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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


Merkwürdigkeiten
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Angebliche 15.000 IS-Kämpfer sind eine Bedrohung für die Welt, gegen die knapp 180.000 Syrische Soldaten und 220.000 Irakische Soldaten zuzüglich ca. 130.000 Kämpfern der kurdischen Peschmerga stehen und die einen schweren Stand haben sollen? Gleichzeitig sollen diese 15.000 Kämpfer ein riesiges Gebiet kontrollieren, das grösser ist als Grossbritannien? Kommt es nur mir so vor als könne da was nicht stimmen?

Die Propaganda bezüglich des Bürgerkriegs in der Ukraine läuft ebenso auf Hochtouren. Der Focus und andere Medien (unter anderem auch die Tagesschau) sprechen von einer „Invasion der Russen“ und davon, dass sich Russland nun offen in den Bürgerkrieg einmischt.
Mal ganz abgesehen davon, dass auch EU und USA sich durch finanzielle Unterstützung und Söldner aktiv beteiligen gibt es als Beleg ein paar Fotos, deren Beweiskraft ich anzweifele. Bleiben 10 Fallschirmjäger, die in der Ukraine festgesetzt wurden: Eine Invasion mit 10 Fallschirmjägern? Da sind in der Zwischenzeit schon mehr NATO-„Militärberater“ festgesetzt gewesen. Es wäre naiv anzunehmen, dass Russland seine Landsleute nicht in der ein oder anderen Form unterstützt. Russische Truppen scheinen aber (noch) nicht wirklich in die Kämpfe einzugreifen.
Ohne für die ein oder andere Seite Partei ergreifen zu wollen finde ich extrem ärgerlich, geradezu skandalös,  wie sich westlichen Medien willfährig in den Dienst der ukrainischen/US-Propaganda stellen.

Endlich ist sie fertig ....
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aus dem Presstext:
Nach monatelanger Vorbereitung ist sie nun endlich erhältlich! Die neue CD des innerschweizer Lautenisten Thomas Schall beschäftigt sich mit der feinen Musik für die Barocklaute. Einem Instrument, das in vorklassischer Zeit eine Popularität hatte, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann. Dementsprechend ist die Musik dieser Zeit für Laute unter dem Besten, was in der Epoche geschrieben wurde. Durch den Siegeszug der modernen Instrumente wurde diese Musik nahezu vergessen. Die vorliegende Einspielung wird dabei helfen, weitere Facetten dieser fantastischen Musik für heutige Hörer zu erschliessen.
Wer ungewöhnliche und anspruchsvolle Musik jenseits des Mainstreams kennenlernen will und nebenbei einen Einblick in die höfische Kultur des barocken Europa gewinnen will ist mit dieser CD bestens bedient.


Ein Beispieltrack.

Die CD kann bei mir bestellt werden (CHF 20, € 17) . Zur Einführung versende ich die CD bis 13.September 2014 ohne Porto- und Verpackungskosten.

Eine erste Rückmeldung:

Gefällt mir sehr gut, klare Klangmelodien, unterstützt von mehrstimmigen Begleitungen und tiefen volltönenden
Bässen. Und das alles auf einem Instrument von einem Spieler musiziert. Das ist schon faszinierend und ein grosses Können. Herzliche Gratulation.
(aus einem eMail zur CD)

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Playing Reusner
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In der letzten Zeit beschäftige ich mich vermehrt mit Lautenmusik des früheren deutschen Barock. Zarte Anfänge gab es schon, als ich meine erste 11-chörige Laute bekam auf der CD „Die Laute im Barock“ zu hören, auf der ich einige geistliche Werke des jüngeren Esaias Reusner sowie eine Suite von LeSage de Richée aufgenommen habe. In der Zwischenzeit spiele ich viel auf meiner Kopie der Raillich-Laute und erweitere mein Interesse auch auf französische Musik von Mouton, Dufaut und anderen.
Intensiv habe ich mich im letzten halben Jahr mit dem jüngeren Reusner beschäftigt, dessen Musik mich immer mehr begeistert. Neben den eher Miniaturen zu nennenden geistlichen Werken brachte Reusner zwei Drucke heraus, Delitiae Testudinis (1668) und die Neuen Lautenfrüchte (1676), die mich extrem faszinieren, vor allem durch Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Nur 8 Jahre trennen diese beiden Veröffentlichungen, doch sind die veröffentlichten Stücke unterschiedlich genug, dass E.G. Baron die erste Veröffentlichung noch dem Vater Esaias Reusner zurechnet. In der erfreulichen Lautenlust (Delitae Testudinis) ist noch deutlicher der damals vorherrschende französiche Lautenstil von Reusners Lehrmeister zu spüren (von dem wir wissen, dass es ihn gab, jedoch nicht, wer es war). Doch schon in dieser Veröffentlichung geht Reusner weiter als seine Vorbilder, indem er die Sätze zu Suiten ordnet und nicht, wie vorher üblich, die einzelnen Tanzsätze zusammen gruppiert und es den Spielern überlässt, die Musik zu Suiten zusammenzustellen. Ein Unikum dieser Veröffentlichung ist meines Wissens nach, dass die „klassischen“ Sätze der Suite (Allemande-Courante-Sarabande-Gigue) um eine vorangestellte Paduan (Pavane) erweitert werden. Diese Sätze alleine kann man schon als kontrapunktische Meisterwerke bezeichnen, welche die Polyphonie der Renaissance mit der Eleganz des Barock verbinden..


Ergänzt werden die Kernsätze der Suite wie üblich um Ballet, Gavotte oder andere Tänze, in der ersten Veröffentlichung finden sich auch Preludes im französischen Stil. Die einzelnen Sätze lassen den typischen Personalstil des jungen Reusner erkennen, in den Delitiae Testudinis sind sie aber deutlich verspielter angelegt und die Mittelstimmen haben noch mehr Bedeutung als in den Lautenfrüchten, die gesanglicher angelegt sind und in deren Sätzen die Eckstimmen (Sopran und Bass) das Stück tragen. Gemeinsam sind ihnen neben typischen harmonischen Wendungen die feierliche Ernsthaftigkeit in Anlage und Wirkung. Selbst in den „wilden“ Giguen kann es Reusner nicht lassen, einen interessanten Kontrapunkt hinein zu komponieren.
Somit kann ich Baron nur zustimmen, der ihn ernsthafter als vergleichbare Komponisten des französischen Barock nennt und der vor allem in den Lautenfrüchten bereits auf den vermischten Stil hindeutet, der die deutsche Lautenmusik ab ca. 1690 auszeichnen wird.
Hinzufügen möchte ich aber doch, dass ernsthafter nicht bedeutet, dass seine Musik weniger unterhaltsam wäre. Lautenmusik im Allgemeinen und die Musik Reusners im Besonderen spricht eine ganz eigene Sphäre der sinnlichen Wahrnehmung an, die in der späteren Musik immer mehr an Bedeutung verlor. Ich kann jedem Musikinteressierten die Beschäftigung mit seiner Musik sehr ans Herz legen. Zum Beispiel könnte man meine bald erscheinende CD mit Musik von Reusner und Silvius Leopold Weiss erwerben/vorbestellen.

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Sind die Deutschen bescheuert?
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Stimmen die Werte, welche die Tagesschau dort veröffentlicht, kann ich nur sagen: Die Deutschen sind total bescheuert.

Wollt Ihr den Krieg? Bloss, weil die Amis ihn unbedingt wollen? Das darf doch alles nicht wahr sein!

Ich gehe allerdings davon aus, dass auch diese Werte, nennen wir es mal höflich "interessegeleitet" sind. Bekanntermassen lassen sich Statistiken schon allein durch eine manipulative Fragestellung im gewünschten Sinn beeinflussen. Noch dazu sind die Zahlen interpretationsbedürftig.


(no subject)
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Filme, die ich mir sicher nicht anschauen werde:

My Man Is A Loser : Wegen gegender-hyptem Dünnsinn


Und ein weiterer Film wird wegen der aufdringlichen Werbung ignoriert – auch wenn ich ihn zunächst interessant fand:The Purge


Positiv zu vermerkende Filmerlebnisse hatte ich in der letzten Zeit über Videos, wo ich mir oft kleinere Produktionen anschaue.
Ein Highlight war zum Beispiel „Haunter“, dem ich viele Zuschauer wünsche:



Nachtrag zum letzten Blogpost:

Willkommen in der Propaganda – aufgrund der im Bericht gezeigten Bilder wurde den Rebellen Leichenfledderei unterstellt. Sieht man sich die Sache etwas genauer an ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Da wurde die Interpretation eines Bildes zur Nachricht – das zerstört Vertrauen (wenn denn noch welches vorhanden ist).




Im Zusammenhang sieht es dann so aus:

Schaut man sich das Video an liegt eine andere Interpretation deutlich näher, oder?

Gleichzeitig frage ich mich, wem es denn nutzt, wenn man das alte Feindbild vom „bösen Russen“ wieder zum Leben erweckt? Natürlich ist Putin nicht der „lupenreine Demokrat“, als der er von Schröder bezeichnet wurde. Und sicherlich kommt ihm die Situation in der Ukraine nicht ungelegen, um die strategische Position Russlands auszubauen – schon vor 1200 Jahren bei Karl dem Grossen waren Pufferzonen (damals „Marken“ genannt) gerne genutzt, um das eigene Kernland vor einem als feindlich empfunden Umfeld zu trennen.

Da das Wetter in der Innerschweiz die letzten Wochen pünktlich zum Wochenende mies wurde (wenn es nicht schon unter der Woche verregnet war) konnte ich mich mehr lautenistisch betätigen – und war weniger fotographierend unterwegs. Kern meiner Beschäftigung sind zur Zeit Werke, die es nicht auf die CD geschafft haben wie

Weiss Sonate in C-Dur


oder Reusners Suite in G-Moll aus den autographen Ergänzungen



plus die Wiederbegegnung mit Werken, die ich auf meiner alten Solo-CD bereits aufgenommen hatte wie hier LeSage de Richées Suite in D-Moll (in den Titel für Youtube habe ich fälschlicherweise „F-Dur“ geschrieben. Die F-Dur Suite steht zwar auch auf dem Programm, aber die muss ich erst noch einspielen).



Die Arbeit an der CD nähert sich dem Ende und ich hoffe, sie wird bald verfügbar sein. Trotz erstaunlich weniger Schnitte ist die Arbeit doch etwas langsamer vonstatten gegangen als gedacht. Aber dafür wird die CD ein Genuss werden – ich selbst bin jedenfalls begeistert (welch Wunder! )



Man kann sich nur aufregen ... (Politik)
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Politik und Medien gehen mir zunehmend auf den Zeiger. Da wird vollkommen übereilt den Separatisten eine Schuld für den Abschuss des malaysischen Fliegers gegeben und die westliche Welt zeigt sofort mit dem Finger auf Putin. Geht’s noch? Natürlich lehnen sich die Russen zurück und fordern die Beweise ein – die Vermutung, dass es keine Beweise gibt verdichtet sich in mir. Ich halte es eher für wahrscheinlich, dass es die Ukraine selbst war, die den Flieger abschossen. Darüber hinaus war der Umgang mit der Tragödie zum Fremdschämen. Da sind Menschen, die sich auf einer Urlaubsreise befanden, einen unnötigen Tod gestorben, eine Tragödie für alle Beteiligten. Wäre es nicht naheliegend, sich zunächst der Opfer und deren Angehörigen anzunehmen? Und natürlich muss man auch fragen, wie es dazu kommen konnte! Das Ganze aber gleich politisch zu instrumentalisieren ist eine Schande, für die sich alle Beteiligten, allen voran die USA und die westlichen Medien, aber auch Russen und Ukrainer, schämen sollten.

Die USA verabschieden sich immer mehr vom Rechtsstaat: in den letzten Jahren wuchs die Liste der Terrorverdächtigen um satte 5 Millionen Namen an. Wir erinnern uns: Das sind die, die Obama ohne Urteil und ohne weitere Beweise ermorden darf. Wie wenig dazu gehört, um auf eine solche Todesliste zu geraten wird nun mehr und mehr öffentlich. Nachdem vor einer Weile bekannt  wurde, dass die Benutzung von Anonymisierungstools wie Tor ausreicht, hat nun the Intercept eine Liste veröffentlicht. Danach reichen schon Posts auf Twitter oder Facebook, um auf der Liste zu erscheinen. Wie nennt man noch einmal ein Land, in dem Hinrichtungen ohne Prozess, ohne Widerspruchsrecht und ohne Kontrolle unabhängiger Stellen von einer Einzelperson beschlossen werden dürfen?

Interessant fand ich das Urteil gegen Polen vor dem EUGM, das verurteilt wurde, weil es die USA bei ihren menschenrechtsverachtenden Aktivitäten unterstützt hat. Der Henkersknecht wird verurteilt, der Henker selbst wird goutiert? Dass die USA die Menschenrechte nicht achten, grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien für sie nicht gelten, dass sie grundlos die Welt mit Krieg überziehen – all das ist nunmehr seit Jahren bekannt. Wann endlich wird darauf angemessen reagiert? Wie kann ich China oder Nordkorea kritisieren, die USA aber in einer Wertegemeinschaft mit mir sehen? Ich persönlich mag mich nicht mit einem Staat in einer Wertegemeinschaft sehen, der Folter, Bespitzelung, Mord und weitere Verbrechen für rechtens hält.    
In dieses Schema passt, dass Schäuble sich geweigert hat, die Auslieferungsanträge der deutschen Staatsanwaltschaft gegen amerikanische Verbrecher in Staatsdiensten, die einen deutschen Staatsbürger verschleppt, gefoltert und jahrelang ohne Prozess gefangen gehalten haben, auch nur weiterzuleiten.

Ein weiteres Drama passiert zur Zeit in Gaza – doch was mich wirklich geschockt hat sind Reaktionen in Europa (vor allem in Paris), die einen Antisemitismus offenbaren, den ich in Europa nicht für möglich gehalten hätte. Wahrscheinlich ist das eine Folge davon, dass über Jahrzehnte nun islamfeindlich berichtet und agiert wird. Hier wurde und wird der Religion eine Rolle zugeschustert, die sie nicht hat und die sie in einem rechtsstaatlichen und aufgeklärten Europa nicht haben sollte/darf. Als würde die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Glauben jemanden automatisch zu einem Verbrecher machen! Natürlich bin auch ich nicht einverstanden mit der Politik Israels, genauso wenig wie ich mit der Politik der USA einverstanden bin. Und über die Hamas braucht man gar nicht zu reden. Aber braucht es denn eine intellektuelle Kraftanstrengung, um zu erkennen, dass die Politik eines Landes nichts mit der Bevölkerung zu tun haben muss? Schon gar nicht damit, welcher Religion jemand angehört. Zu erkennen, dass es in einem verbrecherischen Regime genauso gute und böse Menschen gibt wie in dem schönsten demokratischen Rechtsstaat?
Der Staat gibt sich Prinzipien – die Menschenrechte sind eines der Wesentlichen davon. Wenn jemand mordet dann darf es keine Rolle spielen, welchen Glauben der Mörder hat. Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist darf eine Frau nicht gezwungen werden, eine bestimmte Kleidung zu tragen (oder auch nicht) etc.etc.pp. Ob jemand religiös ist und welchem Glauben er angehört geht den Staat nichts an – auch das sind Grundrechte. Verletzt eine Religion diese Grundrechte muss der Staat dagegen vorgehen, egal ob es sich um Beschneidung von jüdischen Jungs, die Schächtung oder ein Burka-Gebot für Mädels geht. Zur Religionsfreiheit gehört aber auch, dass man diese Religion ansonsten frei ausüben kann. Ein Jude soll genauso in die Synagoge gehen dürfen wie ein Christ in die Kirche oder ein Moslem in die Moschee. Hier sollte Toleranz herrschen – eine Religion ist neben der Bekenntnis zu irgendeinem höheren Wesen auch der Wunsch, nach einer bestimmten Art zu leben. Und das hat eine Welt, die sich „frei“ nennt zu respektieren und so weit, wie es geht zuzulassen. Natürlich müssen die religiösen Rituale den gesellschaftlichen Normen entsprechen, überspitzt formuliert „das Opfern der Jungfrau für die gute Ernte“ ist nicht akzeptabel. Schächtung, Beschneidung oder Burka-Gebot sind durchaus reelle Beispiele – und an diesen Beispielen kann man durchaus die Grenzen der Religionsfreiheit diskutieren. Meine persönliche Einstellung dazu ist eben „soviel Freiheit wie möglich zulassen“.
All das hat aber nichts damit zu tun, dass Israel, um seine Bürger vor Angriffen aus dem Gaza-Streifen zu schützen, deutlich über die Strenge schlägt. Die Hamas dagegen schiesst natürlich Raketen gegen Israel - um genau eine solche Reaktion zu provozieren. Ich halte die Reaktion von Israel nicht für schlau, generell führt die Politik gegenüber der arabischen Bevölkerung Palästinas auf Dauer nicht zu einer Befriedung der Lage sondern muss in Wellen zu immer neuer Gewalt führen. Das kann sich Israel nur aus der Position der (militärischen) Stärke heraus erlauben. Doch die "Politik" der Hamas, welche auf dem Rücken ihrer eigenen Bevölkerung einen Guerillakrieg gegen Israel führt und den Tod von hunderten und tausenden Menschen in Kauf nimmt, um Israel vor der Weltöffentlichkeit als Agressor vorzuführen, ist menschenverachtend und führt schliesslich auch nur zu weiterer Gewalt und sicher nicht zu einer Lösung des Konflikts. Nicht einmal zu einer Situation, mit der alle Beteiligten leben könnten - somit stellt sich die Frage: Wer hat ein Interesse daran, dass dieser Konflikt weiter am Leben gehalten wird, obwohl er so sehr gegen die Interessen der Bevölkerungen sowohl Israels als auch der Pälästinenser ist?

Aber genug von der Politik – widmen wir uns lieber wieder der Laute. Wenn schon das Sauwetter es deutlich erschwert, schöne Fotos zu schiessen. Angesichts all des Leid und Elends in der Welt: Ist es nicht geradezu notwendig, innezuhalten und auf die schönen Dinge auf dieser Welt zu schauen?
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Lautenistenleben
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Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, dass das Lautenistenleben nie langweilig werden kann. Schliesslich ist das Instrument sehr heikel und somit gibt es selbst bei Stücken, die man glaubt im Schlaf zu beherrschen immer noch und immer wieder die Notwendigkeit, sie zu proben. Dazu das unermessliche und wunderschöne Repertoire für das Instrument, das immer wieder aufs Neue einlädt, neue (alte) Musik zu entdecken. Wer als Lautenist behauptet, Langeweile zu haben kann ich nicht ernst nehmen!

Inzwischen kaum ein Geheimnis mehr ist sicher, dass ich mitten in einem Projekt stecke, in dessen Zentrum die Musik des jungen Reusners und der jungen Weiss steht. Es ist wahrscheinlich nicht ganz leicht sich vorzustellen, wie so ein Projekt ausschaut. Und ich muss gestehen, dass es zwischen der letzten und dem aktuellen CD-Projekt vor allem so lange gedauert hat, weil es schier unendlich viele Optionen für ein solches Projekt gab. Unter anderem war eine ganze Weile meine Idee, mich der deutschen Renaissancemusik zu widmen. Insbesondere das Ms.1510 hatte es mir angetan und ich beschäftigte mich monatelang mit dieser Musik, spielte Stück um Stück, erarbeitete etwas, was ich eine spannende Trackliste fand und spielte sie via Homerecoding ein, um zu prüfen, ob diese Idee nicht nur in meinem Kopf sondern auch in der wirklichen Welt überzeugte. Die erste Variante kam mir etwas zu folkloristisch rüber und ich dachte, ich könnte dieses Programm durch Musik aus Mylius (als alter Hesse finde ich den spannend), Fuhrmann und Mertel ergänzen, um einen ansprechenden Mix aus unterhaltsamen und anspruchsvollen Stücken zusammenzustellen. Dort verlor ich mich dann – es war nach einer Weile Arbeit an einer Stückliste kein Konzept mehr auszumachen, der rote Faden schien verloren, so dass mir dieses Projekt zwar immer noch durch den Kopf geistert, die Realisierung aber zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.
Im Rahmen dieser Überlegungen kam mir aber wieder der Herr Mylius in den Sinn – warum nicht eine Frankfurter CD mit Musik aus der Zeit des 30-jährigen Krieges? Die Musik mag ich und das Repertoire ist wunderschön. Bei diesem Projekt ist die Quellenlage eine besondere Schwierigkeit: Mylius Druck enthält sehr viele Fehler und ich habe nur einen Ordner mit miesen Drucken eines Mikrofilms. Das bedeutet harte Arbeit an den Quellen – sie lesbar zu bekommen, Fehler in der Quelle zu orten und zu korrigieren etc. – andere Verpflichtungen hielten mich davon ab, diese Arbeit ernsthaft anzugehen – aber dieses Projekt ist immer noch in meinem Hinterkopf und harrt der Realisierung.
Zu dieser Zeit machte ich auch viel Ensemblemusik. Damals war das Repertoire für Laute, Traverse und gestrichenen Bass kaum gespielt und noch so gut wie nie aufgenommen – da diese Musik mein Konzertleben wiederspiegelte und beim Publikum sehr gut ankam entwickelte sich das schnell zu einem Favoriten. Doch Umbildungen in dem Ensemble führten dazu, dass es nie zu einer solchen Aufnahme kam. Dann zog ich in die Schweiz um und mein Fokus war eine Weile auf Anderes gerichtet: es etablierte sich eine Serie von Projekten zum jeweils 500. Jubiläum eines Petrucci-Drucks, das Lautenduo war nun geographisch nah beieinander und konnte sich gut entwickeln, es begann die grossartige Zusammenarbeit mit Magdalena. Gleichzeitig war ich finanziell so angespannt, dass an die notwendige Finanzierung einer CD nicht zu denken war.
Dann kam der Umzug in die Innerschweiz, durch den meine kammermusikalischen Aktivitäten nahezu zum Erliegen kamen. Auch die Konzerttätigkeit ging merklich zurück (zum Thema „Innerschweiz und (Alte) Musik“ lohnt sich ein eigener Blogpost). Dies verbunden damit, dass ich mir eine wunderschöne 11-chörige Laute bauen liess führte dann zur erneuten Beschäftigung mit dem Repertoire, welches nun Gegenstand der bald vorliegenden CD wurde. Dass es dann auch wirklich zur CD kam war auch dem aktiven Marketing des Tonmeisters geschuldet.



Während der Vorbereitung zur CD, die ich zunächst grob mit „deutsche Barockmusik für 11-chörige Laute“ beschäftigte ich mich naturgemäss mit sehr viel Repertoire rund um das Thema: Musik von St. Luc, Losy, aber auch französische Musik der Zeit (die man als stilbildend ansehen kann) und LeSage de Richée (den ich auf der vorigen CD bereits aufgenommen hatte) bildeten weitere Schwerpunkte des Repertoires. Viel wurde (im Homerecording) aufgenommen, für gut befunden – und für das CD-Projekt dann doch wieder verworfen.
Ich wollte vermeiden, dieses Mal wieder den roten Faden zu verlieren. Übrig blieben zum Schluss etwa 8 Suiten von Reusner sowie 3 Suiten (aus A-Wn1078) und einige Stücke bzw. Stückkombination von Weiss aus F-Pn Rés Vma ms. 1213 („Weiss à Rome“). Immer noch viel zu viel Material für eine CD! Auch diese Auswahl musste ich weiter zusammenstreichen (was nun extrem schwer fiel), doch schlussendlich kondensierte sich das Repertoire heraus, welches es nun auf die bald vorliegende CD schaffte.


Was nun weiterhin bleibt sind eine Vielzahl von Projektideen:
Mylius ist weiterhin ein Thema, St. Luc und vor allem der weithin als Komponist unterschätzte Philipp Franz LeSage de Richée.
Gleichzeitig ist derzeit ein Archiliuto in Bau – ich habe mich schon länger mit einigen selten gespielten Komponisten des frühen italienischen Barock beschäftigt. Hier ist ein Projekt bereits sehr konkret und es existiert bereits eine Tracklist. Gleiches gilt für das LeSage-Projekt. Zusammen mit Mylius geistert auch noch Elisabeth von Hessen durch meinen Kopf. Die von Joachim Held vorgelegte Einspielung betont einen Aspekt des Lautenbuchs, die von Lutz Kirchhof einen anderen und beiden würde ich gerne einen weiteren Aspekt gegenüberstellen.  Erwähnte ich, dass es einem als Lautenist nie langweilig wird?

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Laute aufnehmen
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Es gibt wohl kein Instrument, das einen bei einer Aufnahme vor so grosse Herausforderungen stellt wie eine Laute.
Der Obertonreichtum sorgt bei vielen Mikrophonen für eine abstruse Verzerrung des eingefangenen Klangbildes. Ebenso sorgt er dafür, dass grade die hochwertigsten Instrumente auf Aufnahmen am schlechtesten klingen. Ein weiteres Problem des Lautenklangs ist die Räumlichkeit des Lautentons: an jeder beliebigen Stelle eines Raumes klingt das Instrument signifikant anders, was die Mikrophonierung extrem erschwert.
So ist es kein Wunder, dass kaum eine Aufnahme (auch professionell gemachte) den Klang so einfängt wie er von einem Konzertbesucher wahrgenommen wird. Viele Aufnahmen versuchen, den Klang dem einer Gitarre anzugleichen, andere werden so dicht am Instrument aufgenommen, dass der Zuhörer beim Abhören der Aufnahme unwillkürlich einen Schritt zurücktritt, weil er sich innerhalb des Instruments wähnt.

Ich selbst kämpfe nun seit vielen Jahren damit, das Instrument in Homerecording aufzunehmen. Wirklich zufrieden bin ich bislang mit keiner meiner eigenen Aufnahmen, auch wenn die letzten Aufnahmen sich anzunähern scheinen. Es bleibt noch viel zu tun.
Es finden sich im Internet auch zum Thema „Laute aufnehmen“ einige Hinweise und Ratschläge, die ich nur empfehlen kann, kritisch zu hinterfragen; von welcher Seite her mag ich an Homerecording herangehen? Nehme ich eine „gut“ gemachte Aufnahme als gegeben, auch wenn das Ergebnis klanglich nicht überzeugt? Oder gehe ich vom Ergebnis aus und stelle mir mein Equipment so zusammen, dass der Klang meinen Erwartungen entspricht?
Die meisten Aufnahmen gehen vom Soundtechniker aus, der naturgemäss auf sein Equipment vertraut und auftretende Probleme beim Mixen korrigiert. In der Regel ignoriert ein Klangtechniker die Räumlichkeit der Laute und versucht, das Instrument möglichst nah abzunehmen, in der Annahme, dort sei der Klang des Instruments am natürlichsten und somit der ideale Ort, ihn einzufangen.
Die Musiker nun wieder wollen gerne den Klang so haben, wie er beim Publikum ankommt und setzen den Zuhörer gerne irgendwo in den gedachten Raum. Welche Position der Zuhörer dort hat ist von Musiker zu Musiker verschieden. Die einen sehen ihre Zuhörer in der ersten Reihe, andere lieber etwas weiter hinten. Ich zähle zu denen, welche den Zuhörer in die dritte oder vierte Reihe des Konzertraums setzen würden, um ihnen in ihrem Wohnzimmer ein ansprechendes Lautenerlebnis zu bieten.

Als Aufnahmegerät sehr populär bei Lautenisten sind die Produkte aus dem Hause Zoom. Ich selbst habe viel mit dem Zoom H2 und dem Videorecorder Zoom Q2 aufgenommen. Tatsächlich konnte ich damit unter bestimmten Bedingungen ganz brauchbare Ergebnisse erzielen, doch waren mir die Ergebnisse zu weit weg vom Lautenklang (sprich: Das Aufnahmegerät verändert den Klang massiv) und die Ergebnisse waren nicht steuerbar. Ein Livemitschnitt eines Konzerts konnte super gelingen oder katastrophal – je nach Raum und der Möglichkeit, das Gerät zu positionieren. Das ergibt ein sehr hohes Frustrationspotential, was mich dazu veranlasst hat, dieses Aufnahmesetup zu verwerfen.


(Aufnahme mit einem Zoom Q2)

Sehr gute Ergebnisse konnte ich mit Mikrophonvorverstärker, Tascam DAT-Recorder und AKG C1000-Mikros erzielen. Bei dem DAT –Gerät ist und war das Problem die Analog-Digital Schnittstelle des PCs. Ansonsten ist das immer noch eine empfehlenswerte Konstellation.
Aktuell nehme ich mit 2 Behringer B5 oder 2 AKG C1000 und einem Tascam DR-100 auf. Für die Mikrophonierung benutze ich XY-Positionierung etwa 2 bis 3 Meter vom Instrument entfernt. Die Ausrichtung der Mikros wählte ich zunächst parallel auf einer Höhe zum Instrument, nun positioniere ich sie etwas von oben herab nach unten, knapp über die Laute gezielt.
Alternativ benutze ich ein Blue Yeti und nehme direkt in den Rechner auf. Hier ist das Klangbild „weicher“ als mit den B5/C1000.


(aktuelles Setup - Blick von etwas vor meiner Sitzposition bei der Aufnahme)

Nachdem man nun aufgenommen hat, muss man den Klang leider trotzdem noch etwas manipulieren und in einem Soundeditor mit dem Equalizer vor allem die Höhen herunterregeln, um ein halbwegs natürliches Klangbild zu erreichen. Aber auch der Bass muss etwas abgesenkt werden. Interessanterweise wird er dadurch eher deutlicher.
Das Schwierige dabei ist, den Klang so anzupassen, dass er auf unterschiedlichen Wiedergabegeräten ähnlich und gleichmässig gut klingt. Da bin ich zur Zeit noch am Üben. Die Einstellungen, die auf den Boxen gut klingen müssen noch lange nicht auf dem Kopfhörer brauchbar sein und selbst, wenn die beide gut klingen muss es noch nicht bedeuten, dass die Laute auch auf einer Stereoanlage gut klingt.
Als Tool setze ich hier Produkte von Magix (Samplitude und Video De Luxe) ein, die intuitiv recht gut bedienbar sind und qualitativ auf einem guten Niveau.

Somit bin ich beim „Wie aufnehmen“ denke ich auf einem recht guten Weg, denke ich. Auch wenn der Prozess noch lange nicht abgeschlossen ist. In der Videogestaltung würde ich gerne noch optisch etwas mehr bieten und will in Zukunft mit mehreren Einstellungen filmen (was mehrere Takes benötigt, um entsprechendes Material zu bekommen – und entsprechend mehr Aufwand für die Synchronisierung – schliesslich spielt man kaum 2x hintereinander exakt gleich. Oder ich arbeite mit mehreren Videogeräten – das Q4 liegt ja noch herum). Klanglich sehe ich noch sehr viel Potential. Hier werde ich wohl um Experimente nicht herumkommen, bis ich eine akzeptable Klangqualität erreiche.

Das nächste Problem ist: „Was aufnehmen?“ Da muss ich ebenfalls noch  dran arbeiten.
Eigentlich dienen die Aufnahmen im Homerecording für mich vor allem dazu, mich selbst und meine Interpretation der Musik zu kontrollieren. Als solches sind sie per se nicht geeignet, veröffentlicht zu werden. Leider bin ich doch immer wieder in Versuchung, solche naturgemäss auch spieltechnisch (noch) nicht perfekten Aufnahmen zu veröffentlichen – in der Intention der Frage an (Internet-) Freunde: „Lohnt es sich, in dieses Stück Arbeit zu investieren?“.
Als Beispiel hier meine gestrige Aufnahme einer Falkenhagen-Suite:

Die Frage erscheint mir legitim und auch das Vorgehen. Doch habe ich dennoch ein schlechtes Gefühl dabei – als würde ich mich viel zu früh mit einem Produkt an eine Öffentlichkeit begeben (selbst wenn diese Öffentlichkeit aus Freunden besteht).

Der eigentlich Spass beim Aufnehmen ist es, qualitativ in jedem Bereich gute Aufnahmen zu erzeugen. Darum sollte man zusehen, nur Stücke zu veröffentlichen, zu deren Aufnahme man selbst ohne Einschränkung  stehen kann. Schliesslich wird man anhand dieser Aufnahmen auch beurteilt. Das macht Veröffentlichungen sehr heikel und man sollte sich lieber einmal zu viel als einmal zu wenig überlegen, ob man etwas veröffentlicht oder nicht. Dem Zuhörer und –seher sind die Begleitumstände einer Aufnahme nämlich herzlich egal.

Hier noch eine Aufnahme, welche meinen Klangvorstellungen recht nahe kommt.







 

Wie ich zur Laute kam
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Immer wieder werde ich gefragt, wie ich zur Laute kam. Die Instrumente sehen auch heute noch fremd aus, klingen anders und viele Menschen geraten auf meinen Konzerten zum ersten Mal in engeren Kontakt mit dieser Welt.
Tatsächlich kommt aber fast jeder Gitarrist im Rahmen seiner Ausbildung früher oder später in Kontakt mit Lautenmusik, so auch ich. Bereits meine erste Lehrerin, Emma Paulusch, die noch vor dem Krieg im damaligen Sudetenland Gitarre lernte, setzte mir Lautenmusik vor. Ich war schon als kleines Kind neugierig und fragte natürlich, was das denn für ein Instrument sei. „Das ist wie eine Gitarre“ war die Antwort. Zu Beginn der 70er Jahre ging man noch selbstverständlich von der Gleichsetzung einer Wandervogellaute mit dem historischen Instrument aus. Die gute Frau Paulusch wies auch noch darauf hin, man könne mit einer Gitarre doch so viel mehr darstellen als mit einer Laute und die Beschäftigung lohne sich nicht. Damit musste ich es damals bewenden lassen. Viel später sah ich dann eine solche Wandervogellaute und besitze heute eine (restauriert von Frank-Peter Dietrich).


Viele Jahre später ging ich wieder in Gitarrenunterricht, musste viel umlernen, da meine Technik auf dem Stand der Ausbildung von vor dem Zweiten Weltkrieg war. Mein innigster Dank dafür geht an Annette Krebs, die damals in Frankfurt Gitarre studierte. Sie war es auch, die mich ermunterte, am Konservatorium Gitarre zu studieren. Wieder kam ich in Kontakt mit Lautenmusik, dieses mal über eine Ausgabe von Heinz Teuchert mit zwei Sätzen von Nicolas Vallet, „Slaep, soete slaep“ und einer Courante, die mich verzauberten. Deutlich mehr übrigens als John Dowland, seit Beginn meiner Lautenstudien ständiger Begleiter. Mich beeindruckte die Melodik, die geschickt eingesetzte, eher angedeutete Polyphonie und Vollstimmigkeit bei einer von mir als „erhebend melancholisch“ empfundenen Stimmung. Gradezu elektrisiert beschloss ich, mich mit Laute zu beschäftigen!


Am Anfang steht das Instrument, dachte ich (nicht ganz richtig – ein Lehrer hätte mir die Suche erheblich erleichtern können). Damals gab es noch kein Internet, so begann meine Suche bei Dieter Hopf, einem Gitarrenbauer (unter anderem für das Frankfurter Gitarrenduo), von dem ich wusste, dass er auch Lauten gebaut hat. Er lachte und meinte, er baue schon seit Jahrzehnten keine Lauten mehr und ich solle es doch lieber bei Reinhold Seiffert, der ebenfalls im Taunus lebte, nachfragen. Daraufhin verbrachte ich einen netten Nachmittag mit dieser Legende des Mandolinenbaus, der mir von einem Schüler erzählte, der sich ganz auf den Lautenbau konzentriert hätte: Hendrik Hasenfuss.  Sofort versuchte ich Kontakt mit ihm aufzunehmen – doch zu dieser Zeit pausierte er im Lautenbau. Es war zum Mäusemelken! Glücklicherweise fiel mir ein Exemplar des „Handbuch der Gitarre und Laute“ von Konrad Ragossnig in die Hände. Darin enthalten ist auch eine kleine Liste von Lautenbauern, die von Frank-Peter Dietrich angeführt wurde. Der lebte in der damals noch existenten DDR. Doch er hatte tatsächlich ein Instrument zu verkaufen, eine 8-chörige Renaissancelaute, mit der meine Beschäftigung mit der Laute anfing. Ich beschloss, Laute und Gitarre an Dr.Hoch’s Konservatorium (das ist übrigens kein Deppenapostroph - das Kons schreibt sich wirklich so) in Frankfurt zu erlernen. Leider dauerte es noch eine ganze Weile, bis ich endlich eine 10-chörige Laute mein Eigen nennen konnte und wieder zur Musik von Nicolas Vallet zurückkommen konnte.

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Burkaverbot
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Für meine Begriffe eindeutig ein Gefälligkeitsurteil ist die Bestätigung des Burkaverbots in Frankreich. Dass die Art, sich zu kleiden, tatsächlich Gegenstand einer Gerichtsverhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte werden könnte hätte ich auch niemals vermutet. Genauso wenig, wie eine gesetzlich vorgeschriebene Kleiderordnung im öffentlichen Raum.
Die Begründung, es bestehe ein Grundrecht auf ein „das Zusammenleben erleichternden Raum der Begegnung“ gäbe ist schlicht hanebüchen. Zum Recht darauf, miteinander zu kommunizieren gehört auch zwingend das Recht, sich dieser Kommunikation zu verweigern. Mit der gleichen Begründung liessen sich auch Miniröcke verbieten oder Tätowierungen oder eben alles, was als nicht der (unbestimmten) "Norm des Zusammenlebens" entspricht.
Glücklicherweise hat der EGMR allerdings die üblichen Verdächtigen als legitime Gründe verworfen („Kampf dem Terror“).
Allerdings entspricht auch das deutsche Vermummungsverbot einer solchen Gesetzgebung (wenn diese Kleiderordnung auch nur unter speziellen Bedingungen – der Teilnahme an Demonstrationen – gilt). Der Generalverdacht, unter den hier alle Demonstrationsteilnehmer gestellt werden, hat mich schon aufgeregt, als das Vermummungsverbot in Deutschland eingeführt wurde. Bei beiden handelt es sich aber um Bekleidungsvorschriften, die einen gesellschaftlichen Rückschritt markieren. In den 20ern mag es noch üblich gewesen sein, kniefreie Kleidung unter Strafe zu stellen, heute erwarte ich von einer Gesellschaft, in Kleiderfragen offener zu sein. Wir tolerieren schliesslich auch die geschmackliche Modeentgleisungen der sogenannten Haute Couture.  Oder Tätowierungen: Kulturfremd sind sie allemal und verändern den Körper. Ich persönlich mag sie nicht, aber ich habe gefälligst die Freiheit eines anderen zu respektieren, sich selbst zu entstellen! (was auch für manche Brillen, Kleidungsstile etc. gilt)
Der gerne gebrachte Einwurf, bei Burka und Niqab handele es sich um Symbole für die Unterdrückung der Frau und müssten deshalb verboten werden, ist haltlos. Denn selbst, wenn dieser Vorwurf zutreffen wurde und sich nicht viele Frauen freiwillig der Tradition unterwerfen würden wäre es Quatsch, ein Symbol zu bekämpfen statt der Ursache.
Es geht schliesslich um Recht und Gesetz und nicht um Voodoo (wo ein Symbol, meistens eine Puppe, anstelle des eigentlichen Ziels mit Nadeln gepikst oder verbrannt wird).

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