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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


[sticky post]Back again
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Und da bin ich wieder - nach längerer Pause, in der ich mich auf und über Facebook ärgerte komme ich reumütig zurück.

Facebooks Software wird immer schlechter, so dass nicht einmal Freunde von einem Eintrag zuverlässig erreicht werden. Gleichzeitig entsteht dort eine Diffamierungs- und eine Diskussionskultur, an der ich mich nicht beteiligen will, Ausserdem verschwinden mir entschieden zuviel Beiträge, die ich auch nicht priorisieren kann. Andererseits sehe ich natürlich genauso wenig die Beiträge, die mich interessieren, sondern diejenigen, die laut Facebook bevorzugt behandelt werden sollten.

Dagegen möchte ich meine Themen, die rund um


  • Memorabilen aus meinem Leben in der schönen Innerschweiz (inklusive Fotographie, mehrheitlich auf alten Filmkameras),

  • Büchern

  • Filmen

  • dem Lautenistenleben - und natürlich auch

  • gesellschaftlichen Themen, die mich auf die ein oder andere Art beschäftigen.

kreisen, auch als Erinnerungen betrachtet wissen, auf die ich unter Umständen wieder zurückkommen will. Dass ich hier nur wenige Freunde erreichen werde werde ich hoffentlich teilweise dadurch kompensieren können, dass ich die Posts auf Facebook und Google+ verlinke.

Natürlich gibt es auch die Lautenistenkatze noch! Auch die wird sicher gebührend berücksichtigt werden.


Qualität in der Ernährung
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matrixmann hat zum vorherigen Post noch einen wichtigen Punkt gebracht. Die Qualität unserer Ernährung.


Sich bewusst zu ernähren ist zum inhaltsleeren Buzz-Word verkommen. Bewusst kann man auch Scheisse fressen. Eine wichtige Motivation, meine Ernährung umzustellen war, die Qualität zu verbessern. Generell mehr Zufriedenheit und Glück in den kleinen Sachen zu suchen. Vielleicht als Antwort auf entgegengesetztes Verhalten im Umfeld, wo Leute mehr auf Statussymbole setzen, wo nach Thailand gefahren wird und man doch hauptsächlich am Strand liegt, ein Sportwagen gekauft wird, der die meiste Zeit in der Garage steht (und nach einigen Jahren doch nicht mehr viel wert ist - diesen Autofetischismus habe ich nie verstanden). Vielleicht bin ich auch etwas älter und weiser geworden und halte mich langsam selbst an das, was ich anderen schon ewig präge: Qualität ist wichtig. Ein guter Käse, ein guter Wein - ein Ausflug in die "Sommerfrische" statt Braten am Strand. Wie die Monotones es in den 80ern eher witzig brachten: "St. Tropez am Baggersee"

Die Qualität der Lebensmittel ist inzwischen insofern besser geworden, als dass Du inzwischen gute Sachen selbst im Supermarkt kaufen kannst. Früher musste man dazu zum Bauern direkt gehen. Damals gab es auch noch Hofschlachtungen und so Sachen und man bekam eine grosse Palette an Lebensmitteln vom Produzenten. Das ist hier noch so ähnlich. Inwieweit man den einzelnen Bio-Labels trauen kann ist allerdings diskutabel. Prinzipiell aber erstmal gut, dass es sie gibt und die Vergabe auch kritisch überprüft wird. Das ist ihr Sinn und Zweck. Für Frischfisch beispielsweise ist MSC üblich und beliebt, bleibt aber nicht ohne Kritik (vor allem von Greenpeace). Man sollte sich also auch mit dem Inhalt beschäftigen und dabei nicht einfach den Kriterien glauben sondern auch fragen, was sie bedeuten (also zum Beispiel, wenn von "Nachhaltigkeit der Fischbestände" gesprochen wird: "Wie wird das gewährleistet?" fragen. Kann das überhaupt gewährleistet werden). Ob man das dann in seine Kaufentscheidung einfliessen lässt, es vielleicht sogar zum KO-Kriterium erhebt ist noch eine weitere Frage.
Auch wenn es hier mit "Naturaplan" eine Biomarke einer Handelskette gibt (Coop) - ich schaue trotzdem von Zeit zu Zeit, ob sie den guten Ruf noch verdient. Generell vertrauenswürdig hat sich bislang Bio Suisse erwiesen (was händlerunabhängig vergeben wird und damit auch einen Preisvergleich ermöglicht).
Generell aber versuche ich, lokal produzierte Produkte zu kaufen. Ich hatte mal grob überschlagen, wie gross der Preisunterschied in meinem Fall ist - und er ist vernachlässigbar (maximal zwischen 30 und 50 Franken pro Monat). Dabei ist noch nicht mal berücksichtigt, dass ich im lokalen Lädchen die 2 Kartoffeln kaufen kann, die ich brauche und nicht gleich nen Sack mit 1 oder 2 Kilo.
Also zusammengefasst: Nach Möglichkeit wird lokal gekauft. Was nicht lokal produziert wird  - da schaue ich nach dem "Bio Suisse"-Label oder "Naturaplan" (wenn ich im Coop einkaufe)



Dass ich ziemlich auf dem Land lebe erleichtert natürlich die Entscheidung, lokal einzukaufen.



Als ich im HR eine Sendung über lokal produzierte Kräuter für die berühmte Frankfurter Grüne Sosse sah und dort, wie die Autos an dem Feld mit den Kräutern vorbeirauschten kamen mir sicher keine Gedanken an Qualität - und doch finde ich, diese Kräuter sind den steril aussehenden aus dem Supermarkt, die in Israel oder sonstwo produziert werden vorzuziehen:
Sie sind ökologisch in der Regel vorzuziehen, weil sie weniger Transporte hinter sich haben und darum für die Produktion weniger Energie verbraten wurde, der lokale Handel und die lokalen Bauern werden unterstützt (so viel teurer sind sie nicht!) und sie begünstigen saisonale Küche - es schmeckt einfach alles besser.

Daraus muss man nun keine Ideologie machen - für den Single-Lautenisten-Haushalt ist diese Art, Lebensmittel zu kaufen die richtige. Und vielleicht sieht der ein oder andere ja auch mal bei einem Hofladen vorbei und ist positiv überrascht über Auswahl und Preise - und sicher überzeugt die Qualität!

Was nun das Einkaufen in Bio-Qualität anbelangt bin ich einerseits froh, dass es diese Produkte gibt.und sie werden von mir bevorzugt gekauft. Dabei sollte man hinterfragen, was diese Labels bedeuten. "Bio Suisse" und "Naturaplan" machen bislang einen sehr guten Eindruck und wirken auf mich eher kaufentscheidend als teure Werbung.


Singledasein, Entzugspfunde loswerden ... was gibt es zum Frühstück?
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Nachdem ich auf meine alten Tage mit dem Rauchen aufgehört habe ging, wie das nun mal so ist, mein Gewicht nach oben und hat dabei eine selbstgesetzte Grenze überschritten. Wahrscheinlich war die schon länger überschritten, doch hatte ich mein Gewicht immer nur beim Heimatbesuch gemessen und die Waage dort ging wohl nach dem Mond.
Die Erfolge sind ganz okay, auch wenn ich noch weit vom Ziel entfernt bin. Aber generell dachte ich mir, vielleicht interessieren den ein oder anderen die wunderprächtigen Rezepte, mit denen ich mich durch mein einsames Singleleben schlage. Problematisch am Singledasein und der Ernährung kann einiges sein. In meinem Fall war es


  • Kantinenfutter - Kantinenfutter ist billig und schnell. Dafür aber auch ungesund und es schlägt an. Obwohl man nicht satt wird.

  • Schweizer Brot (fast alles aus Backmischungen und fast alles aus Hefe produziert. Man wird nicht satt von dem Zeug)

  • Gipfeli (für die Nicht-Schweizer: die schweizer Variante von Croissants)

  • entzugsbedingte Abend-Futtereien (mal hier ein Stückchen Käse, da was Süsses)

  • zu viel "Fast Food" - nicht mal McDs und Konsorten, sondern aus Bequemlichkeit Backoffenfritten, Conveniant Food und so

  • Mengen - Einkaufen für die Singleküche ist eine Herausforderung!

  • Zeit! Abends noch Zeit mit Kochen "verplempern"?

  • Zucker - das Zeugs macht süchtig und dick

  • Bier - nein! Bier kann kein Problem sein!


Den Gedanken, die Ernährung umzustellen, hatte ich schon länger. Auch die damit verbundenen Anpassungen an der Routine. Tatsächlich ist das ja das Schwerste. Aus dem Trott ausbrechen ist nicht leicht und es kommt immer wieder dazu, dass man in diesen Trott zurückfällt, wenn man nicht wachsam ist.

Erste Massnahme, und zugleich Basis für den Erfolg war, die Kantine zu meiden. Statt in die Kantine zu gehen, nehme ich mir etwas mit und koche mir abends etwas.
Direkt nach dem Aufstehen brauche ich Kaffee - ohne geht nichts! Aber Essen kann ich direkt nach dem Aufstehen nichts. Die erste feste Nahrung gibt es bei mir gegen 11.30 Uhr. Mein Frühstück.
Ernährungsphysiologisch sind zum Frühstück Proteine besonders wertvoll. Da ich auch faul bin, es morgens auf dem Weg zur Arbeit narrensicher sein muss und ausserdem auch noch gut schmecken soll bereite ich am Abend vorher gerne Overnight Oates zu, wobei ich einfach ca. 70g Haferflocken nehme (die qualitativ besten, die ich finden kann), dazu ne Banane draufschnippele und dann mein Behältnis (Einmachglas mit Bügelverschluss, 0.5 Liter) mit weiteres Früchten, Rosinen, Nüssen - oder worauf ich sonst Lust habe - auffülle, dann Milch drüber kippe, den Behälter schliesse und das Zeugs über Nacht im Kühlschrank ziehen lasse. Im verlinkten Beitrag sind noch viele Variationen genannt. Langweilig wird das nicht so schnell!

Mit einem solchen Frühstück besorge ich mir bereits eine Grundladung an Vitaminen und Proteinen. Ausserdem sättigt das Zeugs gut und die Kantine ist damit passé.

Ab und zu will ich aber natürlich auch etwas zu beissen haben und seitdem ich ein Brot auf Sauerteigbasis und Vollkorn bei Coop gefunden habe, das zudem auch noch etwas länger haltbar ist nehme ich ab und zu ein Brot mit. Das wird dann mit Poulet- oder Trutenbrustwurst (oder was ich grade habe, aber prinzipiell ist das lecker und gesünder als die beliebte Salami) oder mit Käse und Gurke belegt - ganz traditionell die Stulle eben. Dabei nur lieber weisses Fleisch, wenn es denn schon Fleisch sein muss.

Mein angestrebtes Verhältnis zwischen Overnight Oates und Stullen ist etwa 3/2 - also an 3 Tagen Overnight Oates und an 2 Stullen. Wobei es vor allem maximal 2 Tage Stullen sein sollten.
Ganz einfach, oder?

Tatsächlich sind in so einem Brotpack etwa 10 Scheiben drin, von denen ich meistens 2 übrig behalte, Bananen bleiben selten übrig. Ihre Verwendung - da werde ich sicher etwas zu schreiben und was sonst noch für das Frühstück gebraucht wird: das gibt es nach Bedarf. Reste habe ich also kaum noch (was mich am Brot vom Bäcker extrem störte: max 3 Tage haltbar, besser nach 2 Tagen aufgebraucht haben. Für einen Singlehaushalt bedeutet das: die Hälfte wird hart oder  schimmelig. Von diesem Brot wird man kaum satt, so dass man viel mehr Brot nimmt als gut wäre ), Das Frühstück ist lecker, Zeit  für die Vorbereitung verbrate ich kaum und spare auch Müll.


Lobo über eine Regulierung von Facebook - Gedanken
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In seiner jüngsten Kolumne meint Sascha Lobo, die Besonderheit Facebooks herausstellen zu müssen und spricht sich für eine Regulation aus.
Einen Punkt macht er meiner Meinung nach, wenn er die Bedeutung von Facebook in und für Länder hervorhebt, in denen es die einzige oder wichtigste Nachrichtenquelle ist.
Wobei ich ergänzen möchte: sowohl positiv wie negativ!

Was Lobo aber verkennt ist, dass es sich um ein Unternehmen handelt, welches nationalen Gesetzen unterworfen ist. Ein Gesetz um Facebook zu regulieren müsste aber international greifen.
Ein allgemeines gesellschaftliches Problem zeigt sich nur im Fall von Facebook aber ganz deutlich: Und das ist das Problem der Werbung. Im nationalen Umfeld mag man sie noch ansatzweise kontrollieren und regulieren können. Werbung per se versucht aber, uns etwas zu verkaufen - anzudrehen. Ob das Waschmittel, ein Partner ("ich parshippe jetzt"), Zigaretten (der HB-, der Marlboro-Mann, eine Bank ("Mein Haus, Mein Auto, ...")  oder eine politische Partei sind ist dabei vollkommen unerheblich. Ja, Emotionen spielen eine Rolle - die Emoticons in Facebook geben uns die von der Werbung erwünschten Gefühle vor. Aber das ist, wie sie auf uns wirken soll. Sie soll ein Produkt mit Gefühlen verbinden. Würde Werbung den Verstand ansprechen wäre sie sinnlos, zumindest deutlich weniger effektiv. Absicht von Werbung ist aber, Produkte mit Gefühlen zu verbinden. Und die sollen in Verkäufe münden. Eine Abgrenzung von Werbung, Information und Manipulation halte ich für sehr schwierig. Das ist oft Gefühlssache und dementsprechend geht das schnell in Beliebigkeit.

Facebook bietet nun einen fast schrankenlosen Zugang, Werbung nahezu unreguliert zu verbreiten. Dazu kommt noch, dass noch über die Daten, die vom Nutzer geschnorchelt werden, Werbung sehr zielgerichtet und effektiv gestaltet werden kann. Das ist das Geschäftsmodell von Facebook und das macht die Regulierung schwer. Was soll bei Versuchen einer Regulation herauskommen? Das einzige vorstellbare könnte etwas wie ein politisches Werbeverbot sein - ähnlich dem Tittenverbot auf Seiten der Facebook-Familie. Genauso lächerlich würde das auch rauskommen. Als Gesetz formuliert müsste es, um formalen Ansprüchen zu genügen, allgemein sein. Da es ja kaum gerecht sein kann, in Zeitungen und im Fernsehen politische Werbung zu platzieren, es auf Facebook aber zu verbieten.

Ganz grundlegend geht es bei den durch Facebook verursachten Problemen um die Folgen eines Kampfes, der schon ausgefochten wurde und der verloren gegangen ist: den um die Kommerzialisierung des Internets.
Das Internet war in der Anfangszeit schon eine tolle Sache - und viele meinten, wie schön es sei, endlich mal eine friedliche Technologie zu haben! Etwas, was Menschen weltweit verbinden kann. Doch irgendwann ging es darum, wie man diese tolle Sache zu Geld machen kann. Und damit begann die Kommerzialisierung.
Nie hätte ich damals gedacht, eine auf Werbung aufgebaute Wirtschaft könne sich im Internet etablieren. Das ist doch ein vollkommen substanzloser Wirtschaftszweig! Da lag ich ziemlich daneben. Substanzlos ist er zwar, aber es wird viel Geld geschoben und Firmen wie Google und Facebook machen viel Geld. Alles, um eine um ein paar Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit zu haben, damit das bei einer Kaufentscheidung beworbene Produkt gewählt wird. Eigentlich lächerlich, wieviel Geld dafür verpulvert wird, oder?

Aber zurück zu Lobos Artikel:
Warum melden sich Leute denn bei Facebook an und warum geben sie ihre Daten preis? Der Zweck für die Nutzer ist ja, Kontakte zu halten und zu pflegen, und ja! Emotionen zu teilen. Das ist für sie das Wesentliche. Und ja! Genau hier treffen sich die Interessen der Werbenden (also der zahlenden Kunden Facebooks) mit denen der Nutzer. Aber nur im Begriff. Ein Unternehmen, das Produkte (oder "Events") verkaufen will versucht heute, die Produkte mit Emotionen zu verbinden (warum sie das tun - darüber könnte ich mich auch lange auslassen). Während ein Nutzer vermeindlich ja auch etwas tolles Erleben will, was er dann teilen kann. Der von Lobo vorgeschlagene Begriff der "sozialen Infrastruktur" verkennt dabei aber den Unterschied in der Motivation (private Nutzer wollen ein Gefühl teilen, Kommerzielle Nutzer wollen mithilfe eines Gefühls etwas verkaufen) und den krassen Unterschied zwischen dem Anbieter (Facebook), für den Werbung der Zweck des Unternehmens ist und dem Nutzer, der in Facebook entweder eine Werbeplattform sieht oder als das "Internet 2.0" - als eine Basis, um zu kommunizieren, zu spielen - das "Dorf Internet" in seinen Facetten. Nur für die Letztgenannten stehen Emotionen im Zentrum.


Marais du Viguereit
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Leider verzögert sich offenbar das Entwickeln der Filme, so dass ich von meinen Ferien nicht ganz chronologisch berichte und heute bereits einen kleinen Vorgriff mache. Mittwochs war ich, ein echtes Highlight in der Camargue besuchen, das Marais du Viguereit. Weder die Website noch sonst ist dieses Reservat besonders hervorgehoben - doch in ihm verbirgt sich die ursprüngliche Camargue. Für mich unter vielen wunderschönen Plätzen dort einer der schönsten, wenn nicht der schönste überhaupt.

Er liegt etwas ab und mehr als einmal fragte ich mich beim Fahren der Schotterpiste und wenn ich zwischen dem Ausweichen von sehr tiefen Schlaglöchern und dem Versuch, dabei nicht in die tiefen Abwasserrinnen zu rutschen Zeit fand, einen Gedanken zu fassen, ob ich wohl auf dem richtigen Weg sei? Reis und Schilf auf der einen Seite, die unvermeidlichen Pferde und Stiere auf der anderen ging es mehrere Kilometer - gefühlt in's Nichts. Hinter mir eine dicke Staubfahne - ob man sich so auch in New Mexico fühlt? Wahrscheinlich wird dort wenigstens der Rücken mehr geschont.

Angekommen war das Empfangshäuschen mit kleinem Shop im Umbau. 3 € sollte ich zahlen. Auf einen 10er konnten die Mädels aber nicht herausgeben und hätten gerne Münzen gehabt, die ich aber nicht hatte. Also haben sie gekratzt und mir mein Wechselgeld in 10- und 20-Cent-Münzen gegeben. Mein Portemonnaie wurde deutlich schwerer, ich aber nicht reicher.
Wie heute scheinbar überall üblich wird Statistik erhoben und ich sollte  Auskunft geben, woher ich käme, wie ich von dem Platz erfahren habe und so weiter - weil die Mädchen wirklich zerknirscht wegen des Problems mit dem Wechselgeld schienen (in Frankreich scheint es die Bezahlung mit Kreditkarte eher die Regel als die Ausnahme zu sein) gab ich Auskunft - sogar wahrheitsgemäss. Prinzipiell ist diese Datensammelwut einfach nur noch lästig. Das mag den Anbieter einer Dienstleistung oder Gewerbes vielleicht interessieren, aber warum erheben sie diese Daten? Um Werbung zu schalten wohl - und daran soll ich mich beteiligen?


Kaum verlässt man das Häuschen und betritt die Bretter, die den Besucher über den Sumpf führen betritt man eine andere Welt. Die allgegenwärtigen Moskitos bleiben, klar, aber es herrscht Dschungelluft; feucht, noch feuchter als sonst schon in der Camargue! Vorsichtig schiebe ich mich durch das Schilf und erkunde die Wunderwelt der ursprünglichen Camargue.
An dieser Stelle könnte ein Exkurs über den Volkscharakter der Frenchies stehen - inklusive den vermuteten Ursachen. Ich lasse es lieber - jedenfalls kann man sich vorstellen, wie sehr mich eine Gruppe munterer Franzosen (also französisch sprechender Menschen) begeisterte, die lautstark jedes Tier be-"o lala" te und ebenso lautstark jedes Tierchen dem jeweils nächsten zeigen musste. Dass die (natürlich mit dicken Bestimmungsbüchern versehene) Truppe mir die eigentlich an Besucher gewohnten Tiere vertrieb und mich zu einer Zwangspause (mit Internet, Facebook etc) trieb.
Die Stille dieser ansonsten einsamen Orte schätze ich sehr. Man kann lauschen und hört auf einer ganz anderen Ebene - man meint, das Leben selbst zu hören. Der krasseste Gegensatz zu meinem Alltag, in dem ich viel höre, mit vielen Leuten reden muss, aber immer das Gefühl habe, mit sprechenden Zombis umzugehen.
Tja - auch die glorreiche französische Luftwaffe - alles andere als dem Leben zugewandt - muss mir den Gegenpol verdeutlichen, mir die lärmige Zerstörungskraft unserer Zivilisation vorführen.

gegen

oder



Es gab eine Zeit, da setzte ich unsere moderne Welt mit Kultur gleich, damit, dass die Menschheit etwas erschaffen hat. Heute kommt es mir vor als sei die moderne Menschheit nur da, um zu zerstören. Vielleicht ist das nur ein anderer Zugang zur gleichen Problematik. Die wunderbare Kunst der Vergangenheit, die unglaublichen Fortschritte der Wissenschaften waren in ihrer Zeit sicher auch zerstörerisch.
Muss der Mensch zerstören, um etwas zu schaffen? Per aspera ad astra? Mit solchen Gedanken beschäftigt, wanderte ich sundenlang durch das Gelände und genoss all die Wunder der Natur, die sich mir hier offenbarten. Kann eine Welt schlecht sein, die solche Wunder enthält? Was (oder genauer wer) ist das Problem?

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Ganser mal wieder
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Daniele Ganser hat auch seinen letzten Lehrauftrag entzogen bekommen.
Er braucht ihn sowieso nur für sein Renommé. So kann er sich heute nicht mehr mit dem Attribut Dozent schmücken. Er lebt wohl überwiegend von Buchverkäufen und seinen gut laufenden Shows.
Natürlich bekommen seine Fans und Anhänger nun Schnappatmung und empfinden es als skandalös, dass nach ETH Zürich und der Uni Basel nun auch die Uni St. Gallen die "Arbeit" Gansers nicht anerkennt. Tatsächlich stellt er nur Fragen, einige durchaus originell. Bei der Auswahl seiner Quellen geht er äusserst selektiv und tendenziös vor, so dass die Wissenschaftlichkeit seiner Arbeitsweise anzuzweifeln ist. Inwieweit ein Erkenntnisgewinn durch seine Tätigkeiten stattfindet und ob das überhaupt beabsichtigt ist ist ebenso fraglich.
Ich gönne ihm seine Show. Die scheint er ganz gut und erfolgreich abzuziehen. Was ich nicht mag ist, wenn sich so jemand als Wissenschaftler ausgibt.
Die Reaktionen seiner Anhängerschaft sind allerdings nervend.
Und das Ergebnis dieser Umfrage


empfinde ich als sehr bedenklich.

Natürlich darf man bei den Teilnehmern einer solchen Umfrage voraussetzen, dass sie Ganser eher zugeneigt sind, aber dennoch ...


Sind Likes und Faves ...
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..  ein öffentliches Bekenntnis zu einer Sache oder Aussage?
Etwas zu Teilen bedeutet, man findet es beachtenswert?

Irgendwie schon, oder?

Die sozialen Medien machen sich hier zunutze, dass wir unsere Begeisterung für etwas gerne teilen, grade gegenüber "Freunden" - nur sind viele "Freunde" auf sozialen Medien eben nicht unsere Freunde.
Dadurch wird aus etwas, was als private Äusserung gedacht ist ein öffentliches Bekenntnis.
Dass soziale Medien diese Aussagen speichern und dazu Verwenden, uns Werbung auf dieser Basis vorzusetzen - oder diese Aussagen an jemanden verkaufen, der sie dann zu irgendetwas verwendet macht die Situation nicht besser.
Die Vorstellung, "Privacy" liesse sich in einem Medium, das per se öffentlich ist (also das Internet) herstellen, ist naiv. Die Sozialen Medien sichern uns in ihrer "Privacy Police" zu, sie würden nichts Böses mit diesen Aussagen tun - ein Versprechen. Und dabei wechselt das, was sie unter "Böse" verstehen so oft wie bei anderen die Unterwäsche. Wenn jemand also etwas dort einstellt ("Wer sieht Deine Beiträge?") vergessen die Diensteanbieter immer zu erwähnen, dass sie meine Beiträge, Likes und Faves immer sehen und auswerten. Das ist ihr Geschäft. Damit verdienen sie ihr Geld.





Frühling in der Camargue - Pont du Gau
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Ausnahmsweise verbrachte ich meine Frühlingsferien nicht zuhause. Der Schnee und das Grau waren mir in einem solchen Mass zuviel, dass ich beschloss, in den Süden zu fahren. Italien? Stunden vor dem Gotthardtunnel zu verbringen hatte ich keine Lust. Ausserdem waren die Preise in den Gegenden, die mir eingefallen waren, astronomisch. England? Ähnlich - dazu kam, dass die An- und Rückreise mehr als  2 Tage verschlingen würden, was bei einem Kurzen Urlaub arg lästig wäre. Gegenüber in der Normandie? Schon besser! Aber eigentlich auch zu kalt - warum also nicht wieder nach Südfrankreich? Also fuhr ich wieder in die Camargue, in das gleiche wunderbare Hotel, welches ich schon vor 2 Jahren im Sommer gebucht hatte.
Die Anreise verlief ereignislos - erwähnenswert ist vor allem die Kirschblüte, die entlang der Rhone wunderschöne Farbtupfer in die Landschaft gesetzt hatte. Angekommen entschuldigten sich die Hoteliers für das Wetter: es waren 17 Grad! Deutlich besser als die 0-2 Grad, bei denen ich die Schweiz verlassen hatte. Zum Abendessen ging ich, wie es üblich werden sollte, das kurze Stück (etwas mehr als einen halben Kilometer) vom Hotel in das Dörfchen Saintes Maries de la Mer, ein Touristendorf mit wunderschönen, unendlichen Sandstränden, ansonsten aber kaum erwähnenswert. Natürlich musste ich gleich ein Jungbullensteak futtern - bei den Stieren der Camargue handelt es sich um im 19.Jahrhundert importierte spanische Kampfstiere, deren Fleisch fettärmer ist als das normale Rindfleisch und generell von ziemlich hoher Qualität Lecker war es!
Am nächsten Tag begann dann mein Besuchsprogramm - und am Ende hatte ich ausser ewig vielen Fotos einen Sonnenbrand. Eingerahmt hatte ich meinen Aufenthalt mit Besuchen im Pont du Gau - was sich "ornithologischer Park" nennt. Tatsächlich sind fast alle Tiere dort allerdings wildlebend. SIe werden angefüttert und sind darum wenig scheu. So ergeben sich sehr viele Fotogelegenheiten. Natürlich habe auch ich mich an den Futterstellen herumgetrieben, war aber als einer der ersten im Park und bevor die ersten Besucher kamen bin ich in die entlegeneren Bereiche gegangen, die von den Touristenmassen nicht mehr so stark besucht werden. Generell kann man sagen: die Woche vor Ostern war der perfekte Reisetermin. Kaum Touristen bis Oster-Samstag, was viele meiner Besuche sehr aufgewertet hat.
Nicht ganz einfach ist, Bilder auszuwerten, die einen Eindruck vermitteln. Wer in der Camargue ist sollte unbedingt dort hin - ein Erlebnis!



Unter dem Cut finden sich noch ganz viele Bilder, ausnahmsweise digital geschossen - mit Click kommt Ihr auf eine grössere Ansicht. Das ist auch nur eine kleine Auswahl. Mehr Fotos finden sich auf meinem Flickr. Wenn die "echten" Fotos (also auf FIlm) ankommen, mache ich wahrscheinlich einen extra Eintrag. Film ist für die Landschaft und die Stimmung viel besser geeignet, digital macht eignet sich für sich bewegende Objekte (wie Vögel) besser.

viele Bilder, nicht nur von Flamingos ...Collapse )





Abends ging es natürlich wieder in's Städtchen zum Futtern. Ich fand eine Pizza ganz angebracht. Früher war Pizza in Frankreich kulinarisch nicht empfehlenswert, inzwischen scheint man sie wirklich geniessen zu können. Es war halt früher ein bezahlbares Essen während gutes Futter in Frankreich nahezu unbezahlbar war.


(no subject)
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Es gibt Eigenarten des Menschen, die mich immer wieder wundern Zum Beispiel
wie kommt es, dass so viele Menschen total auf Geld fixiert sind. Als seien sie besessen. Andere dagegen lässt Geld vollkommen gleichgültig.

Geld ist eine Abstraktion - wir leben in einer Welt, in der Geld Platzhalter für fast alles ist. Die Amis interpretieren ihr verfassungsmässiges Recht auf Glück sogar üblicherweise mit dem Recht, Wohlstand zu erwerben. Und wirklich wird die Gleichung von Wohlstand und Glück oft aufgemacht.

Die Werbung hilft dabei:

Etwas früher verstand man Glück anders


(Bronzino: Allegorie des Glücks)

Kein Haus, kein Auto, ...
Dieser auf Geld ausgerichtete Glücksbegriff macht, was unser System, unsere Ideologie, das Glaubens- und Wertesystem uns vorgibt: Gott Mammon zu dienen. Im Kapitalismus wird die Abstraktion zu einer Entität erhoben. Wie Jahve thront Mammon über allem. Etwas fehlt im Leben? Mammon wird es richten. Es ist aber eine einsame Religion, die diese Menschen ausüben. Sie beten einen gnadenlosen Gott an. Er fordert bedingungslose Hingabe. Freundschaft, Liebe, Musik, Malerei, Kunst, Kultur, Tradition - alles, was mit Qualität zu tun hat in dem Sinn, dass es nicht quantifizierbar ist, ist des Teufels.
In diesem Zusammenhang lässt sich wieder einmal das wunderbar "Zen and the art of otorcycle maintenance" von R.Pirsig empfehlen


Neulich so zu sexuellen Übergriffen
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Warum ich die modernen Feministinnen nicht mag?

Sie zerstören Menschenleben (klar - es sind ja nur Männer *kopfschüttel*) auf der Basis von unbewiesenen Anschuldigungen.

Auch das Aushängeschild der Deutschen Variante der Hexenjagd musste nun zurückrudern - Dieter Wedel mag ein Choleriker sein und sein Umgang mit Menschen derbe. Vielleicht ist er unsympathisch. Aber: Es finden sich keine Belege für sexuellen Missbrauch, wie die Bavaria inzwischen einräumen musste.

Auf den Prozess von James Levine gegen die New Yorker Met bin ich sehr gespannt. Das amerikanische Recht hat unter Obama die fragliche Entscheidung getroffen, in Missbrauchsfällen mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten zu dürfen/müssen. Dass das gängigen Rechtsprinzipien widerspricht ist offensichtlich, macht für mich den Fall von Levine aber spannend. Dazu kommt, dass die zentralen Missbrauchsvorwürfe sich auf Ereignisse von vor 50 Jahren beziehen. Es ist nun schwer, Vergleiche zu finden, um deutlich zu machen, wie entfernt die Vorwürfe sind - wenn die damals nach amerikanischem Verständnis jugendlichen möglichen Opfer wirklich das Drama einer Vergewaltigung erlebt haben sollten kann es durchaus sein, dass sie auch heute noch darunter leiden. Da wird ein Gericht urteilen müssen. Spannend ist es trotzdem, vor allem, da der Missbrauch auch in diesem Fall maximal in der Besetzungscouch gelegen haben soll. Also dem, was in amerikanischem Verständnis ein Deal ist.
Man muss sich ja klar machen, dass es darum geht, ob ein unmorialisches Geschäft strafbar sein kann. Und das nach 50 Jahren. Und dazu kommt das Problem des Nachweises, dass die Gegenleistung, also die Bezahlung für diesen Deal tatsächlich illegal war und stattgefunden hat.
Nur um es klarzustellen: Ich finde solche Deals eine Schweinerei. Wer seine Machtstellung ausnutzt ist ein Schwein. In den betroffenen Geschäftsfeldern (Show-Biz) scheint es allerdings üblich zu sein. Die meiner Meinung nach einzig sinnvolle Reaktion darauf wäre gewesen, den Stinkefinger zu zeigen. Als Lehre könnte man nun versuchen, Positionen und Situationen, in denen es zum Missbrauch von Macht kam zu kontrollieren. Es sollte ja schon Aufgabe der Gemeinschaft sein, Schwächere zu schützen und sie nach Möglichkeit gar nicht in die Situation kommen zu lassen, in der sie zwischen Job zum Preis sexueller Dienstleistung und dem Stinkefinger entscheiden müssen. Das erscheint mir der deutlich sinnvollere Weg als einen miesen Charakter strafbar zu machen.


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