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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


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Wie ich zur Laute kam
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Immer wieder werde ich gefragt, wie ich zur Laute kam. Die Instrumente sehen auch heute noch fremd aus, klingen anders und viele Menschen geraten auf meinen Konzerten zum ersten Mal in engeren Kontakt mit dieser Welt.
Tatsächlich kommt aber fast jeder Gitarrist im Rahmen seiner Ausbildung früher oder später in Kontakt mit Lautenmusik, so auch ich. Bereits meine erste Lehrerin, Emma Paulusch, die noch vor dem Krieg im damaligen Sudetenland Gitarre lernte, setzte mir Lautenmusik vor. Ich war schon als kleines Kind neugierig und fragte natürlich, was das denn für ein Instrument sei. „Das ist wie eine Gitarre“ war die Antwort. Zu Beginn der 70er Jahre ging man noch selbstverständlich von der Gleichsetzung einer Wandervogellaute mit dem historischen Instrument aus. Die gute Frau Paulusch wies auch noch darauf hin, man könne mit einer Gitarre doch so viel mehr darstellen als mit einer Laute und die Beschäftigung lohne sich nicht. Damit musste ich es damals bewenden lassen. Viel später sah ich dann eine solche Wandervogellaute und besitze heute eine (restauriert von Frank-Peter Dietrich).


Viele Jahre später ging ich wieder in Gitarrenunterricht, musste viel umlernen, da meine Technik auf dem Stand der Ausbildung von vor dem Zweiten Weltkrieg war. Mein innigster Dank dafür geht an Annette Krebs, die damals in Frankfurt Gitarre studierte. Sie war es auch, die mich ermunterte, am Konservatorium Gitarre zu studieren. Wieder kam ich in Kontakt mit Lautenmusik, dieses mal über eine Ausgabe von Heinz Teuchert mit zwei Sätzen von Nicolas Vallet, „Slaep, soete slaep“ und einer Courante, die mich verzauberten. Deutlich mehr übrigens als John Dowland, seit Beginn meiner Lautenstudien ständiger Begleiter. Mich beeindruckte die Melodik, die geschickt eingesetzte, eher angedeutete Polyphonie und Vollstimmigkeit bei einer von mir als „erhebend melancholisch“ empfundenen Stimmung. Gradezu elektrisiert beschloss ich, mich mit Laute zu beschäftigen!


Am Anfang steht das Instrument, dachte ich (nicht ganz richtig – ein Lehrer hätte mir die Suche erheblich erleichtern können). Damals gab es noch kein Internet, so begann meine Suche bei Dieter Hopf, einem Gitarrenbauer (unter anderem für das Frankfurter Gitarrenduo), von dem ich wusste, dass er auch Lauten gebaut hat. Er lachte und meinte, er baue schon seit Jahrzehnten keine Lauten mehr und ich solle es doch lieber bei Reinhold Seiffert, der ebenfalls im Taunus lebte, nachfragen. Daraufhin verbrachte ich einen netten Nachmittag mit dieser Legende des Mandolinenbaus, der mir von einem Schüler erzählte, der sich ganz auf den Lautenbau konzentriert hätte: Hendrik Hasenfuss.  Sofort versuchte ich Kontakt mit ihm aufzunehmen – doch zu dieser Zeit pausierte er im Lautenbau. Es war zum Mäusemelken! Glücklicherweise fiel mir ein Exemplar des „Handbuch der Gitarre und Laute“ von Konrad Ragossnig in die Hände. Darin enthalten ist auch eine kleine Liste von Lautenbauern, die von Frank-Peter Dietrich angeführt wurde. Der lebte in der damals noch existenten DDR. Doch er hatte tatsächlich ein Instrument zu verkaufen, eine 8-chörige Renaissancelaute, mit der meine Beschäftigung mit der Laute anfing. Ich beschloss, Laute und Gitarre an Dr.Hoch’s Konservatorium (das ist übrigens kein Deppenapostroph - das Kons schreibt sich wirklich so) in Frankfurt zu erlernen. Leider dauerte es noch eine ganze Weile, bis ich endlich eine 10-chörige Laute mein Eigen nennen konnte und wieder zur Musik von Nicolas Vallet zurückkommen konnte.

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