isabella von England und den Bruch der Kirche mit Luther 1521. Wie oft bei solchen Bauwerken ist es schwer, genau anzugeben, wann sie denn gebaut wurden, da er zwischen 1130 und 1181 auf älteren Bauwerken aus römischer und merowinger Zeit erbaut wurde. So sind die Saliergräber in der Gruft aus dem 10. und beginnenden 11.Jarhundert



Im Dom ...Collapse )






Worms - heiliger Sand auf Film
Thomas
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Inzwischen sind auch die Fotos mit der Agfa Super-Isolette aus Worms angekommen, so daß ich hier zunächst ein paar von diesen Fotos zeigen kann. Das Filmmaterial ist Rollei 80s.

Der jüdische Friedhof von Worms gilt als ältester Europas. Die ältesten Gräber sind von 1058. Besonders hervorzuheben sind die Grabstätten von Rabbi Meir von Rothenburg (gestorben 1293) und Alexander ben Salomon (gestorben 1307)


























Herbstmarkt im Hessenpark
Thomas
lautenist
Gehofft hatte ich auf schöne Herbstszenen, doch leider war es etwas trüb, so daß ich mehr Markt fotographiert habe als ich normalerweise würde ...

Der Hessenpark in der Nähe von Bad Homburg ist ein Freilichtmuseum, in dem erhaltenswerte Häuser, die an ihrem angestammten Platz weichen mußten, eine neue Heimat fanden. Außerdem sollte er, nachdem das nach dem 2.Weltkrieg entstandene Hessen ein rechtes Kunstgebilde ist, zur Bildung einer hessischen Identität beitragen. Der Verlust der eigentlichen, traditionellen Identitäten ist nun wohl auch vorhanden, aber wohl eher dem wirtschaftlichen Erfolg geschuldet als solchen Attraktionen wie Hessentag oder Hessenpark.
Ich hatte ausnahmsweise nur die kleine Olympus mit


Mehr Fotos ...Collapse )
Die Ur-Leica - wahrscheinlich unter Fotographen das bekannteste hessische Produkt




Daß ADOX auch Fotoapparate gebaut hat, wußte ich nicht. Schöne Kameras, die mit gutem Verschluß (Compur Pronto) und Objektiv (Schneider Kreuznach) ausgestattet waren. 

gelesen: homesick for another world von Ottessa Moshfegh
Thomas
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Etwas länger habe ich an dem Band mit Kurzgeschichten gelesen. Das lag nun nicht daran, daß ich die Geschichten in Englisch gelesen habe, sondern daran, daß diese Geschichten so unglaublich viel Subsanz besitzen, daß man auf mehreren Ebenen immer wieder fragen muß, warum. Warum scheint die Geschichte plötzlich abzubrechen? Warum hat Ottessa ihre Figuren so angelegt, wie sie es getan hat? Oft findet man ihre skurril gezeichneten Personen auch in abgemilderter Form in seinem Umfeld. Und oft fand ich auch Eigenschaften an mir selbst, die ihre dramatis personae auszeichnen - und oft genug quälen. Daneben gibt es so unglaublich viele wundervolle Formulierungen, an denen ich hängengeblieben bin.

There I was, spectacular and alive and the whole world was missing it.


Die Erzählstruktur ist, wie gesagt, micht ganz einfach. Dennoch lassen sich fast alle Geschichten flüssig durchlesen. Ich habe mich auf eine pro Tag beschränkt, um mir Zeit zu lassen, eine Beziehung zur Geschichte und deren Inhalt zu entwickeln. Sprachlich ist Ottessa makellos, sofern ich als Nicht-Muttersprachler dazu ein Urteil fällen kann. Die Personen, die Geschichte und Sprache passen gut. Die Autorin ist ein sehr gute Beobachterin der Welt, die sie mit rabenschwarzem, aber feinem Humor, wenn auch nicht vorführt - es endet nie im Klamauk! - so doch präsentiert. Dabei sind die Geschichten nie auf den Effekt hin angelegt (was viele sicher verwirren wird: die naheliegende Handlungsfortschreibung findet sich - von einer Ausnahme abgesehen - nie). Ich fand es ungemein erfrischend, mich überraschen zu lassen mit den immer wieder interessanten Einfällen der Autorin zu folgen und zu genießen, wie sie sie in Worte faßte.
Aus Ottessa Moshfeghs Geschichten ziehe ich auf ähnliche Weise Vergnügen, wie aus Musik von Bach: je mehr man weiß, umso mehr Vergnügen zieht man daraus. Wobei es nicht schadet, das wissen nicht zu haben, aber es schafft eine neue, zusätzliche Ebene.
Auch dieses Buch von Ottessa Moshfegh bekommt von mir eine uneingeschränkte Empfehlung. Natürlich ist diese Art Literatur nicht für jedermann geeignet - fortgeschrittene Leser können aber mit entsprechend kritischer Selbstreflexion und entsprechendem Humor sehr viel Vergnügen aus diesen Erzählungen ziehen. Ottessa Moshfegh ist meine literarische Entdeckung 2019 und zurecht gilt sie als eine der herausragenden Autoren unserer Zeit und hat den Hemingway-Preis 2016 verdient (für Eileen. Ich bin überrascht , daß ich es hier nicht erwähnt haben soll) gewonnen.

Fleischkonsum
Thomas
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Zwei Ereignisse brachten mich zu diesem Post. Einmal wurde ich in der Metzgerei von der Verkäuferin erstaunt angesprochen "und das reicht Ihnen für eine ganze Woche?" und gestern gab es in einem Bericht eine Bemerkung, der durchschnittliche Deutsche würde 60 Kilogramm Fleisch im Jahr vertilden, wenn man die Veganer und Vegetarier rausrechnen würde wären es sogar 67 kg pro Person und Jahr (im Amiland seien es über 100 kg), wobei Männer im Schnitt noch fast das doppelte verzehren als Frauen. Der Wert kam mir sehr hoch vor und darum wollte ich ihn mal gegen meinen eigenen Fleischverbrauch rechnen.

Prinzipiell versuche ich, zwei bis drei fleischlose Tage in der Woche einzulegen. Die Möglichkeiten, die wir heute in der Ernährung haben und viele tolle Rezepte, grade aus Indien, machen das sehr einfach. Anstreben tue ich, das Verhältnis noch umzukehren und den Konsum an Wurst, der bei mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland wieder recht bedeutend ist, stark zu reduzieren. Ein rein vegetarisches Leben finde ich zu anstrengend, ein veganes Leben wird leicht ungesund (außerdem ist ein Leben ohne Käse zwar möglich, doch dieses Stück vom Paradies - oder der Hölle - gönne ich mir) . Aber Tiere zum Verzehr zu töten bedarf einer Rechtfertigung und gegen die Massentierhaltung und das Abfackeln des Regenwaldes und viele andere Umweltsünden, die aufgrund des westlichen Konsumverhaltens entstehen, kann ich nicht ernsthaft sein, ohne für mich persönlich Konsequenzen zu ziehen.

Ich kaufe in der Regel für zwei Mahlzeiten beim Metzger Fleisch ein. Die Rechnung hier ist etwas hoch, weil bei mir Reste bleiben, die ich dann an meine Mutter gebe, die sich über die etwas andere Küche freut - und ich muß bei den Mengen nicht ganz so sehr aufpassen. Das sind etwa 300 - 400 g Fleisch. Dazu kommen dann pro Woche an Wurst noch etwa 200 - 250 g. Rechnen wir also mal mit 600 g Fleisch, welches ich pro Woche verzehre, so kommen wir auf knapp 32 Kilo pro Jahr. Wahrscheinlich ist es etwas mehr, weil auf der gelegentlichen Pizza ein paar Salamischeiben sind, beim Mex ist etwas Huhn dabei und wahrscheinlich gehe ich schon auch etwa 1x im Monat essen und da nehme ich gerne Sachen, die ich zuhause nicht koche, zum Beispiel also ein Rumpsteak oder ein Schnitzel. Von der Größenordnung her finde ich es beruhigend, das ich nicht über dem Schnitt liege und sogar nur knapp über den empfohlenen 30 kg/a und auch unter dem Wert von 44 kg/a (ca. 60kg/a für Männer, 30 für Frauen), der sich aus einer Befragung ergab. Ich finde meinen Wert aber immer noch zu hoch und sehe locker ein Drittel Einsparpotential.

Wir reden ja gerne davon, durch unser Konsumverhalten etwas für die Umwelt zu tun - und die Klöcknerin tarnt ihre Untätigkeit und Inkompetenz ja gerne durch ein Label und die Aufforderung an die Verbraucher, doch selbst etwas zu tun. Natürlich ist das seitens der Ministerin nur ein Mäntelchen, um überfällige Anpassungen in ihrem Ressort so lange als möglich zu verschleppen und den Geldsäcken noch eine Weile länger Zeit zu gewähren, auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit, vor allem folgender Generationen, Geld einzusacken.
Bereits die Flurbereinigungen hat der Natur großen Schaden zugefügt und aus ehedem kleinteilig strukturierten Flächen Agrarwüsten entstehen lassen. Heutzutage beschweren sich die Bauern dann über dringende ökologische Anliegen und kleine Korrekturen der Flurbereinigung wie einen angemessenen Mindestabstand zu Wasser oder Feldrandstreifen. Sehr schädlich sind zudem moderne Dünger und Insektizide und Pestizide, die ins Grundwasser gelangen und mühsam aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden müssen. Die Kosten dieser Schäden werden auf die Allgemeinheit umgelegt. Genauso bei durch die Versteppung entstehenden Schäden und die durch den Klimawandel immer offensichtlicheren Probleme im Wasserhaushalt. Wie auch in anderen Bereichen leben wir (also in diesem Fall die Landwirte) von einem Kredit mit unbekanntem, aber sicher sehr hohen Zinssatz, den unsere Kinder und Enkel bezahlen müssen und von dem nur einige Landwirte heute profitieren.
Statt nun einen vernünftigen und verträglichen Umbau jetzt und über einen längeren Zeitraum hin zu realisieren macht die Politik seit Jahrzehnten, obwohl die Probleme bekannt sind, ... nichts. Ganz im Gegenteil! Es wird aber immer dringender und die Zeit, um einen verträglichen Umbau der Landwirtschaft zu gestalten, wird immer knapper. Das Grundwasser wird schon weniger und sicher wird es nicht mehr so lange dauern, bis die Fragen nach Ursache und Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun lauter werden. Auch die Vergiftung von Böden und Grundwasser schreiten voran und haben schon ein Schadniveau erreicht, bei dem eine natürliche Heilung kaum mehr zu erwarten ist. Das bedeutet, daß von Landwirten die Zinsen ihres umweltschädigenden Wirtschaftens eingefordert werden. Natürlich schreien sie in solchen Fällen nach staatlicher Unterstützung, die von der inkompetenten Politik willig gewährt wird. Hier muss zwingend umgesteuert werden und Hilfen von nachhaltiger Bewirtschaftung abhängig gemacht werden. Wir brauchen Landwirtschaft, wir brauchen Eingriffe in die Landschaft, um uns zu ernähren. Doch was wir zur Zeit haben ist weit über das Ziel hinaus und zerstört die Möglichkeit, uns zu ernähren. Wenn man dabei im Hinterkopf behält, daß durch den Klimawandel einige jetzt noch fruchtbare Gebiete wahrscheinlich unfruchtbar werden ist ein pfleglicher und schonender Umgang mit den vorhandenen Flächen dringend notwendig. Eine ganze Reihe von Maßnahmen und eine ganze Reihe von Fragen des "Wie" sind durchaus diskussionsfähig. Aber, daß wir einen Umbau der Landwirtschaft brauchen sollte gar nicht zur Debatte stehen. Die Alternative hieße "so weiter wie bisher", also das was derzeit zur Ertragssteigerung eingesetzt wird wird in Zukunft notwendig, um Erträge überhaupt zu ermöglichen - solange, bis das Wasser verbraucht und die Böden unfruchtbar sind und kein Ertrag mehr möglich ist.
Hier kann der Verbraucher natürlich unterstützen - Problem dabei ist aber, was die Klöcknerin ignoriert: viele Menschen haben nicht die Wahl!. Dazu ist ein gewisser Wohlstand notwendig, der immer ungleichmässiger verteilt wird und der immer mehr Menschen die Möglichkeit nimmt, nach Qualitäts- und politischen Gesichtspunkten einzukaufen. Dazu kommt eine zunehmende Verdummung der Gesellschaft. Das mag hart klingen, aber Jahrzehnte einer Bildungspolitik, die auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit der ausgebildeten Menschen hin gestaltet war, hinterlassen Spuren. So gibt es heute hervorragend ausgebildete Fachkräfte, die aber ... dumm sind. Dazu kommt, daß selbst Menschen, die genug Geld haben, so erzogen wurden, möglichst billig zu leben - das berühmte "Geiz ist geil" oder, ich denke an den Audi TT vorm Aldi - "wir sparen - koste es, was es wolle".
Das klingt, als sei ich für starke Regulierungen. Das ist nun auch nicht so. Freiheit bedeutet nun mal auch die Freiheit, sich selbst zu schaden. Die Politik hat aber, als Repräsentanz einer Mehrheit, die Aufgabe, die Mehrheit zu schützen, auch vor sich selbst. Und dabei kann es notwendig sein, die Freiheit anderer einzuschränken. Ob das ein Tempolimit auf der Autobahn ist oder eben Vorgaben für die Landwirtschaft spielt dabei keine Rolle. Jede Partei oder Gruppe in der Gesellschaft zieht dort andere Grenzen, die man ausdiskutieren kann und muß. Was nicht geht, was aber heute passiert, ist - einfach nichts zu tun. Und das passiert bei nahezu jedem Problem, bei dem politisches Handeln gefragt wäre.
Ich fände natürlich, um einen ökologischen Umbau zu bewerkstelligen bräuchte es der Unterstützung: Feldrandstreifen, oder Mauern sollten großzügig gefördert werden. Pestizide, Nitratdünger und Insektizide könnte man mit einer Art Ökosteuer belegen, die sich nach der Schädlichkeit richtet. Die Einnahmen könnte man für umweltfreundliche Alternativen nutzen. Einen Ökobonus auszuzahlen sollte ebenfalls drin liegen. Andererseits sähe ich nicht ein, Agrarwüsten zu fördern oder Bauern, die sogar gegen Biodiversität arbeiten (z.B. indem sie Schutz vor Angriffen von Räubern wie Wölfen, Bären oder Füchsen verweigern). Andere Mittel, wie Glyphosat, gehören einfach verboten.

Persönliche Konsequenzen aus dem umrissenen Problemfeld sind für mich, neben Überlegungen zum ökologischen Fußabdruck (da bin ich aber recht gut dabei, vermute ich) auch einige Überlegungen zum Einkaufsverhalten und im Kontext zu einem (halbwegs) gesunden Lebensstil.
Der Anteil exotischer Lebensmittel hält sich bei mir in Grenzen. Es kann natürlich vorkommen, daß ich unachtsam bin und mir mal Früchte aus Afrika oder Asien in den Einkaufswagen kommen. Mein Kaffee und Tee als exotischste reguläre Bestandteile der Ernährung sind wenigstens fair gehandelt und die Wiederverkäufer sichern eine nachhaltige Bewirtschaftung zu. Der Transport bleibt dabei natürlich problematisch. Vor allem versuche ich lokal und mit den Jahreszeiten einzukaufen. Erdbeeren im Dezember sind tabu (außer tiefgefrorenen). Generell gilt: in den seltensten Fällen schmeckt etwas besser, weil es viel ist. Das ist in einem Single-Haushalt ein großes Thema. Auf dem Markt bekomme ich Kleinstmengen an Gemüse, oft in hoher Qualität. Oft nehme ich auch Tiefgerorenes, weil ich nicht jeden Tag auf den Markt gehe. In den kleinen Mengen entstehen weniger Reste, die ich weitergeben oder wegwerfen muß. Das macht sich auch im Geldbeutel bemerkbar. DIe Manie, billig einkaufen zu wollen, ist oft nichts als Selbsttäuschung. Natürlich ist TK-Gemüse in der Produktion energieintensiver als frische Ware. Auch das will berücksichtigt sein. Für gesunde Ernährung sollte man das sogenannte conveniant food meiden. Die TK-Pizza oder das Fertiggricht aus dem Tiefkühler sind manchmal praktisch, aber nicht empfehlenswert. Food facts und andere Infos auf der Verpackung sollte man kritisch lesen. Viele Details kann man als Täuschung abtun. Nachdem die Klöcknerin nun den (zu dem freiwilligen) Nutri-Score vorgestellt hat könnte man den Eindruck bekommen, man bekomme einen objektiven Hinweis aus die Gesundheit des eingekauften Produkts. Das stimmt so natürlich nicht. Denn in diesen Labels, die die Klöcknerin so liebt, werden einzelne Parameter ausgewertet, gewichtet, zusammengefasst und bewertet. Die zugrunde liegenden Annahmen sind schon nicht ganz unumstritten, die Folgen sind aber auch absehbar - wie auch der ADAC-Crashtest dazu geführt hat, daß Autos gegen diesen Test konstruiert wurden und nicht nach unabhängig von dem Test festgestellten Sicherheitsaspekten, wird irgendein Label nur dazu führen, daß die Produzenten versuchen, in dieser Skala gut abzuschneiden. Kurz: Vorsicht vor Benchmarks! Natürlich kann das einen Anhaltspunkt geben, aber: solche Labels schreiben einen Standard fest, den zu entwickeln dann schwierig wird. Und, wie auch FSC oder MSC-Siegel, sind sie oft irreführend. Dazu kommt, daß die Werbeindustrie solche Labels für sich entdeckt hat und ihren scheinbar objektiven Charakter für sich auszunutzen versteht. So werden wir von Labels gradezu überflutet. Solche Labels braucht man nicht zu ignorieren, aber bei jedem Label, bei dem man die Kriterien nicht kennt, ist größte Vorsicht angebracht. Darum: Lokal einkaufen ist zu bevorzugen. Wenn das nicht geht, dann gibt es einige Label, denen ich (nach Prüfung) ein eingeschränktes Vertrauen schenke (demeter, Bioland, fairtrade - das 6-eckige EU-Bio-Siegel nehme ich als Zeichen, daß Mindeststandards eingehalten werden). Dabei gilt trotzdem: nur selber denken ist schlau. Wenn ein Produkt beispielsweise Unmengen an Palmöl enthält kann es trotz Bio-Siegel etc. für mich unakzeptabel sein. Da sind die individuellen Vorlieben sicher sehr breit gestreut.

Zusammengefaßt: Auch als Fleischfresser kann man versuchen, seinen Beitrag zu leisten. Dabei ist das Einkaufsverhalten mit einigen wenigen Adaptionen des eigenen Verhaltens eine gute Möglichkeit, zu mehr Qualität und Genuß zu kommen, ohne sonderlich viel mehr Geld auszugeben. Das Versagen auf der politischen Ebene sollte unser Wahlverhalten stärker beeinflussen. Eine Klöcknerin mit ihrer desaströsen Politik alleine macht die CDU, genauso wie Schulzes lex lupus die SPD für mich unwählbar.