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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


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8. Lautenspielertreffen in Cottbus
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Nach vielen Jahren Abstinenz von solchen Veranstaltungen zog es mich wieder einmal zu einem Lautenspielertreffen. Anfänglich waren sie für mich eine willkommene Gelegenheit, mich mit anderen Lautenspielern auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und ein paar Tage ganz und fast ohne Ablenkung dem Lautenspiel zu widmen. Mit den Jahren sah ich musikalisch keinen Sinn mehr darin und nur für die soziale Komponente war mir der Aufwand für ein solches Treffen zuviel.



Mitten in der Nacht (die erste Ziffer auf der Uhr war eine 4) ging es am 3.Oktober aus der Innerschweiz ab Richtung Cottbus. Nach einigem Hin und Her habe ich mich entschlossen gehabt, neben der kleinen Theorbe (falls meine Dienste als Begleiter gefragt sein würden) noch meine Barocklaute nach Railich mitzunehmen, um mit Mathias französische Barocklautenduette zu spielen. Dafür liess ich die Vihuela und auch das Renaissance-Repertoire zuhause.
Die Fahrt verlief gut und weitgehend ereignislos, so dass ich bereits ca. 15.00 Uhr in Cottbus ankam und eine erste Erkundung der Stadt vornehmen konnte. Cottbus hat eine sehr schöne Altstadt, in welcher der Herbstmarkt stattfand. Sie ist umgeben von einem Grüngürtel, der einen vergessen lassen kann, dass man sich mitten in einer Stadt befindet. Auf dieser ersten Erkundung hatte ich meine analoge Kamera dabei (Fotos werden folgen, wenn der letzte Film vollgeknipst und vom Entwickeln zurück ist).
Abends traf ich dann Wolfgang, der das Lautenspielertreffen organisiert hat. Bei gutem Bier und einem paar Weisswürsten mit süssem Senf ging dieser Reisetag zu Ende.

Freitag hatte ich auch noch den ganzen Tag frei – das Treffen begann erst am Abend in der Kneipe. Ich wollte mir vor allem Schloss Branitz mit dem dazugehörigen Schlosspark anschauen. Nach einem Fussmarsch durch den Grüngürtel erreichte ich den Schlosspark an der vom Schloss abgewandten Seite. Schon auf dem Weg konnte ich die wunderbare frühherbstliche Stimmung geniessen. Überall lagen Nüsse und Kastanien und leichter Bodennebel verlieh der Landschaft einen gespenstig-schönen Weichschleier. Der Park des Schlosses ist gigantisch – 100 Hektar gross mit 50 Kilometern Wegenetz.




(Fotos)














Nach ein paar Stunden im Park ging ich zum Schloss, besichtigte es zunächst von aussen, um dann das Innere in Augenschein zu nehmen. Der Eintritt plus die 3 Euro für eine Fotoerlaubnis haben sich gelohnt, finde ich.



(Fotos)














Anschliessend überlegte ich kurz, ob ich im Schloss oder in der Stadt einen Kaffee nehmen sollte, doch da es noch nicht so spät war entschloss ich mich, in die Stadt zurückzukehren und dort das Apothekenmuseum und die Mühle zu besuchen, die Wolfgang mir empfohlen hatte. Leider war dort geschlossen. Doch die Chocolaterie, die ich ebenfalls empfohlen bekommen hatte, machte das alles wett: Super leckere Schokolade, ein Kuchen, der jede Sünde wert ist versüssten meine Kaffeepause.
Anschliessend nutzte ich die „Blaue Stunde“, um noch einige Fotos in der Stadt zu schiessen.



Das Treffen begann mit dem, was Wolfgang „social meeting“ nannte, dem Treffen der Teilnehmer im Café Zelig. Nach und nach trafen die Teilnehmer ein, es galt, viele alte Bekannte zu begrüssen und Neuigkeiten auszutauschen. Auch das kulinarische kam natürlich nicht zu kurz und die Zeit verflog. Bald war es Zeit, ins Bett zu gehen. Schliesslich wollten wir um 10 Uhr mit dem Lautenspiel beginnen.
Leider ergab sich an diesem Abend auch, dass das ursprünglich für Samstagabend geplante Konzert abgesagt werden musste. Doch Wolfgang fragte bei Magnus Andersson an, der kurzfristig bereit war, einzuspringen.

Der Samstag stand dann im Zeichen gemeinsamen Musizierens. Überall in der Oberkirche erklangen Lauten, man hörte Gesang, Fiedeln und Gamben. Auch Mathias und ich spielten uns durch die französischen Duette, die Mathias zum Musizieren vorgeschlagen hatte. Ich hatte die Stücke vorher noch nicht gespielt gehabt und war beeindruckt von der Schönheit dieser Duette für zwei Barocklauten. Wir suchten uns einige Stücke (eine Suite von Dufault) für den Vortrag am sonntäglichen Werkstattkonzert aus und einigten uns auf eine kleine Suite (von Niewerth) zum Spiel beim Gottesdienst. Mathias hatte ausserdem einen Choral bearbeitet – inklusive einer Contrepartie – welchen seine Tochter sang und wir begleiteten.
Dazwischen lagen dann Proben für ein gemeinsames Stück aller Teilnehmer, bei welchem ich mich mit meiner kleinen Theorbe beteiligen durfte.
Schon bald war es Zeit, sich dem passiven Teil des Treffens zu widmen: einem Konzert von Magnus Andersson mit seiner Sängerin Christina Stegmaier, die ein wunderschönes Konzert mit englischer Musik der Renaissance gaben. Beeindruckend, was sie in der zugig-kalten Kirche zustande brachten! Auch klanglich und interpretatorisch wussten sie zu überzeugen. Eigentlich wäre das schon genug für einen Abend gewesen, doch liessen alle den Abend noch bei einem guten Znacht im griechischen Restaurant gegenüber ausklingen. Besonders bemerkenswert (neben der hervorragenden Küche) war: Der (kostenpflichtige) Biernachschub klappte dort nicht so reibungslos wie der (kostenlose) Nachschub an Ouzo.



Nachdem Klaus, Corinna und ich die Kneipe aufs Neue abzuschliessen halfen, war es Sonntagmorgen sehr früh – bereits um viertel nach 9 war ich vor Ort, die Laute stimmen. Um 10 Uhr begann dann der Gottesdienst mit unserer Beteiligung. Das Consort steuerte die Eröffnungsmusik bei, Mathias und ich spielten zum Ende wie verabredet die Niewerth-Suite, zur Predigt spielten Magnus und Christina „Time stand still“, zum Gebet gaben Mathias, Rebekka und ich den Choral (wobei ich etwas Mühe hatte, in das Stück reinzukommen – hoffentlich ist es nicht zu sehr aufgefallen) und während des Abendmahls spielte Wolfgang etwas Renaissancelaute und Mathias gab eine lange, sehr schöne Improvisation zum Besten, welche sich wohl an einer Chaconne orientierte und mich begeisterte.


(Fotos)






Nach dem Gottesdienst war etwas Pause, in der noch fleissig geprobt wurde, bis um 15.00 Uhr das Werkstattkonzert begann. Da Mathias früh zum Zug musste eröffneten wir das Konzert mit der Suite von Dufaut. Natürlich hat nicht alles geklappt (nach nicht einmal einem Tag Probe und ohne, dass man vorher bereits zusammen gespielt hatte wäre das wohl arg viel erwartet), aber ich fand, wir schlugen uns ganz wacker und hoffe, uns gelang es, etwas von der Schönheit dieser Musik den reichlich anwesenden Zuhörern zu vermitteln. Dem Werkstattcharakter dieser Abschlussveranstaltung entsprechend waren die anderen musikalischen Beiträge gemischt – beim einen klappte es besser als beim anderen, bei einigen spürte man die Nervosität, andere blieben  beim Vortrag ihrer Stücke cool – ich selbst durfte noch das „Rudelstück“ („Tant quai vivray“) mitspielen. Dort spielte ich ja Theorbe und wie immer war ich etwas nervös, ob der Instrumentenwechsel gut klappen würde – schliesslich sind die Dimensionen der Instrumente sehr unterschiedlich. Aber es klappte problemlos.














Nach diesem Abschluss der Veranstaltung trafen sich diejenigen, die (noch) nicht zum Zug mussten noch zu Kaffee und Kuchen, bevor die Veranstaltung endgültig zu Ende ging. Ich brachte die Lauten ins Hotel und schloss für mich persönlich mit einem wunderbaren Essen in dem indischen Restaurant vis a vis der Oberkirche.
Montag ging es dann wieder zurück in die Schweiz.

Zusammenfassend lässt sich sagen: es ist wunderbar, dass sie vor vielen Jahren von mir ins Leben gerufenen Lautenistentreffen immer noch existieren. Fantastisch die Arbeit, die Wolfgang dort hineingesteckt hat. Vielen Dank dafür! Er fand genau das rechte Mass zwischen fixen Punkten, welche das Treffen strukturierten, zwischen Gemütlichkeit und Musizieren und somit ist er hauptsächlich verantwortlich für die super Stimmung, die an diesem Wochenende bei allen Beteiligten herrschte. Das Teilnehmerfeld ist ebenfalls erwähnenswert – und etwas Besonderes. Schliesslich waren sicher etwa die Hälfte der Teilnehmer nicht einmal Lautenisten! So ergab sich fast eine Stimmung, wie sie weiland bei den Musikantentreffen auf der Musikburg herrschte. Kurz: ich danke allen und finde keinen Ansatzpunkt für Verbesserungen. Eine super Veranstaltung, welche voraussichtlich am letzten Septemberwochenende 2014 seine 9. Auflage erleben wird.




 
 

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